426 Fünftes Buch: Von der Februarrevolution bis zum Jahre 1868.
unzweifelhaft der Gedanke zugrunde lag, Österreichs Macht in
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Italien
zu brechen und eine Regierung zu unterstützen, die die Stimmung desVolkes für sich hatte, und so seinen Grundsatz der Selbstbestimmung derVölker (8 211) zu betätigen, so rechnete Napoleon zugleich darauf, dBSardinien nach feiner Schätzung nie mächtig genug werden könnte, sich desDankes gegen ihn zu entschlagen, und erstrebte daneben eine VergrößerungFrankreichs. Indessen, wie beunruhigend auch die Zustände in Italienwaren, der vorsichtige Kaiser hätte sich vielleicht noch nicht so schnell de
stimmen lassen, abermals „für Ideen" ins Feld zu ziehen, wenn
nicht
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das Attentat Orsinis (8 211) ihn zum raschen Handeln gedranghätte. Doch ehe Napoleon sich anschickte, im Verein mit Cavour dTestament Orsinis zu vollstrecken, mußte er erst wieder das etwas getruVerhältnis zu England bessern. Es gelang durch gegenseitiges Entgeg?'kommen (ß 210). Napoleon bedurfte eben der Neutralität Englands ZAusführung seiner Pläne in Italien, und die britische Regierung, dauwmit der Unterdrückung des Ausstandes in Indien beschäftigt, ergriff 8^die dargebotene Hand. Palmerston, Napoleons Freund, beredeteKönigin Viktoria, der Einweihung des neubefestigten Kriegshafens bs. A«g. IM Cherbourg beizuwohnen, obwohl derselbe bestimmt war, in vorkonttneu"Fällen als Stützpunkt gegen England zu dienen, und durch diesen Best?von Vertrauen die gestörte Harmonie wiederherzustellen. Kurz vorher20. JE Graf Cavour mit Napoleon in dem Vogesenbade Plombieres ^geheime Zusammenkunft gehabt und mit ihm die erforderlichen Veraredungen über Italiens Zukunft getroffen. An Sardinien solltenLombardei, Venetien, die päpstlichen Legationen, Parma und Mo"?fallen, Frankreich aber für seine Hilfe Savohen und Nizza erhalten- ^.übrigen Verhältnisse sollten nach der Vertreibung der Österreicher gevrdUwerden. Napoleon dachte dabei an einen italienischen Staatenbund UUdem Ehrenvorsitze des Papstes. Das Band zwischen den beidenHäusern wurde dann noch fester geknüpft durch die Vermählung ^Prinzen Je'röme Napoleon, des Sohnes des Königs von Westfalen, stClotilde, der sechzehnjährigen Tochter Viktor Emanuels.
Bei der nächsten Neujahrsansprache richtete Napoleon an .österreichischen Gesandten in Paris, Baron von Hübner, die Worte: "ll.bedaure sehr, daß unsere Beziehungen zu Ihrer Regierung nicht umst ^gut sind wie früher; ich bitte Sie aber, dem Kaiser zu sagen, daß Ul?persönlichen Gefühle für ihn immer dieselben sind." ^
§ 214. Magenta und Solferino. Dieser ganz Europa in Ausregversetzenden Ansprache folgte bald die keinen Zweifel an ihrer Drut ^io.Jan.i85glassende Erklärung Viktor Emanuels bei Eröffnung der Kammer in Du^daß Sardinien nicht länger unempfindlich sein könne gegen den „Schmerztschrei", der sich von allen Seiten Italiens hilfeflehend erhebe. Ölreichs Lage war schwierig. Die Finanzen befanden sich in schlechter» l).stände, in Ungarn herrschte noch immer ein friedloser Zustand, und ,italienischen Provinzen warteten nur auf das Zeichen zur Erheb» §Dennoch mußte es den Fehdehandschuh aufnehmen: es verstärkte stHeere in Italien, stellte die Lombardei unter Kriegsrecht und„Revision der Verträge", welche in der Presse Sardiniens und F*a ^reichs als notwendig hingestellt wurde, ebenso entschieden ab, wie das ,.Frankreich aufgestellte neue Prinzip „der Berechtigung der Nationalität?
1. Jan. 185S