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Vierter Band.
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238 Drittes Buch: Europa von d. Stiftung d. Heiligen Allianz bis z. Julirevolution- L

104 .

Nationale

Regungen

Gegensatz zwischen den Gutsherren und Bauern. Für die Befreiung des Grund'eigentums, die sonst überall die wichtigste Aufgabe der politischen und sozialenReformen war, geschah in Österreich nichts. Diesen schlimmen wirtschaftliche"

Finanzwesen Verhältnissen entsprach vollkommen das Finanzwesen des Reiches. Der Staats-haushalt geriet wiederholt in solche Verwirrung, daß die Staatsgläubiger schwereVerluste erlitten, die Staatsschulden und das Papiergeld in bedenklicher Artvermehrt wurden und die Steuern, Zölle und Abgaben auf eine drückende Höhestiegen. Schon 1811 waren durch ein Patent des Ministers Vallis die im Um-laufe befindlichen Bankzettel auf ein Fünftel ihres Wertes und die Zinsen deröffentlichen Staatsobligationen auf die Hälfte herabgesetzt worden. So warseit 1811 ein chronischer Bankerott vorhanden, gegen den auch die Gründungder Nationalbank 1816 wenig half. Hob sich der Staatskredit durch Verbindungder Regierung mit großen Bankhäusern und finanzielle Transaktionen, so führtedie dauernde Anleihewirtschaft doch schließlich zu vollständiger Zerrüttung der

Heerwesen Finanzen. Selbst das Heerwesen Österreichs wurde nicht aus der Höhe derZeit gehalten. Der Kaiser hatte in seinem Wesen nichts Militärisches, kauindaß er einmal Uniform trug. So verfiel auch das Heer und wurde nur einebequeme Versorgung für die Offiziere, eine Strafanstalt für die Soldaten.

Bei einer so schlaffen Regierung war auch eine völlige Verschmelzungder verschiedenen in dem Kaiserstaate vereinigten Landesteile unmöglichTrotz der mechanischen Zentralisation war von einem gesamt-österreichi-schen Staatsbewußtsein keine Rede. Vielmehr begannen gerade damalsdie verschiedenen Nationalitäten in einen schärferen Gegensatz zu treten,der die künftige Gefahr einer Zersetzung und Auflösung des Reiches insich barg. In den zwanziger Jahren begannen Bewegungen zur Be-lebung der ungarischen und slawischen Sprachen, die man anfangs Meine philologische Spielerei hielt, die aber von hoher politischer Bedeutungwurden als Äußerungen des wachsenden Nationalbewußtseins der Völker.Auch im lombardo-venezianischen Königreiche machte sich eine starke natio-nale Strömung geltend, in Ungarn aber forderten die Magyaren ausGrund ihres alten Reichsgrundgesetzes und ihrer Komitatsverfassung dieBerufung des Reichstages, der endlich 1825 zusammenkam und in eine"heftigen Gegensatz zu der Regierung trat. Nach fast zweijähriger Dauerwurde er geschlossen, ohne seine Forderungen durchgesetzt zu haben. Dieeinzige Frucht des Reichstages war die schärfere Fassung der ständische^Rechte, die weniger verklausulierte Anerkennung der alten Konstitution-§ 104. Preußen. Metternichs voller Triumph wäre es gewesen-wenn er auch Preußen zu demselben Stillstände im Staatsleben hättebringen können, wie er ihn in Österreich erreicht hatte. In der äußerenPolitik wie in der Aufrechterhaltung der Ruhe in den deutschen Staatenschien ihm das gelungen zu sein; Preußen war hier völlig im Schleppt^der diplomatischen Kunst Metternichs, in seiner eignen inneren Entwick'lung aber ging es eigene Wege.

Verwaltung Die erste und schwierigste Aufgabe, die die Regierung nach dem Friedenzu lösen hatte, war die Neuordnung der Verwaltung, die Eingliederungder neuerworbenen, völlig verschiedenartigen und zum Teil widerwillige"Landesteile, wie der Provinzen am Rhein, Sachsen und Posen. Schon aw30. April 1815 wurde die Einteilung in Provinzen vorgenommen; eswurden 10 Provinzen gebildet, von denen aber später Oft- und Westpreußenund der Niederrhein mit Jülich-Kleve-Berg zu je einer Provinz vereinigt wurden-In jeder Provinz unterstanden die Zivilangelegenheiten einem Oberpräsidenten,die militärischen einem General. Die Provinzen ihrerseits zerfielen wieder w