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Vierter Band.
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264 Drittes Buch: Europa von d. Stiftung d. Heiligen Allianz bis z. Julirevolntion. A i

gehabt haben würde, eine neue Staatsumwälzung herbeiführen möchte,so gab der König und die Reaktionspartei diesen Plan zwar auf, erwirkteDez. 1824 aber von der Kammer, daß den durch die Emigration zu Verlust ge-kommenen Rohalisten eine Eutschädigungssummevon 1000 MillionenFranken bewilligt wurde. Machte schon dies Gesetz auf die Nation einenschlimmen Eindruck, so riefen das durch jesuitischen Einfluß erwirkte berüchtigte4 . SLn, EsSakrilegiengesetz (Wider Entweihung kirchlicher Gegenstände» und derBeschluß zur Einführung schwesterlicher Vereine als Vorboten derHerstellung klösterlicher Orden den heftigsten Unwillen in den Reihen derLiberalen hervor. Noch mehr wurde die Opposition verstärkt, als derKönig, der unter dem Einfluß der streng kirchlichen Herzogin von Angou-lkme in der kirchlichen Wiedergeburt Frankreichs den stärksten Darumgegen die Revolutionsideen sah, den Jesuiten, wenn gleich noch nichtöffentlich, die Rückkehr erlaubte. Sie gründeten Vereine für fromme Er-richtungen (Kongregationen) und suchten den Jugendunterricht in ihreGewalt zu bringen. Die Opposition gegen dieses Vorgehen der RegierungE glaubte dieselbe durch ein scharfes, die Freiheit der Presse knebelndes Gesetzniederwerfen zu können; aber sie erlitt in der Pairskammer eine Niedcr-s. N°». läge. Als sie nun die Kammer auslöste, brachten die Wahlen eine solcheliberale Mehrheit, daß Villele seine Entlassung erhielt und ein liberale-4 . Jan, 1828 Ministerium unter Martignac gebildet wurde. Zugleich wuchs gegen dieüberkirchlichen Bestrebungen des Königs die liberale Strömung im Volkeimmer mehr an. Die Jugend lauschte den freisinnigen Lehren der aufge-klärten Professoren an der Pariser Universität (Guizot, VillemaimRoger-Collard u. a.) oder den kühnen Aufsätzen der Oppositionspresst(Globe, National, Constitutionnel u. a.). begeisterte sich an den Freiheits-liedern Berangers und erheiterte sich an den Satiren des HellenistenPaul Louis Courier (Z 90); der Bürger las die durch billige Ausgabenleicht zugänglichen Schriften Voltaires und der Enzyklopädisten oder dieGeschichtswerke und Denkwürdigkeiten über die „unsterbliche Revolution"und die Ruhmeszeit Napoleons (Thiers, Mignet u. a. jZ 90j).

tz 119. Die Julirevolution. Indessen Karl X. schritt, ohne die ver-änderte Gesinnung der Nation zu beachten, auf der betretenen Bahn derReaktion fort. Das liberale Ministerium Martignac mußte einem ultra-8. Aug. i 82 srohalistischen unter Polignacs Vorsitz weichen; die Richter, welche dieZeitungen der Opposition freisprachen, wurden bei ihrem Neujahrsbesuchin den Tuilerien ungnädig behandelt, und als die Kammer in der Es"öffnungsadresse ihr Mißfallen über die dem Volksgeiste feindselige Politn16. Mai 1830 der Regierung zu erkennen gab, erfolgte ihre Auflösung und eine neueWahl. Umsonst! Die Männer der Opposition erschienen in verstärkterZahl und bestätigten somit das Mißtrauen des Volks in das neue Ministe-rium. Karl X. ließ sich nicht belehren. Er hoffte vergebens, der Kriegs-ruhm, mit dem die französischen Truppen sich zu derselben Zeit in Asrikobedeckten , würde in der Nation eine günstigere Stimmung erzeugen umihren Sinn von den inneren Angelegenheiten ablenken.

Algier In Algier hatte der Dey Hussein den französischen Generalkonsul mit dein Fliegen-

wedel ins Gesicht geschlagen. Diese Beschimpfung rächte ein französisches Korps vm42000 Mann unter General Bourmont, der nach viertägigem Bombardement am 1- 3".1830 das befestigte Kaiferfchloß von Algier einnahm Am 5. Juli kapitulierte Algier,eine ungeheure Beute fiel den Siegern in die Hände

Da entschloß sich der König auf den Rat Polignacs zum Staatsstreich-