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Vierter Band.
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170
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170 Zweites Buch: Literatur und Kunst Europas im Zeichen der Romantik. 8 82t

Fouqus

1777-1843

von Schütz1776--1847

Apel

1771-1816

Novelle undRomanBrentano1778-1842

Arnim

1781—1831

E. Th. Hoff-mann1776-1822

sein Spott in einem anderen Stücke beweist. Auch Grillparzers Ahnfrau läßt sichaus diesem Zusammenhang nicht lösen.

Schonungslos bekämpfte August von Platen (ß 292) mit aristophanischemWitz in seinen formvollendeten Satiren Die verhängnisvolle Gabel,Der romantische Ödipus diesen literarischen Unfug. — Mit merkwürdigerUnbefangenheit trug de la Motte Fouque das romantische Ideal von Helden-mut und den eignen Tatendrang in die germanische Sagenwelt und das Ritter-tum hinein.

Seiner leichtbeweglichen Phantasie ohne Tiefe entsprachen Menge und Art seiner Werke,Rittertragödien und „Heldenspiele", darunter die Trilogie Der Held des Nordensmit den drei Teilen Sigurd der Schlangentöter, Sigurds Rache, Aslauga,auf Grund der Edda und der Nibelungensage; dann der Romane Der Zauberring,Sintram und seine Gefährten, Die Fahrten Thiodulfs des Isländersu. a. m.; der epischen Gedichte Corona, Karls des Großen Geburt und Jugend-jahre, ferner kleiner Erzählungen, wie Die Normannen auf Lesbos, besondersUnd ine, die in Lortzings Oper noch heute gefällt.

Nicht durch seine Bühnendichtungen wie Lacrimas, DerGrasunddieGräfin von Gleichen usw., sondern als Bearbeiter der DenkwürdigkeitenCasanovas behauptet sich der preußische Landrat Wilhelm von Schütz in derGeschichte unseres Schrifttums. So ist auch der Name des Leipziger Rats-herrn Johann August Apel, dessen Schauspiele und Romane übrigens Sinnfür Formenreinheit bekunden, mit dem Freischütz M. von Webers verknüpft.

Den Stoff zu dieser Oper entlehnte der Dresdner Romantiker Johann FriedrichKind dem Gespensterbuch, das Apel mit Friedrich Laun, eigentlich Friedrich AugustSchulze, der Lustspiele und Romane auch bedenklicher Art schrieb, herausgegeben hat.

In dem Enkel der Sophie Laroche, Clemens Brentano, verkörpern sichVorzüge und Mängel der romantischen Schule am augenscheinlichsten. Eineempfängliche, gefühlvolle und begabte Natur, war er in Leben und Kunst zer-fahren und schwankend.

In ihm besitzt die Romantik vielleicht ihren färben- und phantasicvollsten Erzähler,dessen Geschichte vom braven Kasperl und vom schönen Annerl unbestritten zuden Perlen dieser Gattung gehört. Freilich achtete seine übersprudelnde Einbildungskraftkeine Kunstgesetze. Das beweisen der gewagte Roman Godwi oder das steinerne Bildder Mutter, das Lustspiel Ponce de Leon u. a. m. Seiner Lyrik sind dagegen seineInnerlichkeit und sein Sinn für das Volkslied nur förderlich gewesen. Ein Bruch kam insein Schaffen durch seine Bekanntschaft mit der Nonne Katharine Emmerich, die ihn ZUschroffer Kirchlichkeit bekehrte. Beachtenswerte Erzeugnisse aus dieser späteren Zeit sindnur das Drama Die Gründung Prags und das Märchen Gockel, Hinkel undGackeleia. Ein bleibendes Verdienst erwarb sich Brentano durch die Sammlung vonVolksliedern Des Knaben Wnnderhorn, die er mit seinem späteren Schwager Achiwvon Arnim veranstaltete.

Arnim hat bei gleich reicher Phantasie und Empfänglichkeit für die ver-sunkene Herrlichkeit der mittelalterlichen Romantik vor Brentano männliche Festig-keit voraus, die freilich auch ihn nicht immer vor Phantastik bewahrt.

Vollendet sind seine Novellen und kleinen Erzählungen. Der Roman Armut,Reichtum, Schuld und Buße der Gräfin Dolores und mehr noch das Prachtstückgeschichtlicher Erzählerkunst Die Kronenwächter, Bertholds erstes und zweitesLeben verraten auch das Baterlandsgefühl des Dichters. Seine Dramen, wie Halleund Jerusalem und andere in der Schaubühne gesammelte, leiden unter phantastischeWillkür und beabsichtigter Formlosigkeit.

In der Fähigkeit, die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit in sinn-verwirrender Weise zu verwischen, überragt alle Mitstrebenden Ernst TheodorHoff mann. Den Vornamen Amadeus scheint er selbst sich in Erinnerung anMozart beigelegt zu haben.

Gleich begabt für Dichtung, Musik und Malerei, führte er ein regelloses und wechsel-volles Leben, ohne darum im mindesten seine Beamtenpflichten zu verletzen. Seine Lauf-bahn im preußischen Staatsdienste erfuhr im Jahre 1806 eine Unterbrechung, infolge deren erdie Stelle eines Musikdirektors an den Theatern zu Bamberg, dann Dresden und Leipzig