Karl XII. von Schweden 1697—1718.
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Inzwischen hatte der König von Polen, Äugn st II. (S. 181 Anni. 2.),
Avland mit Krieg überzogen. Eben wollte sich Karl zu dessen Bekämpfungeinschiffen, als er die Nachricht erhielt, daß sein dritter Gegner, Peter derGroße von Rußland (1689—1725), mit 80 0l>0 Mann in Esthland ein-gebrochen sei und Narwa' belagere. Sofort wandte er sich gegen diesen.
I>n Oktober 1700 landete er bei Pernau' und rückte mit 5000 Fußgängern
und 3300 Reitern gegen Narwa. Unter dem Schutz eines dichten Schnee- Narwa
gestöbers, welches den Russen ins Gesicht fiel, griff Karl (30. November 1700)
das feindliche Lager an und schlug den zehnfach überlegenen Feind in weniger,
als drei Stunden. Peter errötete, von einem „Knaben" besiegt zu sein; doch
faßte er sich schnell und sagte: „Ich weiß wohl, daß uns die Schweden noch
oft schlagen werden; aber endlich werden sie uns auch siegen lehren."
Darauf zog Karl gegen den König August von Polen, welchen er per-sönlich haßte. Er schlug ihn bei Riga' (1701), Klissow' (1702) und Pnl- Niga 1701.tuski (1703) und zwang die Polen, in der Person des Woiwodcn Stanis- Klissowlaus Lcszinsky sich einen anderen König zu wählen (1704). August gingnach Sachsen zurück, um neue Truppen zu werben, während sein zurückgelassenes 170g,Heer nochmals bei Fraustadt 1 (13. Februar 1706) besiegt wurde. Nun Fraustadtfaßte Karl den Plan, seinen Gegner in dessen Stammlande heimzusuchen. l706.Ohne beim Kaiser anzufragen, rückte er durch Schlesien nach Sachsen undZwang August, daß er im Frieden von Altranstädt' (24. September 1706) auf Friede zudie polnische Krone verzichtete, seinen Gegner Lcszinsky anerkannte und dem AltranstädtBündnisse gegen Schweden entsagte. Hierauf blieb Karl noch ein Jahr inSachscn, wo er seine Truppen bestens verpflegen und neu kleiden ließ. Erstim August 1707 brach er wieder auf, um Peter den Großen, welcher seit„Narwa" sein Heer verbessert und Ingermannland (1703 Gründung vonPetersburg) erobert hatte, zu bekämpfen.
3. Im Jahre 1708 rückten die Schweden auf russisches Gebiet undstanden Ende Juli in der Nähe von Smolensk'. Karl hatte den Plan,geradewegs auf Moskau zu marschieren, wandte sich aber Plötzlich nach Süden,in die Steppen der Ukraine. Dies geschah auf Veranlassung des Kosakcn-Hctmau Mazeppa. Er hatte dem Könige Lebensrnittel in Überfluß und ein Mazeppa.Kosakenkorps von 30000 Mann versprochen und sich dafür die Befreiungvon der russischen Oberherrschaft ausbcdnugcn. In der Ukraine fand Karlaber alles anders, als er sich gedacht hatte. Ungeheuere Waldungen undwüste Strecken wechselten mit Sümpfe» und Morästen. Überall fehlte es anObdach und Nahrungsmitteln: die Russen hatten alle Gebäude, sowie die Vor-räte an Hcn und Stroh verbrannt. Mazeppa führte dem König statt der ver-heißenen 30 000 nur 5000 Kosaken zu und brachte weder Geld, noch Lcbcns-mittel mit. Die beständige Nässe, die schlechte Kost und die mangelhafte Be-kleidung erzeugten Krankheiten und rafften Menschen und Tiere dahin. Hierzukam später eine furchtbare Kälte, die den Winter von 1708 auf 1709 beriichtigt gemacht hat (S. 184). In dieser Not rieten der schwedische Ge-neralstab und Mazeppa selbst zu schneller Umkehr nach Polen. Karl aber
' Narwa, Stadt an der Südküste des finnischen Meerbusens. — Pernan,
-Stadt am Rigacr Meerbusen. — Riga, S. 186 Anm. 1. — Klissow, polnische«
Darf, zwischen Krakan und Lnblin. — Pultnsk, Stadt am rechten Ufer des Narew,nördlichen Nebenflusses der Weichsel. — Fraustadt, Kreisstadt in der Provinz Postchan der Eisenbahn vonGlogau nach Posen. — Altranstädt, preußisches Dorf zwi-'schen Leipzig und Merseburg. — Smolensk, Stadt am Oberlauf des Dniepr.