Band 
Vierter Band.
Seite
356
JPEG-Download
 

356

Fünftes Buch: Von der Februarrevolution bis zum Jahre 1863. 8

176.

Austritteder Partei

20. Mai

noch provisorisch sein machtloses Amt fortführte. Manche dachten Wdie Rolle des Diktators zu, auf daß er die Leitung der immer mächtigausbrechenden Bewegung in die Hand nehme und in den Schranken ocGesetzlichkeit halte; andere rieten, sich Österreich zu nähern und, als ersteSchritt dazu, dem Reichsverweser selbst die Oberhauptswürde Provisorszu übertragen. Aber dieser Fürst berief gerade jetzt gemäßigte Männer sdas Ministerium (Grävell, Detmold, Jochmus), deren Ernennung mVersammlung für eine „Beleidigung der Nationalrepräsentation" erklärt -14. Mai I84S Mittlerweile war die Abberufung der preußischen Abgeordneten zur Rationa^Versammlung nach Berlin (§ 185) erfolgt. Noch blieb jedoch ein fester Kerder „Weidenbuschpartei", um Gagern und Dahlmann geschart, beisaMiMv-Indes sie überzeugten sich immer mehr, daß sie zwischen den beiden "stwalten, die sich jetzt blutig bekämpften, der Revolution und der Reaktiv -keine haltbare Stellung einnehmen könnten; sie beschlossen daher ihrenfreiwilligen Austritt. Fünfundfechzig Männer, darunter Gagern, Sims"(der schon vorher dem Präsidentenstuhl entsagt hatte), Dahlnian"'Moritz Arndt, unterzeichneten eine Austrittserklärung und verließedie Paulskirche, den Schauplatz ihrer ruhmvollen Wirksamkeit und ihrevaterländischen Strebens. Durch den Austritt der Gagernschen P^'gewann die Linke immer mehr Boden für ihre revolutionären Bestrebung^ 'Als die Versammlung den Antrag aus Vertagung verwarf, schieden abe'mals zweiundzwanzig Mitglieder aus. Eine Ansprache an das deutsche Vo 'in der schönsten Form von dem schwäbischen Dichter llhland versaß'war der letzte edle Laut aus der Versammlung, chas Schwanenlied oFrankfurter Reichstages. Die Verwerfung eines von Welcker u- st-antragten Zusatzes, „welcher die Reichsverfassung als das nicht zu iüst'schreitende Ziel der Bewegung hinstellte und jede Einmischung FreMin die Angelegenheiten Deutschlands zurückwies", verscheuchte abermals eigroße Zahl von Mitgliedern.

Der Rest beschloß nun die Übersiedlung nach Stuttgart, udem Herde der Beweguug näher zu sein und für seine revolutionären^strebungen in den Demokraten und Anarchisten des Südens einen Rückhazu haben. Die hundert und etliche Männer, die am 6. Juni im6. Zum der Abgeordnetenkammer zu Stuttgart ihre Sitzung unter dem

des Abgeordneten Löwe-Calbe aufs neue eröffneten, führten noch iMstden Namen „konstituierende deutsche Nationalversammlung", aber da stmehr auch Bayern und andere Regierungen die ihren Staaten angehvrißMitglieder abberiefen, so gestaltete sich das „Rumpfparlament" st" ^mehr zu einem „macht- und autoritätslosen Konvent, der den Rest v,^Würde, welcher an dem Namen der Nationalversammlung Ästete,einigen unglücklichen Auswiegelungsversuchen verzettelte". Eineregentschaft" von fünf Mitgliedern, darunter Raveaux, Vogt, ESimon, wurde ernannt, die badische und pfälzische Erhebung gutgehstß 'und um auch das Württembergische Land in die Bewegung hineinzuzivy 'wurde ein Gesetz zur „Organisation der Volkswehr" angenommen- ^konnte Römer, der damalige Württembergische Ministerpräsident,revolutionäre Treiben nicht länger gewähren lassen. Obwohl dem," ^Zentrum in der Paulskirche angehörig und mit einigen derMitglieder, die wie llhland aus gewissenhafter Konsequenz nichtgeschieden waren, befreundet, mußte er zur Sicherheit des eigenen La