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Vierter Band.
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2Z2 Drittes Buch: Europa von d. Stiftung d- Heiligen Allianz bis z. Julirevolution. 8 100-

in feierlichem Zuge auf die Wartburg, wo eine begeisterte Rede gehaltenwurde; dann folgte ein Festgottesdienst in der Stadt und am Abendein Fackelzug auf den Wartberg. Als hier die Fackeln zusammen-geworfen waren und die meisten Studenten sich schon entfernt hatten,warfen einige, unter ihnen der Berliner Maßmann, in studentischem Uber-mute Luthers Beispiel (Verbrennung der Bannbulle) nachahmend, die Titelverschiedener ihnen als unfrei erscheinender Bücher nebst den Zeichen deralten absolutistischen Zeit, wie Zopf, Schnürleib, Korporalstock u. bergt-,in das Feuer. Am nächsten Tage, 19. Oktober, fanden noch Beratungenüber die Gründung der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft und einerBurschenzeitung statt. Die Aufregung, welche diese angeblich politischeUmsturzideen kundgebende Wartburgfeier hervorgerufen hatte, legte sichbald, wurde aber wieder entfacht durch eine Denkschrift des russischenStaatsrats Stourdza. In dieser Schrift, die er dem Kaiser AlexanderIsis auf dem Kongresse der Heiligen Allianz in Aachen überreichte, folgerte eraus dem ungebundenen Freiheitssinn der Universitäten den bevorstehendenAusbruch einer Revolution in Deutschland und forderte dagegen den Ein-griff der Regierungen. Dazu kam, daß die preußische Regierung die Turn-plätze schloß und Maßregeln gegen die Burschenschaft ergriff.

Alle diese Ereignisse trieben einen der Wartburggenossen, den TheologenKarl Ludwig Sand aus Wunsiedel, einen frommen, vaterlandsliebenden,^'otzebue? aber von Schwärmerei erfüllten Jüngling, zu einer unseligen Tat, der23. März 1819 ^Eordung des russischen Staatsrats von Kotz ebne. Sand stand dervon Karl Jollen in Gießen geführten Gruppe der „Unbedingten oderSchwarzen" nahe, die mit kaltem Fanatismus den Tyrannenmord MErreichung der großen Ziele für erlaubt erklärten. Kotzebue hatte sich durchseine gehässigen Berichte an den russischen Hof über die in Deutschlandherrschende Stimmung, durch seine leichtfertigen Schriften und besondersdurch seine der Fürstengewalt und den Adelsvorrechten dienende Zeitschrift,worin er das Treiben der jugendlichen Weltverbesserer mit dem bitterstenSpott überschüttete, den Haß der Studenten zugezogen. Vor ihrenDrohungen war er von Weimar nach Mannheim gegangen, und hiertraf ihn, „den russischen Spion, den Verräter am Vaterlande", derDolch Sands; sein Versuch, sich selbst zu töten, wurde vereitelt. Sandwurde im Mai 1820 hingerichtet. Ob er Mitwisser gehabt hat, ist nichterwiesen ; seine Tat aber wurde von der öffentlichen Meinung bewundertund Sand als ein Märtyrer der Freiheit angesehen. Bald darauf machtei. Im i8i9 ein Apotheker Löning, der ebenfalls dem Kreise Follens angehörte,einen Mordversuch auf den herzoglich nassauischen Präsidenten von Jbell-Gefangengenommen, tötete er sich im Gefängnis. .

Die beiden Mordtaten riefen eine ungeheure Aufregung in Deutschlandhervor, und Metternich war sofort bei der Hand, um sie in seinem Sinnezur vollen Niederdrückung jeder freiheitlichen Bewegung auszubeuten. Erfand an der preußischen Regierung eine willkommene Hilfe. Sie ver-fügte nicht nur eine strenge Untersuchung des Demagogentums aufden Universitäten, sondern ließ sich auch von den reaktionären Elementendazu drängen, Männer wie Arndt, Schön, Schleiermacher, Iahn u- a-,deren Wort und Beispiel in den Zeiten der Not von so großer Wer-tung gewesen war, als Förderer demagogischer Umtriebe zu verfolgen2 «. Juli 1819 und ihrer Ämter zu entsetzen. Friedrich Wilhelm traf mit Metternich