198 Zweites Buch: Literatur und Kunst Europas im Zeichen der Romantik.
90-
Quinst
I80S-I87S
Mignst
1796—1884
Bild vom Werdegang seines Volkes. Nach seiner Amtsentsetzung durch den Staatsstreichhat er eine Reihe gefühlswarmer Bücher naturwissenschaftlich-philosophischer Art veröffent-licht: T'oissau, I-'amour, Im komme rc. Aufsehen erregte er auch 1843 durch einWerk gegen den Jefuitismus: Des lesuitss, das er mit Edgar Ouinet verfaßte. ""Mit Vorliebe hatte sich die Geschichtschreibung bereits in der unbefriedigenden Restaurations-zeit der Revolution und dem Kaiserreich zugewandt. Jene stellte 1824 der ProvencaleFrancois Auguste Mignet in der meisterhaft klaren Ilistoire äs In rsvolutiou krauyaissals ein mit Notwendigkeit heranziehendes, befreiendes und befruchtendes Gewitter dar,so daß man ihn den Fatalisten der Revolutionsgeschichte genannt hat. In glänzender,aber unzuverlässiger, Napoleon als Nationalhelden vergötternder Darstellung schilderte dessenI 7 N 7-1877 Kaisertum der kluge Staatsmann und beredte Schriftsteller Adolphe Thiers aus Marseillein der Ilistoirs äu Oousulat st äs l'Tmxirs (1845 bis 62; eine Ilistoirs äs 1a Rev 0 'lution kranyaiss war 1823 bis 27 vorausgegangen). Statt des objektiven Forschers höre»wir darin immer den feurigen Patrioten mit einer starken Hinneigung zu jenem Fehler desfranzösischen Wesens, den man seit jener Zeit mit dem Worte Chauvinismus benennt. In:Gegensatz zu diesen Männern sucht die beschreibende Schule die Vergangenheit in ihrerwahren Gestalt mit Unbefangenheit und möglichst im Stile der Zeitgenossen wiederzugeben!I 7 g's-^i 85 sy!r> die Bruder Augustin Thierry (Ilistoirs äs la eougusts äs l'Vuglstsrre parAm. Thisrry Hormanäs, 1825, Rsoits äss tsmps msroviugisus, 1840, und Amedee Thierry1797—I87S (Uizioii-g ägg Oaulois; Ilistoirs ä'^ttila), der Baron de Bar ante (Tableau äs1866 ^ littsraturs krautzaiss au 18° sisels; Ilistoirs äss äues äs Lourgogus; RistoirSMartin ^0 äsanns ä'Tlre), endlich Henri Martin, der gleichfalls ein Lebensbild der JungfrauI8io-i883 von Orleans schuf, schon vorher aber mit dem biblioxbils äaeob (Paul Lacroix) einFamilienwerk der Franzosen begann, die gewissenhaft gearbeitete Ilistoirs äs Tranes(1833), die auch die Literatur berücksichtigt. Wie Martin ragt ferner der verdienstvolleM»k^i 859 Graf ^ Toqueville in das zweite Kaiserreich herein. Er erregte, mehr noch als durch stiUBuch Os la äömosratis sn rlwerigus 1856 Aufsehen, als er in seinem MeisterwerkITaucisu rsgims st la rsvolutiou nachwies, daß die Revolution die monarchische Zentralesation Frankreichs nur fortgesetzt und die Freiheit nicht gesichert, sondern die Gefahreiner demokratischen Gewaltherrschaft im neuen Frankreich herangeführt hat. Darzustellen,wie dieses letztere aus den Trümmern des alten erstand, blieb dem großen Denker und1828^1893 Forscher Hippolyte Taine vorbehalten. Dieser hat seine naturwissenschaftlich-positivvistische Methode sowohl auf literarische Aufgaben (Ta Toutaius st sss Tablss; Ilistoirsäs la littsraturs auglaiss) wie auf rein historische gerichtet, indem er den Ausgangdes Königtums, die Revolution, das Kaiserreich und die Entstehung des neuen Frank-reich mit strenger Kritik und unbestechlicher Wahrheitsliebe in den Origiuss äs inTranes ooutsmporaius (1875—1894) schilderte. Die bis dahin entweder verdamufteoder vergötterte Revolution wurde bei ihm zum Gegenstand einer physiologischen Studie-Gleich Taine zerstörte den Zauber der revolutionären und napoleonischen Legende n«l1828—IN? rücksichtsloser Kritik der Savoyarde Pierre Lanfrey, der entschiedene Gegner Thiersund seiner Geschichtsauffassung. Nach einem Tssai sur la Rsvolutiou kranxaise undeiner Ilistoirs politigus äss Raxss trat er an die — unvollendet gebliebeneRistuirs äs Mxolsou I°r heran, in der er die schweren, aus der Herrschaft des KorseNfür Frankreich entstandenen Nachteile entwickelt, dem Lande selbst bittere Wahrheiten nEerspart. — In sozialistische Beleuchtung rückte endlich die große Staatsumwälzung LouisBlanc durch seine tüchtige Ilistoirs äs la Revolution krauxaiss, blieb auch eifnöliterarisch tätig (Tettrss sur I'rluglstsrrs, l/Ttat st la 6ommuus), nachdem ihnNapoleon III. aus Frankreich verwiesen hatte. Dieser Herrscher trat 1865 selber mit einerIlistoirs äs Oesar schriftstellerisch hervor; neben ihm bearbeiteten das Altertum und dnältere französische Geschichte Napoleons mehrjähriger Unterrichtsminister und MitarbeiterVictor Duruy (Ilistoirs äs la Orsos ausisuns; Ilistoirs äss Romains; Ilistoirsäs Tranes), Fustel de Coulanges ('s 1889) und Gaston Boissier (Oiosrou stgeb. 1823 amis; Ti'Ojzposition sous lss Ossars), während Ernest Lavisse sich vorzüglich den!geb"i842 Studium der deutschen Geschichte zugewandt hat (Origiues äs la mouarebis xrussisnus,äsuuesss äs Trääsrio II) und die Herausgabe des großen Sammelwerkes IlistoirsLiteratur-Aßuerals äu IV ° sisels ä uos jours leitet. — Auch die literarische Kritik hwg°s >ch ^ sich seit Villemain durch feinsinnige und gründliche Forschung weiter gehoben. Aus der^suv? romantischen Schule ging der vielseitige Ästhetiker Sainte-Beuve hervor (Rortrasts1804—1869 littsraires; l^ouvsaux-liuuäis; Ilistoirs äs Rort-Kozial); an seiner Seite standenGustave Planche (si 1857) und Dösire Nisard (Ilistoirs äs la littsraturs kraogaise),während sich seitdem auf diesem Felde eine einflußreiche Stellung sicherten: Francisgue
Blanc
1813-1882
Duruy
1811—1894
Boissier
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