204 Zweites Buch: Literatur und Kunst Europas im Zeichen der Romantik. H 90-
nicht ganz die alte Anziehungskraft; andererseits erscheint Zola darin weniger als Misanthropin der Auffassung der Menschennatur und bekennt ein herzhaftes Vertrauen aus den fitt-lichen und materiellen Fortschritt durch selbstlose, unermüdliche Arbeit. Der oft scharfenKritik gegenüber hat er wiederholt und ebenso heftig seine Kunstanschauungen verteidigt(4,8 Lomnn experimental; 4s8 klomanoisrs naturalistes), sich auch mehrfachpolitischen Broschüren geäußert: 4a Lepnbliyns st 1a littsratnrs; ä'noeuss! iwDreyfnshandel. — Von Zolas Anhängern, die mit ihm auf seiner Besitzung im DorfeMedan diskutierten und 1880 die 8oirsss cls Llsänu veröffentlichten, seien neben Ckardund Hennique der später zu den Decadents übergehende Holländer Huhsmans undpxx meisterhaft klar und mit kühler Psychologie schildernde Guy deMaupassant genannt,der leider im Irrenhause endete. Dieser begann mit der verfänglichen Novelle Louis ässnik und ist Meister in der kurzen Erzählung (über die gewagtesten Stoffe) geworden;eine größere Leistung ist der überaus traurige Roman 4ns vis (1883). Gleichfalls unterI 3 to "iM 7 Zolas und Gonconrts Einfluß entwickelte sich Alphonse Daudet aus Nimes. Auch ersammelte seine Beobachtungen in Heftchen und baute darauf seine Romane, denen er vorallem seinen Ruhm dankt; aber dieser Sammler hat ein tieffühlendes Herz, und er, der selbstviel erlebt und erlitten hat, lebt und leidet mit seinen Gestalten, mögen uns seine lebens-wahren Schilderungen in die sonnige Provence oder in die lärmenden Straßen von Parisführen. Nachdem er seine unfreundliche Jugend im Letit Lstoss geschildert, gab er 1869die Früchte seiner Reisen in Südsrankreich, Korsika und Algier in den 4sttrss äs mo»Llonlin heraus, worauf er die südfranzösische Ruhmredigkeit mit köstlicher Laune HNLöwentöter und Alpenjäger Tartarin verspottete (Lvsräurs8 xroäiAieusss äs Nnrtnriväs Nnrnseon, 1872; Nnrtnrin sur 1s8 iläpss, 1888). Die in die kaufmännische Well(Lroinont zeuns st Lisisr nlns), die Kreise der Arbeiter (änost, stistoirs ä'nv ouvrieOoder die der Politiker führenden Romane, wie 4s landab, 4ss Loi8 sn 4xil, KuoiaLoums8tnn, münden schon mehr in die Richtung Zolas, und 4'4vangsli8ts wie 8splw(1884) sind naturalistisch in Stimmung und Ausführung. Auch auf dem Felde der Lyrik unddes Dramas (4i8s lavsrnier; 4'Lnls8isnne, 1878) hat Daudet gearbeitet, ohne jedochdurchschlagende Erfolge zu erzielen. — Neben den vorgenannten ragenden Häuptern derDichtung betätigten sich, besonders auf dem Gebiete der Prosa, noch eine Unzahl vonSchriftstellern, die zu einem guten Teile nur die Tagesblütter zu versorgen und ein Er-schüft zu machen strebten. Teils haben sie in einer pornographischen Literatur den Naturalis-mus auf das äußerste getrieben, teils ohne ausgesprochene Originalität und ohne Aus-schreitungen die Teile des Publikums mit „spannenden" Romanen versehen, die denNaturalismus nicht mochten. Zu den vielgelesenen Romandichtern der sechziger Jahre findE. Ab out (f 1885) und Gustave Droz (si 1895) zu rechnen; später herrschte GeorgsOhnet, ferner der gewandt plaudernde Genfer Victor Cherbuliez, gleich dem durch lieb-liche Heimatslieder und zahlreiche Romane zu verdientem Ruf gelangten A n d r e Theurielein angesehener Gegner des pessimistischen Naturalismus.
Zahrhun'^ Wenn nicht alle Anzeichen trügen, ist für Frankreich mit der Wende desd-ris Jahrhunderts auch eine literarische Wandlung nähergekommen. Schon sprichtman vom Zusammenbruch des Naturalismus, ohne daß jedoch bereits von eineRErsatz geredet werden könnte. Man beobachtet daher ein zeitweiliges Auflebe«alter literarischer Bestrebungen und daneben eine auffallende Teilnahme an de«Erzeugnissen fremder Literaturen: die französische Welt liest George Eliot,studiert Dostojewski und Tolstoi, ebenso wie Ibsen und Björnson.
Bourget Im Roman rief die Übersättigung mit naturalistischen Schöpfungen Paul Bourget^^ Psychologische Romane (Ornslis snigins; LIsn8onAS8; 4s ästeipls; 6c>8mopoll^
hervor, die uns wieder in das biZll liks führen. Ebenso wandte sich Paul Margueritte
1889 mit äc>ur8 ä'sprsuvs vom Naturalismus ab und hat seine Selbständigkeit inkorss äss cboss8, käu drnnäs und der Trilogie aus den Kriegsjahren: 4s Lesa8tre,4ron?cm8 än glaivs; 4n Lommuns gewährt. Als eine merkwürdige Erscheinung
Lotigeb.1850 ist Pierre Loti zu erwähnen, wie sich der Seeoffizier Julien Viaud nach seiner ErzählungUnrinZs äs 4oti (1880) genannt hat. Er führt die Leser in etwas schwermütigertrachtungsweife durch alle Breiten und hat sich ohne große Erfindungsgabe oder psYä>N(logische Kunst durch prächtige Wortmalerei (z. B. in Äon trers st'vss; LeobeMä'l8lnnäs) neben Chateaubriand gestellt. — Im Drama ist man ebenfalls des Demi-monde-und Ehebruchmotivs und der Erörterung der bekannten sozialen und moralischen Thesen sichtlichmüde geworden und tastet unsicher nach Neuem. Das brutal Pessimistische Lustspiel konnteBecqus nicht Boden gewinnen. Der talentvolle, aber bittere Henri Becque hatte mit seinen