274 Viertes Buch: Von der Julirevolution bis zur Februarrevolution. 8
Zweites Kapitel.
Die Bewegungen in Italien und in der Schweiz.
§ 124. Italien. Seit dem Scheitern der revolutionären Erhebungenin Neapel und Piemont (Z 108) waren die Hoffnungen der italienischenPatrioten auf Frankreich gerichtet. Dort hatten die Flüchtlinge Aufnahmegefunden, und in Paris bestand ein Komitee derselben, das mit den Patriotender Halbinsel in fortwährender Fühlung blieb. Die Seele desselben war1805-1872 Giuseppe Mazzini aus Genua, ein Mann von hohem schriftstellerischesTalent, der das Konspirieren mit dem glühenden Eifer eines Apostels derFreiheit betrieb. Was war natürlicher, als daß die Nachrichten von derJulirevolution in Paris die in Italien vorhandene Gärung von neuernMUl Ausbruch brachten. In Bologna, wo sich eine provisorische Regierungi" Kirchen- las man in einem Anschlag, die dankbare Welt werde die drei
Ausbruch derRevolution
Fsbr. 1881 Pariser Julitage neben die sechs Schöpsungstage stellen. Die Rmnagnadie Marken, die meisten Städte des östlichen Kirchenstaates fielen irdie Gewalt der Aufständischen; nur mit Mühe wurde in Rom selbst istEngelsburg der geistlichen Herrschaft erhalten. Aber die von Frankreicherhoffte Unterstützung blieb aus; Metternich hatte den italienischen Mbstand als ein Werk bonapartistischer und karbonarischer Wühlereien danzustellen gewußt, deren Niederwerfung sowohl Frankreichs wie ÖsterreichsInteresse fordere. Auch in den übrigen Staaten Italiens, in NeaM'Toskana und Sardinien, fanden die freiheitlichen Ausrufe keinen Widerhall
EinschreitenÖsterreichs
rückten österreichische Regimenter unter General Frimont in
dN
Mär, i83i aufständischen Provinzen ein und besetzten Modena, Parma und Ferrara-
Dann verlangten die fünf Großmächte von dem Papste Reformen
aus
dem Gebiete der Verwaltung, des Steuer- und Finanzwesens.
Gregor XVI. wies zwar mit Entrüstung alle Vorstellungen zurück,der Heilige Vater besser als jeder andere wisse, was er seinen Völkers. Zu» schuldig sei", traf aber doch, von den Mächten gezwungen, einige Sch^'resormen. Zugleich wurde ein Heer aus verwilderten und aus allen Natiouszusammengelaufenen Menschen geworben, um die aus dem päpstlichen ^is. Zu» ßwt abziehenden Österreicher zu ersetzen. diese „Papalini" begingt
solche Untaten, daß die Österreicher wieder umkehren mußten, um die pöw sliche Regierung vor den eigenen Soldaten zu retten. Die BürgersWlempfing nunmehr die österreichischen Soldaten wie Retter. Diese NlachiFrankreich"/ entfaltung Österreichs erweckte aber das Mißtrauen Frankreichs; desha1832 erschien von Toulon aus ein Schiffsgeschwader, das in der Nacht22. auf den 23. Februar Ancona durch einen Handstreich nahm- ^iProklamation verkündete den überraschten Bewohnern, Frankreich sei 8
kommen, die Sache der Völker gegen den Despotismus zu führen
und
Österreich, welches unter lügnerischen Versprechungen seine ewigen V .größerungsabstchten verfolge, aufzuhalten. Trotz der Aufregung, in wew>die europäischen Staaten durch die Besetzung Anconas durch die FraE"versetzt wurden, und des Protestes der Kurie gegen die Verletzung des Volksrechts blieb die französische Regierung bei ihrer Erklärung, die in Jtalleingenommene Stellung nicht wieder zu verlassen, ehe die ÖsterreicherLegationen geräumt hätten. Ancona wurde so eine Stätte des italle