Band 
Zweiter Kursus.
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186
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Neue Geschichte.

Regie-

rungsan-

tritt

1697.

Gegner

Schwedens,

Nordischer

Krieg

1700—21.

Kopen-

hagen.

Traveudal

1700.

4. Neue Feinde der Schweden (Friedrich Wilhelm I. von Preußen und Georg I. vonEngland). Feldzug gegen Norwegen 1718. Tod Karl des Xll. vor Friedrichshall1718. Karls Persönlichkeit und Charakter. Ende des nordischen Krieges 1721.

1. Karl XU. (geb. 27. Juni 1682) war der Sohn des schwedischenKönigs Karl des XI. (S. 177 Anm. 2.) und seiner Gemahlin UlrikeEleonore, einer dänischen Prinzessin. Mit glücklichen Anlagen ausgestattet,erwarb er sich eine gute wissenschaftliche Bildung, namentlich in den Sprachenund in der Mathematik. Schon im 11. Jahre verlor er seine Mutter und,noch nicht 15 Jahre alt, den Vater. Trotzdem erklärten ihn die Stände fürvolljährig, und im Dezember 1697 ward er feierlich gekrönt. Anfangs küm-merte er sich wenig um die Regiernngsgcschäfte, aber das feindselige Bcnehmen der Nachbarstaaten weckte des jungen Königs Thatkraft und ließ ihnschnell zum Mann und Helden heranreifen.

Schweden war seit dem 30 jährigen Kriege die erste nordische Machtund Herr der Ostsee: die Handelsstädte Bremen, Wismar, Stralsuud, Stettin,Riga und Rcval* waren dem schwedischen Reiche unterworfen; die Mündüngen der Weser, Oder, Düna und Newa waren von Schweden besetzt undgewährten reichliche Zölle; Ingermannland, Livland und Esthland waren seineKornkammern. Rußland hatte damals kein anderes Meer zur Grenze, alsdas Eismeer und (seit 1696) das Asowischc. Die Stätte, wo Petersburgsteht, war noch eine sumpfige Niederung auf schwedischem Grund und Boden.Bei dem Tode Karl des XI. hielten es daher Dänemark, Polen? undRußland an der Zeit, auf Kosten des jungen schwedischen Nachfolgers ihreeigene Herrschaft zu erweitern. Und alle drei schloffen (1699) ein Bündnisund gelobten sich bei Ausführung ihrer Pläne gegenseitigen Beistand.

Die Nachricht hiervon erregte im schwedischen Reichsratc große Be-stürzung. Viele sprachen von Unterhandlungen und notwendigen Aufopfe-rungen. Karl aber sagte mit bewunderungswürdiger Entschiedenheit: „Ichhabe den festen Vorsatz, nie einen ungerechten Krieg zu führen, aber aucheinen gerechten nur durch den Untergang meiner Feinde zu enden." Hierausward der Krieg beschlossen, Heer und Flotte gerüstet.

2. Friedrich IV. von Dänemark eröffnete die Feindseligkeiten und damitden nordischen Krieg, indem er 1700 in daS Herzogtum Holstein, dasdem Schwager Karls gehörte, einrückte. Auf die Kunde hiervon segelte der18 jährige Schmedcnkönig mit seiner Flotte vor Kopenhagen und landeteda unter dem heftigsten Feuer der Dänen. Karl selbst sprang, den Degenin der Hand, aus dem Schiff und watete mit seinem ihm nacheifernden Heeredem Ufer zu. Als die Kugeln an ihm vorbei sausten, fragte er seine Be-gleiter, was das für ein Pfeifen wäre. „Sire, das sind Flintenkugeln!"„So?" entgegnete der König, „das soll künftig meine liebste Musik sein!"Die Verschanzungen wurden erobert und die Dänen nach der Stadt zurück-gedrängt. Darüber war Friedrich IV. so betroffen, daß er um Frieden bat. Ererhielt ihn zu Traveudal^ (18. August 1700) und verpflichtete sich darin, denHerzog von Holstein zu entschädigen und dem Bunde gegen Schweden zu entsagen.

1 Wismar, Stadt an der Ostsee, nördlich von Schwerin. — Stralsuud,Stadt im Westen der Provinz Pommern, an,der Ostsee. — Stettin, Stadt amAuspuffe der Oder. — Riga, Stadt an der Mündung der Diina (am Rigaer Meer-busen). — Reval, Stadt am finnischen Meerbusen. — Traveudal, Amtsort inHolstein an der Trave.

2 Polen war bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts das umfangreichsteKönigreich im Osten Europas, das vom Dnicpr bis jenseits der Weichsel reichte.