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Vierter Band.
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218
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218 Zweites Buch: Literatur und Kunst Europas im Zeichen der Romantik. 8 98.

7. Ruß-landMartos1752-1835Orlowsky1799 — 183 ?

1. Deutsch-land

a. Klassizis-musOeser

1717—1799R. Mengs1728-1779

Tischbein

1751-1829

A. Kauss-1741—1807

Carstens

1755—1798

.Hetsch

1758—1839

Schick

1779—1812

Koch

1768—1839

Genelli

1798—1868

Chodowiecki

1726-1801

A. Grass1736-1813

Hackert

1737-1807

Auf russischem Boden findet der Hellenismus in Iwan Petrowitsch Martos, dersich unter Pompes Batoni und Raffael Mengs ausbildet (Bronzegruppe der Helden Mininund Posharsky in Moskau, Statue Potemkins in Cherson und Reliefs) und dem Thorwaldsen-schüler B. I. Orlowsky seine besten Vertreter.

K 08. Malerei. Die neue Richtung der deutschen Kunst nahm ihren Ausgangs-punkt in Rom. Hier fand Winckelmann, der, wie Goethe, durch Adam Friedrich Oeser die-ersten klassizistischen Anregungen empfangen hatte, in Anton Raffael Mengs nicht nureinen aufopfernden Freund, sondern auch einen begeisterten Anhänger seiner Kunst-anschauungen, die durch des Künstlers Schaffen ihre Bestätigung erhalten sollten. Nachdes Vaters Wunsche sollten einst die Werke des Sohnes den seelischen Ausdruck Raffaelsmit dem harmonischen Linienflusse Correggios vereinigen: er selbst wollte ihnen nochdie Schönheit der Antike und die Farbenglut Tizians einhauchen. Die Bewunderung, dieseine Gemälde erregten, sowie die Nachfolge, die sie weckten, wird vor allem durch denKontrast verständlich, den der Ernst der neuen Darstellungen, die sich in strengen Formenbewegten, mit dem zierlichen, aber unruhigen Linienspiele und den mehr dekorativen Vor-würfen des Rokoko bildeten. Dazu gesellte sich eine meisterhafte, gefällige Technik, diefreilich den Mangel an Natur und innerem Leben nicht zu verdecken imstande war. SeinHauptwerk ist das Deckengemälde des Parnaß im Kasino der Villa Albani in RoM-Außerdem malte er Fresken in der Camera bei Papiri der vatikanischen Bibliothek undWand- und Deckengemälde im Schlosse in Madrid. Ölgemälde besitzen die Galerien vonDresden, München (Selbstbildnis) und Madrid, sowie die Hofkirche in Dresden (Himmel-fahrt Christi), Pastellbilder (Amor) die Dresdener Galerie. Sein bedeutendster Schüler istWilhelm Tischbein (Biographie von Goethe), dessen bestes Werk (Goethe auf den RuinenRoms) sich im Stüdelschen Museum in Frankfurt a. M. befindet: jeder moderne Künstler,dem die Ausgabe zufällt, einen Goethe im Zenith seines Lebens zu bilden, wird auf dieses(und das Lipssche) Porträt zurückgreifen müssen. Die meisten von Tischbeins Gemäldenbesitzt die Galerie in Oldenburg. Werke von liebenswürdiger Anmut schuf Angelika Kauf-mann (Bestattn und Sibhlle, Galerie in Dresden).

Diese Kunstrichtung, in der das Studium der Antike den Mangeln der Natur abhelfenund nachbessern sollte, wegen Mangels an schöpferischer Phantasie aber nur zu einer un-vollkommenen, gezwungenen Ausdrucksweise führte, stieß mehrfach auf entschiedenen Wider-spruch. Ein Hauptgegner erwuchs ihr in dem autodidaktisch gebildeten Müllerssohn JakobAsmus Carstens, der allein die Antike als sichern Leitstern wahrer Kunst anerkannteund in ihrem Geiste tiefgründiger und selbständiger als die Mengssche Schule seine meist farb-losen oder nur leicht aquarellierten Zeichnungen schuf, in denen der Adel der Linien unddie harmonische Gruppierung der plastisch empfundenen Gestalten bewundernswert erscheint,daS malerische Prinzip dagegen, in Übereinstimmung mit Winckelmanns und Lcssings Vor-schriften, vollständig zurücktritt. Eine große Anzahl seiner Werke befindet sich in Weimar:die Geburt des Lichts, die Nacht mit ihren Kindern, die Parzen, die Einschiffung desMegapenthes, Zeichnungen zu Homer, in Berlin (Nationalgalerie): die Griechenfürsten,Priamos vor Achilles.

Mehr unter französischem (Davids) Einflüsse stehen Philipp Friedrich Hetsch(Griechische Mythen und biblische Stoffe), Gottlieb Schick, der Vater der heroischen Land-schaft, und dessen Nachfolger in der Landschaftsmalern Joseph Anton Koch (Bilder imGeiste Carstens zu Dante, Ossian und Shakespeare). Als letzter der Klassizisten tauchtBonaventura Genelli auf, der in seinen Zeichnungen (Leben eines Wüstlings, einer Hckk)eine von Natur und Antike abweichende Proportion der menschlichen Gestalten verwendet-

So übte die Antike noch weit über die Jahrhundertwende hinaus ihre Macht überdie deutsche Kunst, aber sie herrschte nicht mehr unbeschränkt. Ja, es fehlte sogar nicht anKünstlern, die sich ganz auf die Natur und sich selbst stellten — unsere ersten Impressionistenund von dem Zug der klassizistischen Bewegung gänzlich unberührt blieben: Daniel Chodo-wiecki, Zeichner, Maler, Kupferstecher und Radierer, schildert das Leben seiner Zeit nnscharf beobachtendem Auge und lebendiger Auffassung („Reise nach Danzig", AkademieBerlin. Sammlung von Zeichnungen auf der Beste Coburg; Stiche und Radierungen, über

2000 Nummern; „Leben eines Liederlichen", Straßenbilder,Familiengruppenbild,Illustrationen

zu Minna von Barnhelm und Werther; Bildnisse; Ölgemälde in den Museen von Berlin undLeipzig). Anton Grafs, der einzige deutsche Bildnismaler seiner Zeit, der getreue u«dgeschmackvolle Wiedergabe mit vorzüglicher Technik verband, Hinterließ der Nation fvewertvolle Porträtgalerie (26 Bildnisse berühmter Deutscher, darunter Schiller und Lessing,Universitätsbibliothek und Museum in Leipzig; Selbstporträts, Galerie in Dresden; Fantttten-bildnis, Schloß Sagan). Philipp Hackert, tüchtiger, aber nüchterner Landschafter, von