270
Viertes Buch: Von der Julirevolution bis zur Februarrevolution.
Revolution
21. Sept.
z 12l.
ein unnatürliches Bündnis zur Bildung einer Nationalopposition; dieMißstimmung des Volkes über den Steuerdruck verschaffte dieser Koalition, dereGebaren der König in einer Thronrede als „infam" bezeichnete, einen kräftige"Rückhalt. ^
-ÄusbMch der Die Unzufriedenheit hatte bereits einen sehr hohen Grad erreicht, amdie Nachricht von den Julivorgängen in Brüssel eintraf. Sie brachte dieBewegung zum. Ausbruch. Am Abend des 25. August zerstörten Volks-2s. Au». i8so hausen die Druckerei einer im holländischen Sinne geführten Zeitung, denPalast des verhaßten Justizministers und die Wohnung des Polizeidirektors,am nächsten Tag traf ihre Wut mehrere Fabrikgebäude. Um den weiterenVerwüstungen des Pöbels Einhalt zu tun, bildete sich eine Bürgergarde, eM28 . Aug. Bürgerausschuß übernahm die Regierungsgewalt, in wenigen Tagenwehte in ganz Belgien die brabantische Fahne. Aber diese von dem ange-sehenen Teile des Volks getroffenen Einrichtungen befriedigten die StirnNl-führer der demokratisch-republikanischen und der ultramontanen Parteikeineswegs; mit Hilfe des Pöbels bemächtigten sie sich selbst der höchstenMacht und übergaben einem aus Radikalen und Papisten gemischte"2 v. S°vt. Zentr alausschuß die Leitung der Dinge. Da machten die Holländerim Vertrauen auf die Hilfe der angesehenen Bürger einen bewaffnetenAngriff aus Brüssel, wurden aber nach einem hartnäckigen Kampfe zur"Rückzug nach Antwerpen genötigt. Umsonst suchte der Prinz Wilhelm"von Oranien, der Sohn des Königs, die Belgier durch die Verheißungeiner unabhängigen Verwaltung unter seiner Regentschaft zur Niederlegung der Waffen zu bewegen; die Erbitterung gegen Holland und daSelbstvertrauen der siegestrunkenen Hauptstadt waren zu groß, als daßsühnende Worte Eingang gesunden hätten. Gänzliche Trennung von HoÜaNwar das Ziel der Belgier, die jetzt auf Antwerpen losrückten, um auch dmlStadt dem verhaßten Nachbar zu entreißen. Da zog sich der entschloß^holländische General Chasse nach der festen Zitadelle zurück und besch"paus dreihundert Kanonen sieben Stunden lang die unglückliche Stad -B?§?ensund ^ tvar natürliche Folge der hierdurch noch mehr erbitterten Stimmung'Hollands daß der unter Leitung Louis de Potters, des bedeutendsten Fühs'b"der Opposition, gebildete Nationalkongreß die Unabhängigkeit Belgie"^i8.N°v.i83ound die Ausschließung des Hauses Oranien von dem belgischen Ths""aussprach. Da man aber an der konstitutionellen Monarchie '
i3. N°v. so entsagte Potter, der nach einer republikanischen Verfassung gest"^hatte, allen Würden und begab sich nach Paris.
Nun mischten sich die fünf Hauptmächte, die in London wegen d^Ordnung der griechischen Angelegenheiten zu einer Konferenz versawmewaren 114), ein und erkannten nach langen Verhandlungen, an dewder alte Tallehrand im Interesse der französischen Juliregierung teilnah 'die Unabhängigkeit Belgiens an. König Wilhelm hatte sichsein abstoßendes Betragen und durch die sophistische Auslegung,der Wiener Konferenzbeschluß, wonach der Rhein bis zum Meer °In inor) frei sein solle, die Anlegung eines Zolles an der Mündu »dieses Flusses nicht verwehre, unter den europäischen Fürsten chGegner gemacht. Um so weniger war die Londoner Konferenz gen^6'durch längere Zurückhaltung ihrer Anerkennung des belgischen Staa26 .Zumi 83 i die in Europa herrschende Aufregung zu vermehren. Es wurde day,beschlossen, daß der dem englischen Königshaus verwandte und
27. ON.
20. Dez.
bald