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Vierter Band.
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171
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8 83. Erstes Kapitel: Literatur (die außerdeutsche bis zum Ende des Jahrhunderts). 171

annahm. Mannhafter Widerstand gegen die Willkür des rachesüchtigen Rückschrittes ver-nickelte ihn selbst in Verfolgungen, als ihn 1822 die Rückenmarkschwindsucht dahinraffte.Hoffmanns wild-phatanstische Schöpfungen haben etwas Gespenstisches, Dämonisches undGrauenerregendes, so treffend und anschaulich auch einzelne Charaktere darin gezeichnetllnd; sie gleichen einem „Hohlspiegel, in dem alle Gestalten zu Doppelbildern und FratzenWerden und den Leser mit einem wunderlichen Grauen durchrieseln". Dagegen bezeichnetHoffmanns Art zu erzählen, rein technisch und formell angesehen, den Höhepunkt dieserKunst in und außerhalb der Romantik. Seine Werke, wie die Phantasiestücke in^allots Manier, Die Elixiere des Teufels, Die Serapionsbrüder, eineMucht seines Verkehrs mit den Berliner Freunden Hitzig, Contessa u. a-, Meister Floh,fanden Beachtung und Verbreitung weit über Deutschlands Grenzen hinaus. Er selbstm>t den Lebensansichten des Kater Murr nebst fragmentarischer Biographie desKapellmeisters Kreisler in zufälligen Makulaturblättern, den Preis zuerkannt. InMancher Hinsicht steht vielleicht Klein Zaches, genannt Zinnober, noch höher.

§ 83. Die Sänger des Freiheitskampfes. Romantik und Vaterlandsliebestanden in den Anfängen der neuen Kunst in Wechselwirkung. Viel hat siefür die Erweckung und Kräftigung des deutschen Gedankens getan; aber diesesverinnerlichte und vertiefte Vaterlandsgefühl hat andererseits auch ihren Sieges-durch die deutschen Lande wesentlich gefördert. Ihr gehören denn auch, ab-gesehen von Theodor Körner, all die Rufer im Streit gegen die Fremd-herrschaft, zum Teil als namhafte Mitglieder, an, allen voraus Heinrich vonKleist 82 ), dann der schwärmerische Max von Schenkendorf, der aber^uch auf dem Schlachtfeld, wie Fouque und auf anderem Boden Ernst Moritz^rndt, für Deutschlands Ehre focht. In Geharnischten Sonetten redetenFriedrich Rückert, Stägemann durch schwungvolle Oden und der wackere^-stdwig Uhland mit schlichter Innigkeit zu ihrem Volke, das aber keinernieder so nachhaltig und tief erschütterte wie Theodor Körner. Er schlug""ch am reinsten die Töne wahrer Gottesfurcht und männlichen Gottvertrauens"u, die wie Glockengeläut die Erhebung der Nation ankündigten und be-gleiteten.

. Max von Schenkendorf, zuletzt Regierungsrat in Koblenz, nahm selbst am Kampfeml. Seine ganze Dichtung bewahrt allenthalben die sittlich-religiösen Eindrücke seinerkssten Lebenszeit. Wie alles ergriff er auch den vaterländischen Gedanken mit derschwärmerischen Innigkeit des Gefühls, die ihn zum „Kaiserherold" gemacht hat. — ErnstRoritz Arndt, geboren auf Rügen, ist die männlichste Erscheinung unter den Freiheit-whgern. Als Professor in Greisswald mußte er wegen seines Buches Geist der Zeit (Z 44)Wichten und wirkte dann mit dem Freiherrn vom Stein in Rußland für die deutsche Sache (H 64).selbst die Waffen zu führen, hinderte ihn eine Verletzung im Zweikampfe für des Vaterlandes^hre. Sein späteres Leben wurde getrübt durch Verfolgung wegen seines politischen Frei-gutes. Erst nach zwanzig Jahren erhielt er die Professur in Bonn zurück. Er schrieb eineKeihe Werke zur Kultur- und politischen Geschichte, auch zu der seines Lebens. Ünvergeß-"ch aber lebt er fort in seinen mannhaften, durch und durch volkstümlichen Gedichten,B. Was ist des Deutschen Vaterland?, Der Gott, der Eisen wachsen ließ, Was blasenwe Trompeten? und vielen anderen mehr- — Friedrich Rückert aus Schweinfurt griff als"Freimund Reimar" mit Geharnischten Sonetten, die Wohl die Stimmung der ge-ildcten Stände am besten widerspiegeln, andererseits am meisten beeinflußt haben, undTeutschen Gedichten in die Bewegung ein, an der mit der Tat teilzunehmen ihm ver-Mt blieb. Der romantische Zug seiner Natur tritt mehr in der Sorglosigkeit seines derPoesie und Wissenschaft geweihten Lebens als in seiner Dichtung hervor. Ja, so unmittel-kr und tief empfunden seine Lyrik, z. B. im vielgepriesenen Licbesfrühling und in denNidertotenliedern, ist, leidet sie doch vielfach an nüchterner Künstelei, die den Mangellgenen Gefühls schlecht verhüllt. Rückert ließ sich eben von seiner fabelhaften Sprach-gewandtheit fortreißen, die ihn freilich auch zu einer Übersetzerarbeit befähigte, die nachwfang und Wert einzig dasteht. 1826 war er nämlich als Professor der orientalischenbrachen nach Erlangen, das er später mit Berlin vertauschte, berufen. In dieser Stellung^gchrrte er unser Schrifttum mit einer erstaunlichen Menge von Übertragungen, Nach-no Neudichtungen hauptsächlich indischer und persischer, aber auch hebräischer und sogarÜNesischxr Literaturwerke: Epen, Lehrgedichte, Sagen u. dgl. Dramatische Gestaltungskraftkr ihm versagt, wie u. a. sein Heinrich II-, Soul und David zeigen. — Friedrich

176g—18W

Rü-kert

1788-1866