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Vierter Band.
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226
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11. Japan

Sosen1146-182117S2—18081773—1841

Hökusai

1760—1849

226 Zweites Buch: Literatur und Kunst Europas im Zeichen der Romantik. 8 ds.

Epopöe der Malerei gepriesen, ist dagegen nur ein theatralisches Effektstück, das gleichwohldie Wiederbelebung des Farbensinnes fördern half.

Die Liebe zu Natur und Kunst ist dem Japaner eingeboren; frische Luftund Sonnenlicht sind ihm unentbehrlich. Sein luftiges, zierliches Wohnhaus(Pashiki) ist ein einstöckiger Fachwerkbau mit Zimmern, in denen drei Papier-wände, deren starke Holzrahmen in Nuten laufen, eine Vergrößerung oder eineVerbindung mit der um das Haus laufenden Terrasse gestatten. In der festen,vierten Wand befindet sich eine Nische (Tokonoma), wo das nach Belieben aus-zuwechselnde Vollbild (Kakemono) aufgehängt ist und neben Götterbildern undRäuchergefäßen Vasen und Blütenzweige stehen, die nach bestimmten Regelnder japanischen Blumenkunst gewählt und angeordnet sind. Ein Ölbild odergar ein Öldruck als Zimmerschmuck wäre dem Japaner ein Greuel; seine farbigenBilder sind auf seidenweiches Papier mit Wasserfarben gemalt und mit buntemStoffe eingerahmt. In Japan lernt schon das Kind mit dem Pinsel schreibenund im Zeichenunterricht das Weiße aussparen, um den sinnfälligen Eindruckeines Gegenstandes oder auch einer Bewegung hervorzurufen: es wird zumDilettanten im eigentlichen Sinne des Wortes erzogen. Das geübte Auge desJapaners nimmt die charakterisierenden Eindrücke einer Bewegung intensiver wahrund hält sie sicherer fest als der Europäer, der über die Naturtreue dieser nftkden denkbar einfachsten Mitteln hergestellten Momentbilder in Entzücken geratoder sie nicht versteht. Der japanische Impressionismus ist älter als derunserige; er ist der Erbe einer langen Reihe von Generationen, die die Kunstübten, in wenigen Strichen und farbigen Flächenzügen nicht nur wundervolledekorative Wirkungen hervorzubringen, sondern auch dem entzückten Auge das volleLeben des vielgestaltigen Naturbildes vorzutäuschen. „Wenn der Japaner einenBlütenzweig malt, so ist es der ganze Frühling!" beteuerte schon der Wiener DichterPeter Altenberg. Die japanische Kunst geht fast nur auf den Wohllaut vonund Farbe aus, das Motiv, der stoffliche Inhalt ist ihr meist ziemlich gleich-gültig; daraus erklärt sich der völlige Mangel einer eigentlichen Bildniskunst-Ehrfurcht vor dem Stil der alten Meister ist der Grund, weshalb die Künstler-hand dem richtigen Sehen zum Trotz die korrekte Perspektive noch lange vernach-lässigt und Schlagschatten, Helldunkel und Glanzlichter grundsätzlich vermeidet,ein Grund mehr, warum der Europäer geraume Zeit braucht, ehe er zu"*vollen Genuß japanischer Zeichnungen gelangt. Umgekehrt erschwerte der dunkleGalerieton unserer Gemälde dem Japaner das Verständnis für abendländischeKunst, und erst als sie sonnigflutendes Licht reflektierte, fand man sie im Landeder aufgehenden Sonne genießbar.

Wie die Japaner seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhundertsin die Geheimnisse unserer Industrie eingedrungen sind, so verdanken unsersKünstler den ostasiatischen Holzschnitten und Malereien eine neue kinematischedrucksform der Linie und vordem ungekannte Harmonien farbigen Lichtes. DstBesten der Modernen, wie Manet, Monet, Degas, Whistler, Max Klinger, Or» 'Thomas Theodor Heine und Toulouse Lautrec, ließen die geistvollen Schöpfung^"auf sich wirken.

In das 18. Jahrhundert reichen mehrere bedeutende Vertreter der Kanoschuleihrem Begründer Kano Montonobu, der 1476—1559 blühte). Das Heimatland dmKunstrichtung ist China, ihre Kennzeichen: Konturen von eminenter Charakteristik derwegung, mächtige dekorative Wirkung, daneben stilistische Eigentümlichkeiten, die der Alehnung an chinesische Gepflogenheiten entspringen. Sosen, der Maler der Tiere, nach ^ .Leben, namentlich der Affen, Hosen (Genshisai) der Landschaften, und Buntshio stdie hervorragendsten. Unter den Meistern der realistischen Schule (Ukioye-riu), besotzöder Farbenholzschnitte, befinden sich die auch im Abendland oft genannten Namen: TokitaKatsushika Hökusai, der Schüler Shiunshos, der fruchtbare, treffsichere, originelle Zeich" 'dessen meisterhafte Pinsclführung und unerschöpfliche Erfindungsgabe zu höchster Bewunderzwingt. „Der Mensch des Schicksals", der japanische Menzel, wie man ihnzeichnet sich selbst als Gwakiojin Hökusai, als den verrückten Zeichennarren; er geht 1w