210 Zweites Buch: Literatur und Kunst Europas im Zeichen der Romantik. 8 93 .
18W-184S müßte denn Anklänge an die romantische Dichtweise inPetöfis phantastischenMärchen finden wollen.
Alexander Petöfi, eigentlich Petrovics, war serbischer Abkunft. Und doch hat niemandEigenart und Volkstum der Magyaren getreuer abgespiegelt, als er in seinen Werken. Erist der Dichter der ungarischen Erhebung, aber auch der Volksherrschaft. Sohn einesMetzgers und Wirtes in der Pußta, erschien er in der Literatur und später auf der politischenBühne wie die Verkörperung des Ungartums und der unterdrückten Massen. Seine Trink-und Liebeslieder, seine Bilder aus der Pußta sind die Frucht eines jahrelangen Wander-lebens und Umhertreibens mit Hirten, Bauern, Schauspielern und Zigeunern, Soldatenund Räubern, das ihn umstrickte und festhielt bis zum ersten Erscheinen seiner Gedichte,seiner glücklichen Heirat und seiner Niederlassung in Pest 1846 . Außer den verschiedenenSammlungen seiner Lieder sind von ihm zu erwähnen die märchenhaften humoristischenEpen Held Janos, Der Hammer des Dorfes, das Phantasiestück Die Wahn-sinnige, das Drama Tiger und Hyäne, endlich der Roman Der Strick desHenkers. So vielseitig sein dichterisches Schaffen war, so ungeteilten Beifall erntete erfür jede Gabe seiner Muse bei seinen Landsleuten, deren leichtentzündlichen Sinn vor allemsein Aufruf An das Magyarenvolk entflammt hat.
Mit gutem Erfolge vermochte sich neben Petöfi eine Reihe zeitgenössischeDichter zu behaupten.
18N-188L Arany gewann die öffentliche Anerkennung und einen StaatSpreis mit dem komischenTompa Epos Die verloren gegangene Verfassung, dem die Told i-Trilogie, DesZigeuner von Nagy Jda u.a. folgten. Gleich hoch stehen seine Balladen. — Die Lyrik1831-1881 und das Märchen fanden einen Vertreter in Tompa, während Koloman Toth, der inGyulai Liedern den Volkston glücklich traf, als Dramatiker mit den Stücken Eine Königin,geb. 182« Argali im Verfassungsleben, Der König heiratet u. a. den Lorbeer errang-1804-18S8 — Auf dem Gebiete des Essays und der Kritik wirkten zwei Männer vornehmlich bahn-Vajda brechend, Gyulai und der elegisch gesinnte Bajza. Mit diesem teilten die pessimistischeKsts ges.isis Gesinnung Vajda und Joseph Kiss. Aus den Kleinen Gedichten Vajdas spricht tieftSchwermut in vollendeten Versen, während seine erzählenden Dichtungen den Naturalismusnicht verleugnen. Mit Kiss, z. B. im J eho v ah, setzt eine stark philosophisch angehauchtIMS—1861 Dichtung ein, die Der Tragödie des Menschen von Madach eine besondere Stellezuweist und Teilnahme weit über Ungarns Grenzen hinaus sicherte. Doch hat sich neben1M8-1S01 Petöfi eigentlich nur sein Jugendfreund Jokai die Aufnahme in die Weltliteratur errungen-Begabt mit einer üppigen Phantasie, überaus sprachgewandt, ein gefälliger Erzähler, fesseltJokai gleich mit seinem ersten Romane Werktage und dann fort und fort, bis der Erfolgihn zur Vielschreibern verleitete, die dem Gehalte und Werte seiner Werke abträglich fti"mußte. Doch wurden sie von Staatswegen gesammelt und in hundert Bänden veröffentlicht,nachdem sie bis zuletzt ihrem Verfasser Geld und Ehre in vollem Maße eingebracht hatten- ""Überhaupt beherrschen gerade der Roman und die Novelle heute auch in Ungarn den Bücher-markt, zumal sich dort wie allerwärts rührige Frauenfedern der Befriedigung des Unter-haltungsbedürfnisses widmen zu müssen glauben. Es muß genügen, zwei Künstler in dieser, Gattung zu nennen: den Kenner des menschlichen Herzens und Meister der Darstellung
I8i«-°187S Kemeny mit Mann und Weib, Wilde Zeit usw.und den wahrhaft klassischen Drr-
Mikszath treter der Dorfgeschichte Mikszath mit den Gänsen von Brezü, den Guten
geb. 1819 Palöczen und Slowakischen Dorfgeschichten.
Drama Demgegenüber kommen die eifrigen Bemühungen und Versuche auf dem Gebiete des
wii-1818 nationalen Dramas kaum in Betracht, abgesehen von den Volksstücken Szigligetis, wüEd. Toth Der Deserteur, Der Findling, Csikös, und Eduard Toths, dessen Dorfluwp1811-isis zum eisernen Bestände der Schaubühne Ungarns gehört.
Gesch'cht- Die Anfänge der wissenschaftlichen Geschichtsforschung liegen im 18 ten Jahrhunderte. Dabang schrieben Michael Csereh eine Geschichte und Peter Apor eine Kulturgeschichte Sieben-, bürgens. Im 19 ten Jahrhunderte erhoben dann Georg Feh er, Johann Czech, BenedckiMg—1878 Diräg, Jesaias Budai und Stephan Horväth die Geschichtschreibung auf die Höhe
Wissenschaft. Besonderen Wert haben Horväths Ungarifche Geschichte, Füssft
undzwanzig Jahre und Der Unabhängigkeitskrieg. Unvollendet blieb die Ge-18^3—i 8 «i schichte des ungarischen Reiches von Szalay. Eine Geschichte Ungarnszur Zeit der Türkenkriege schrieb Franz Salomon, Koloman Thaly die GeschickRakoczys, Weltgeschichte u. a. Bajza, Maar und Somhegyi. Lebensbilder sta"gleich zahlreich wie die Denkwürdigkeiten, unter denen Mein Leben und mein Zeit-1811-1897 alter von Franz Pulszky begreifliche Beachtung fand.