208 Zweites Buch: Literatur und Kunst Europas im Zeichen der Romantik. § 92.
Ranieri1809-1888
Geschicht-
schreibung
Muratori
1672-1750
Giannone
1676—1748
TiraboSckiI7S1—1794
Botta
1766-1837
Colletta
1775-1831
Amari
1806-1889
Cantü
1807-1895
Aleardi
1812—1878
Prati
1815—1884
Rapisardigeb. 1843
Carduccigeb. 1836
Von Florenz) usw., in den Dienst der jungitalienischen Ideen stellte. Ein anderer Gegnererstand der Gefühlseligkeit in dem Sittenschilderer Antonio Ranieri aus Neapel, der sichdurch seinen Roman dinsvru o I' ort'unu äsllu Xunriuta (Die Waise aus deinHospiz d. N.), eine Anklageschrift gegen die Mißwirtschaft in dieser Anstalt, wie durch diewissenschaftlich wertvolle 8toria ä' Italia äal guinto al nono ssooio (GeschichteItaliens vom 5ten bis 9ten Jahrhundert) den erbitterten Haß der Geistlichkeit zuzog.
Die Geschichtschreibung mußte unter den gegebenen Verhältnissen fürden Wahrheit- und vaterlandliebenden Forscher zur gefahrvollen Ausgabewerden.
Trotzdem fand sie würdige Vertreter in Lodovico Antonio Muratori, der durchseine sorgfältigen Sammelwerke Xntiguitatss Italiens insäii asvi und Herum Italienern»serixtoiss den Grund zu einer Gesamtgeschichte Italiens legte und mit seinen Xnnaf*ä' Italia äal xrinoipio äsll' sra volgars sino all' anno 1749 inGuicciardinis (Bd. III) Fußstapfen trat; in Pietro Giannone, der vor der Rachsucht des !durch die 8toria olrils stet rsguo <li Xapoli gereizten Klerus zwar zunächst insAuslande Schutz fand, schließlich aber doch im Kerker starb; in Girolamo Tiraboschiaus Bergamo, der in der 8toria äslla lsttsratura italiana das geistige Lebenseiner Landsleute von den Anfängen wissenschaftlicher Bildung bis zum Jahr 1700 mitumfassender Gelehrsamkeit darstellte. Die Zeit der Umwälzungen und der napoleonische"Herrschaft sand einen freimütigen und kenntnisreichen Bearbeiter in dem piemontefischeh -Staatsmanne und Mitgliede des gesetzgebenden Körpers in Paris, Carlo Botta, durch hie8toria ä' Italia äal 1789 al 1814. Beruf und Anlage machten ihn in der 8tori»ä'Italia äal 1490 al 1814 zum geeignetsten Fortsetzer Guicciardinis. Sein Zeit- und ^
Gesinnungsgenosse war der Neapolitaner Pietro Colletta. In die Geschicke seines Vater-landes tief verflochten, wurde er trotz seiner wackeren Haltung als Generalkommandant von sSizilien in Brunn eingekerkert. Seine geschwächte Gesundheit brachte ihm endlich dieFreiheit, die er zu wissenschaftlichen Forschungen verwandte. Seine 8toria äslrsaw»äi Xaxoli äal 1784 al 1825 erschien erst nach seinem Tode. Michele Amari kümpstrin dusrra äsl vsspro 8ioiliano gegen die Bedrücker der Volksfreiheit, mußte aberflüchten und schrieb in Paris die quellenmäßige 8toria äs ' Llusulmani in8ioili»'
Erst die Gründung des Königreichs Italien gewährte ihm die Rückkehr ins Vaterland undden Eintritt in die Dienste des Staates. Eine eigentümlich schwankende Stellung nahurCesare Cantn als Dichter und Geschichtschreiber ein. Wegen seines Freisinnes in der8toria I-ombaräa nsl sseolo XVII zu Gefängnis verurteilt, vertritt er in derwissenschaftlich beachtenswerten 8to ria univsrsals nahezu ultramontane Anschauungen-Und demselben Österreich, dem seine 8toria äeZli Italiani den Eintritt in einenitalienischen Staatenbund vorbehielt, entrann er nur durch die Flucht. In seinen zahf*reichen, vielfach übersetzten Werken erscheint er durchweg als abhängig von ManzonwRomantik.
Giustis nationales Empfinden lebte in maßvoller, gehobener Form fort rnden Gedichten des Aleardo Aleardi aus Verona.
Als er seine Gesinnung im Ausstande von 1848 mit der Tat bewährte, wurde er urMantua gefangen gesetzt, nachdem seine politischen Lieder außer II nionts Oirosllo behörd-lich vernichtet waren. Die ganze vornehme Zartheit seines Gefühls machte die I-sttere nVlnria zum Lieblingsbuch der weiblichen Leserkreise. Nach der Einigung des Vaterlandesbekannte er sich zu dem Freiheitskämpfer Garibaldi durch die Zueignung von I ssttesoläati, während sich sein Oanto xolitioo gegen Papst Pins IX. richtete. Unterden gleichzeitigen Dichtern, z. B. den Dramatikern Praga mit lla wozlis iäsale,Cavalotti, den Lyrikern Mazzoni,Zanella,derinL1ioro8oopio sDslssoopio,
I-a eouollilia lossils die Ergebnisse der Raturwissenschaft für die Dichtkunstbeutete, dem Schillerübersetzer Andrea Maffei, ragen Giovanni Prati aus SüdUroweniger durch seine galligen Ausfälle auf die deutschen Siege von 1870 als mit serneErzählung in Versen Länisusgaräa, dann einem phantastischen Epos Xrwanäo, de^als Übermensch gleich Faust geschildert wird, und mit der Sonettensammlung Xuiw»wonäo (Seele und Welt), ferner Marco Rapisardi, Verfasser der llalinsone^(Wiedergeburt), die den religiösen Gedanken durch die Vermählung mit der neuen "anschanung neubeleben sollte, und des satirischen Zeitspiegels I-uoit'sro, unvergleichu^höher aber Giosut Carducci aus Toscana hervor. Auch er ist Satiriker, aber aus deniederen Gebieten des Witzes und Spottes schwingt sich sein Gedankenflug auf ZU "sHöhen reiner Begeisterung, die freilich von einem mehr als heidnischen Standpunkte aus i