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Neue Geschichte.
Mazarin.
Fronde
1648—53.
Ludwigdes XIV.Selbstregie«rung.
52. Frankreich: Ludwig XIV. 1643-1715.
I. Ludwig des XIV. erster (1667—1668) und Weiter (1672—1678)Eroderungskrieg.
1. Regentschaft. Mazarin. Krieg der Fronde 1648—1653. Ludwigs Selbstrcgierung(I'ötat o'ost moi). Der phrenäische Friede 1659. Erster Eroberungskrieg 1667—1668. Die Tripelallianz. Der Friede zu Aachen 1668. 2. Zweiter Eroberungs-krieg 1672—1678. Wilhelm von Oranien, Ruyter und Tromp. Hollands Bundes-genossen: der große Kurfürst, Kaiser Leopold 1. und Karl II. von Spanien. Schlachtbei Fehrbellin'1675. Turenncs Siege; sein Tod bei Sasbach 1675. Verwüstung derSaargegend und des Breisgaus (Louvois). Friede zu Niinwcgcn 1678; die Franche
Comts französisch.
1. Ludwig XIV. (geb. 5. September 1638) war erst fünf Jahrealt, als sein Vater Ludwig XIII. (S. 163) starb. Daher übernahm seineMutter, Anna von Österreich, eine Tochter Philipp des III. von Spaniensdie vormundschaftliche Regierung; in der That aber herrschte der staatsklugeKardinal Mazarin, der auch die Erziehung des jungen Königs leitete.Mazarin verfuhr, um alle Unterthanen zu fügsamen Werkzeugen des könig-lichen Willens zu machen, gegen den Adel und die hohen Beamten mit der-selben Härte und Willkür, wie sein Vorgänger Richelieu (S. 163). Anfangssetzten die Großen dem eigenmächtigen Minister nur geringen Widerstandentgegen, später aber, als derselbe einige Parlamentsräte verhaften ließ, kanlder Unwille zu gewaltsamem Ausbruche. Fünf Jahre, von 1648—1653,wurde Frankreich von einem blutigen Bürgerkriege, dem Krieg der Fronde^,zerrissen. Der Adel unterlag, und Mazarin herrschte willkürlicher, denn zuvor.
Ludwig erklärte sich schon in seinem 14. Jahre für mündig und selbst-regierend, und bald zeigte er, daß die absolutistischen Lehren seines Ministersbei ihm guten Boden gefunden hatten. Als das Parlament einmal For-derungen der Krone nicht bewilligen wollte, sprengte der junge (16jährige) Königvon Bincennes ^ nach Paris, trat, wie er war, in Jagdklcidern, Stiefeln undSporen und die Reitpeitsche in der Hand, in die Versammlung und donnertedie Abgeordneten so an, daß sie sich alsbald fügten. Seitdem machte das Par-lament nie wieder einen Versuch, sich den Anordnungen des Königs zu widersetzen.
Mazarin blieb bis zu seinem Tode (9. März 1661) an der Spitze derStaatsverwaltung; dann aber übernahm Ludwig selbst die Leitung der Ge-schäfte. Die Anfrage einiger Räte, a» wen sie sich nun in Staatssachen zuwenden hätten, soll er mit den Worten: „An mich; denn der Staat, der binich!" (I'etut o'ost moi!) beantwortet haben. Und die gebietende Stellung, welcheLudwig ini Innern seines Reiches einnahm, war er auch entschlossen, gegen seineNachbarn, ja gegen ganz Europa durchzusetzen. Er wollte der erste Monarchder Erde werd»:, und hielt zur Erreichung dieses Zieles kein Opfer zu groß-Nach außen trat Ludwig daher als Eroberer auf. Schon im west-fälischen Frieden 1648 hatte ihm Deutschland das Elsaß (S. 165) ab-
* In Spanien folgte auf Philipp 11. (S. 142) sein Sohn Philipp 1H-(S. 146), dann sein Enkel Philipp IV. (1621—1665) und endlich sein Urenkel Karl H-(1665—1700,.
° Nach dem Worte Fronde, die Schleuder, hießen die Pariser Straßenjungen,welche sich mit Schlendern bekriegten, Frondeurs. So wie diese, meinte man,beim Erscheinen eines Polizeibeamten weglaufe» und dann mit Geschrei wiederkehren,so sei auch die Partei des Parlaments bald furchtsam, bald anmaßend.
" Vincennes, Marktflecken mit Schloß, jetzt innerhalb der Befestigung vouParis liegend.