Band 
Zweiter Kursus.
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Neue Geschichte.

dadurch die Mittelstaaten in ihrer Bedeutung bedroht sahen, stellten am19. Mai einige derselben beim Bundestag den Antrag auf gleichzeitige Ab-rüstung sämtlicher Bnndesglieder. Dieser Antrag wurde zwar angenommen,aber Preußen und Österreich behielten sich vor, unter welchen Bedingungensie abrüsten wollten.

Am 1. Juni berief Österreich nicht nur die holsteinischen Stände,um die Stimme des Landes in die Wagschale zu legen, sondern brachte denganzen Streit auch vor den Bundestag. DiefesVerfahren erklärte Preu ßen füreinen Brnch der Gasteiner Konvention und ließ den Gouverneur von Schles-wig, General v. Manteuffel, mit dem ihm beigegebcnen Heere (20 000 Mann)in Holstein einrücken. Beide Herzogtümer sollten, wie früher, gemeinschaftlichbesetzt und verwaltet, zunächst jedoch der Zusammentritt der Stände verhin-dert werden. Nun zog der österreichische Statthalter v. Gablenz „unterProtest" mit seinen Truppen (3000 Mann) nach Böhmen; auch der Prä-tendent Friedrich von Augustcnbnrg mußte sein „Erbland" verlassen.

Dieses Vorgehen Preußens bezeichnete Österreich als einen Akt gewalt-samer Selbhilfc und beantragte beim Bundestage die Mobilisierung des ge-samten Bnndesheeres mit Ausnahme des preußischen Kontingents. Obgleichder preußische Gesandte (v. Savigny) diesen der Verfassung des Bundeswidersprechenden Antrag bekämpfte, ward derselbe dennoch in der Sitzungvom 14. Juni 1866 mit 9 gegen 6 Stimmen angenommen. Auf diesesErgebnis hin erklärte v. Savigny, daß Preußen den bisherigen Bundesvertragfür gebrochen ansehe und demgemäß handeln werde. Nach diesen Mittei-lungen verließ der Vertreter Preußens den Saal. Die Gesandten derStaaten, welche außer Preußen gegen den Antrag Österreichs gestimmt hatten,folgten seinem Beispiel.

Noch einmal bot Preußen ani folgenden Tage (15. Juni) seinenunmittelbaren Nachbarn, soweit sie seine Gegner gewesen waren (Sachsen,Hannover, Kurhessen und Nasfan), den Frieden an, indem es ihnen unterder Bedingung sofortiger Abrüstung und Ausschreibung der Wahlen für dasbeabsichtigte Parlament ihren Besitzstand und nach Maßgabe der Reform-vorschläge ihre Souverainetätsrechte gewährleistete. Da aber dieses Aner-bieten abgelehnt wurde, so erfolgte am 16. Juni 1866 das Einrücken preu-ßischer Truppen »in jene Nachbarlande, und der Krieg nahm seinen Anfang.

III. Der deutsche Krieg 1866.

1. Das Borspiel, Juni: Hannover (Langensalzal, Sachsen, Kurhessen. Böhmen.Feldzeugmeister Benedek. Die beiderseitigen Heere. Das österreichische Hauptquartiernach Josephstadt. Einrücken der Preußen'nach Böhmen. Erste und Elbarmee bei Git-schin; die zweite bei Königinhof. 2. Die Entscheidung, 3. Juli: Schlacht bei. Königgriitz. Die Preußen bis vor Wien. Waffenstillstand zu NikolSburg. Friedemit Österreich zu Prag, August. 3. DaS Nachspiel: Der Krieg im SüdwestenDeutschlands. Friede mit Süddeutschland und Sachsen. Ende des Bundestages. DieAnnexionen Preußens. Die Folgen des Krieges: norddeutscher Bund. Reichstag 1867.

1. Nachdem sich der Kampf, welcher zur Befreiung der Elbherzogtümerunternommen ward, in einen Kampf um die Hegemonie in Deutsch-land verwandelt hatte, verfuhr Preußen mit der ihm eigenen Schnellig-keit und Thatkraft.

Auf dem nördlichen Kriegsschauplatze leisteten nur die Truppen desHannover. Königreichs Hannover Widerstand. General v. Manteuffel drang mit