^ ^9- Fünftes Kapitel: Das Ende d. russ. Übergewichtes u. d.
Selbstbestimmung d. Völker. 437
L. Preußen und die deutsche Frage.
8 219. Die neue Ära und der Konflikt, a. Die ersten Regierungs-
Wilhelm I.
(1858)
1861—1888
Prinz Wil-helm
^ Wilhelms I. Als Wilhelm, der Prinz von Preußen, amt8 i tober 1858 als Prinzregent die volle Regierungsgewalt übernahm^ 105), haffx ^ schon das 61. Lebensjahr vollendet.
. Geboren am 22. März 1797 als zweiter Sohn Friedrich Wilhelms III. und derSei ^"ise, hatte er nach menschlicher Voraussicht keine Aussicht, zum Throne zu gelangen,hat? x ruf war der militärische geworden; in ihm war er vollkommen zu Hause, und erFr/ ° ^orch gründliche Arbeit auf einem Gebiete gelernt, sich auch in anderen, unbekanntenhat?°" Zurechtzufinden- Da seinem Bruder, dem Kronprinzen, Kinder versagt blieben,
Pri^ °^.^ur staatlichen Interesse seine Jugendliebe zu der nicht als ebenbürtig angesehenen
Sa^k " Elisabeth von Radziwill geopfert und war die Verbindung mit Auguste v o n ii. Juni 182S
... ^len-Weimar eingegangen. Dieser Ehe entsprossen zwei Kinder, Friedrich Wilhelm,
1831, und Luise, geb. am 3. Dezember 1836 (später Großherzogin vonl8 192s). Der Prinzregent hatte in der schweren Zeit der preußischen Geschichte eindx„,AEunisches Urteil gewonnen, das ihn wahre preußische und damit von selbst auchsein s Politik zu treiben wohl befähigte. Fern von der namentlich in den letzten Zeiten^ Bruders, des Königs, zur Schau getragenen äußeren Frömmigkeit der Hofpartei,oll/ durchdrungen von echter christlicher Liebe, von einem unbedingten Gottvertrauen inreik? ^denslagen beseelt, völlig furchtlos in jeder Gefahr, keine geniale, alles mit sich fort-setzt Natur, aber durch und durch praktisch und gutem Rate gern mit seiner fast nieNe,, °"den Menschenkenntnis folgend, konservativ und doch den nötigen Reformen dertitz/" -36t nicht abgeneigt, niemals in der Arbeit für sein Volk und sein Land ermüdend,
„^".ußin er die Regierung zu einer Zeit, wo Preußen, in Parteien zerrissen, in DeutschlandDl^.hu Auslande erst wieder mühsam begonnen hatte, aus der mißachteten Stellung nachU? sich herauszuarbeiten.
Nn Gleich nach der Übernahme der Regentschaft wurde der Ministers^a^uffel entlassen, mit dessen Namen die auch für den Prinzregenten^p^iachvollste Zeit Preußens unzertrennbar war, und unter dem Fürstenvon Hohenzollern-Sigmaringen ein gemäßigt liberalesp Msterium berufen, in das v. Auerswald, v. Schleinitz, v. Bethmann-Hollweg,
^ olottwell und einige Zeit nachher Gras Schwerin eintraten. Mit Freudewan im preußischen Volke diesen Anfang der neuen Ära; nure Kreuzzeitungspartei arbeitete im stillen dagegen. Bald trat an den Prinz-^3Mten die schwere Ausgabe heran, in dem italienisch-österreichischen Kriege^ kllung zu nehmen, sich zu entscheiden, ob er diesen Krieg für eine deutscheL^3e halten oder ob er eine rein preußische Politik treiben solle. Sein^ sog ihn zu Österreich hinüber, gegen den von ihm mit Mißtraueng esehenen Erben des ersten Napoleon. Er entschied sich aber, wie wirab ^ben (ß 215), einen Mittelweg zu gehen: nicht für Österreich, Wohlrun^ ^ preußisches und deutsches Interesse am Rhein gegen etwaige Erobe-zn ^klüste Frankreichs einzutreten und die Führung der deutschen Truppen
Er
rungsinaß-regeln
Nov. 18S8
P Klangen. Der rasche Friedensvertrag zwischen Franz JosephPoleon enthob ihn zunächst der Gefahr äußerer Verwicklungen.
und
NationaleBewegung tnDeutschland
^ ...Zv Deutschland war durch den italienischen Krieg das nationaleH iMl wieder mächtig erregt worden, und der 1859 unter Rudolf v.b^^igsens Führung gegründete DeutscheNationalverein suchte is.Sept.i 85 sdie " Zusammenschluß aller gemäßigt liberalen und nationalen Männerdreii ^li von Deutschlands Freiheit und Einheit immer weiter zu ver-Erosi' ^sonders rührig für diese Bestrebungen zeigte sich der HerzogII. von Koburg-Gotha, und zu mächtiger Erscheinung kam