8 80. Erstes Kapitel: Literatur (die außerdeutsche bis zum Ende des Jahrhunderts). 201
Brettern eine ganze Anzahl Thesenstücke folgen (Osmi-monäs, 1855: tznsstion18 «^"?' natursl: ^sinins äs Olauäs: l'rinessss äsLagäaä; vsniss: b'ra.n^illon.
^ denen er unter großem Aufwand von glänzender Beredsamkeit, von Witz und»n^Eter Technik ernste sittliche und gesellschaftliche Angelegenheiten — die gemeingefährliche^ Courtisane, die Rechte unehelicher Kinder, die Ehescheidung usw. — erörtert,^yne bei aller Aufrichtigkeit seines Moralisierens in Wirklichkeit der Verderbnis Einhalt zu7) Ausgezeichnet durch großartige Einbildungskraft und äußerst spannenden Vertrag,rvarb europäische Berühmtheit Euglne Sue, weniger durch seine anfänglichen See- und?^7^i,ichen Romane, als vielmehr durch vielbändige, mit sozialistischen Tendenzen ver-Mtzte Sittengemälde aus der Hauptstadt. Der selber einem luxuriösen Freudenleben sichllngebende Verfasser malt darin in nervenkitzelnder Weise das Elend des Proletariers wiee Scheußlichkeiten des Lasters (N^stsrss äs karis, 1842; I^s änit srrsut; Ll/stsrssi "^^Lnpis). Noch mehr werden alle künstlerischen und sittlichen Rücksichten geopfert in denn? . ^"terhaltungsromanen des Paul de Kock, während einem Henri Murger Eigen-abzusprechen ist, wenn er in den Lesues äs la Vis äs Lobsius (1848) mitIcharfer Realistik und übermütigem Humor das Pariser Künstlerproletariat und Grisetten-^zuhalten wußte. Als anmutiger und humorvoller Schriftsteller der vierziger Jahre> i der Schweizer Rodolphe Toepsfer mit den sn und Uonvsllss
Musvoisss nicht vergessen, ebensowenig Alphonse Karr, einst leitender Redakteur des Figaro,Romanen, Novellen und seinen vielfach aufsehenerregenden, teils humoristischen,°äs satirischen Aufsätzen (H Knspes). Endlich verdienen des menschenfreundlichenrmnnlienschriftstellers Emile Souvestre Schilderungen der heimatlichen Bretagne (KssKuriers örstons) und seine schlichten die Menschen und die Dinge liebevoll betrachtendenvinane und Erzählungen (Lonksssions ä'un ouvrier; kliilosopbs 8orr8 Iss toits;oo'v än t'su) ebenso Erwähnung, wie die vielgelescnen nationalen Volksromane und Dorf-SOchichten des lothringischen Schriftstellerpaares Emile Erckmann und Alex. Chatriani ulusrrs äoetsur Natiiens, 1859; Ilistoirs ä'un eonscrit äs 1813; IVutsrloo;wtoirs ä'un pa^san, 1868), die den Leser sämtlich in die Zeit der großen Revolutionnd des Kaiserreichs führen. Auch auf der Bühne haben sich Erckmann-Chatrian mitftolg versucht, so mit den Zuspielen Illanii 1 ?rit 2 und I,os Iloutran (1882). — Einen^genartigen Schlag von Romanen rief das Jahrhundert der Naturwissenschaften und derschnik in Jules Vernes' zahllosen, phantastischen wissenschaftlichen Romanen hervorwg 88waine8 eu bailon; bintants än eapitains Kraut; Nonr äu uionäs sn 80sonr8;wbel 8trogoü), von denen einige als „äraniss a grauä sxeetaels^ auf die Bühne8k rächt worden sind und die Theaterkassen gefüllt haben.
Gleich dem realistischen Roman hat auch das moderne Drama (das nur" » Lustspiel bedeutende Leistungen ausweist) das historische Gewand beiseite ge-^-8t und beschäftigt sich mit der Gegenwart und in ihr besonders mit den imordergrunde des Lebens stehenden, äußerlich glänzenden Schichten derPariserksellschaft, deren Sittenzustünde freilich nur zu oft nichts Vorbildliches haben.
. Muß nun auch bei vielen der realistischen Dramatiker zugestanden werden, daß es:"kn des äußeren Erfolges wegen um Sinnenkitzel zu tun ist, so fühlen sich doch einzelnes Träger einer ernsten Aufgabe, keiner mehr als der ehrliche Emile Au gier, der nebenSohn (vgl. oben) als der begabteste, jedenfalls als der wertvollste dieser Bühnen-^chter dasteht. Ein Jahr nach dem Falle von V. Hugos Lurgrg.vs8 hat er sich mitouf antikem Boden spielenden lüxus (Schierlingstrank) einen Ölamen gemacht:^rauf erkennt er seinen Beruf als Maler der modernen französischen Familie (Kabrislle,^ und schildert nun, wie die vor oder in der Ehe begangenen Fehltritte von Mannsw ins Haus Sturm oder Vernichtung tragen. Die mit I. Sandeau verfaßten Lust-
pisri's äs touclis und I^s zsnärs äs Nonsisur koirisr (1853/54) bezeichnenE! , Augiers in seine reife Zeit, in der er durch I,s wuriags ä'Oiz'inps (einen
lpruch gegen die Kameliendamc), I,ss lionnss pauvrsZ, 1,68 IMrontss, I-sstr^K^b OiI>o^sr, kaut I'orsZtisr, üss b'oursliauibnnlt (1878) mit Wahrheitsmut,Logik und kraftvollem Wort für die Heiligkeit und Unantastbarkeit der Familie,Marsen- und Preßschwindel, Geldheiraten usw. auftritt. — Hinter Augier und Dumashat ^ erstaunlich fruchtbare und bewegliche Victorien Sard ou bedeutend zurück. Dochwe!L^ Letztgenannten und an Scribe eine derartige technische Fertigkeit erlernt undZu ° solcher Findigkeit durch alle möglichen und unmöglichen Zwischenfälle Spannung^1 ^kugen, daß er seit seinem ersten Erfolge mit dem witzigen Schwanke ?atte8 äsvctis (1860) dreißig Jähre lang Beifall fand (so mit Ho8 Iutime8, Ssrapliins,
E. Sue1804-185?
P. de Kock1794-1871§>. Murger1822—1861
R. Toepsfer1799—1846A. Karr1808-1890
§06—1854
Erckmann
1822-1899
Chatrian
1826-1890
I. Vernegeb. 1828
Drama
Augier
1820-1889
Sardougeb. 1861