272 Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1555—1618). Z 163.
eingeschränkt war, während Schweden sich eines starken nationalen König-tums erfreute. Freilich wird man sagen müssen, daß die schwedischeGroßmacht etwas Künstliches an sich hatte; sie war geschaffen durch eineSteigerung der geistigen Kräfte: die natürlichen materiellen Hilfsmitteldes dünnbevölkerten, armen und von den Zentren der europäischen Ge-schichte abliegenden Landes genügten zur Erhaltung des Errungenen nicht.
7V Dänemark.
Fri»drich II. H 163. Friedrich II. Christians III. (ß 88) Sohn und NachfolgerFriedrich II. unternahm zuerst mit seinen Oheimen Johann und Adolf<H 88) einen Feldzug gegen die Dith Marschen, die bisher ihre Freiheit sotapfer gewahrt hatten (II, § 369). Jetzt erlagen sie in der Schlacht beiJuni i55g Heide den von dem Grafen Johann von Rantzau geführten königlichenund herzoglichen Truppen; ihrer republikanischen Selbständigkeit wurdenun für immer ein Ende bereitet, ihr Land unter die drei Sieger verteilt.Bald darauf begannen Verwicklungen mit Schweden. Der Tod des25.Jan.l55g 1523 entthronten Christian II. befreite Friedrich II. von den Sorgen, dieauf der Regierung seines Vaters gelastet und diesen zur Verständigungmit Schweden geführt hatten (8 88); dazu trat auch in Schweden ein15«, Thronwechsel ein, und der neue König Erich XIV. richtete ebenso wieFriedrich II. seine Blicke auf den zerfallenden livländischen Ordensstaat(§ 165). Friedrich II. kaufte 1559 von dem Bischof von Ösel-Wiek undKurland - Pilten (Johann von Münchhausen) dessen Lande und gab sie1560 seinem Bruder Magnus; dieser behielt sie 1562 als weltlicher Fürstund strebte auch nach dem Besitz von Livland. Gleichzeitig faßten aberdie Schweden in Esthland Fuß (tz 165), und die aus der Lösung derKalmarischen Union gebliebene Feindschaft lebte um so mehr wieder auf, alsNordvch-r der Dänenkönig noch immer trotz des schwedischen Protestes das schwedischejähriger Wappen führte. So kam es zu dem nordischen siebenjährigen1588-1510 Kriege, in dem Lübeck auf die Seite Dänemarks trat. Zuerst siegte eine1584 dänisch-lübische Flotte zwischen Öland und Gotland; dann erlitten die Ver-bündeten durch Kämpfe und Stürme schwere Verluste zur See. Diese wurdenjedoch durch Erfolge zu Lande wieder gut gemacht; u. a. gewann Danieli5«s Rantzau einen glänzenden Sieg bei Svanterä in Halland. So endete deri57o Krieg nach der Entthronung Erichs XIV. im Frieden von Stettinmit der Anerkennung des gegenwärtigen Besitzstandes.
Herzog Magnus hatte sich inzwischen, um Livland zu gewinnen, an Iwan den Schreck-I57v lichen von Rußland (Z 173) gewandt. Dieser ernannte ihn zum „König von Livland" undIS73 vermählte ihn mit seiner Nichte Marie. Trotzdem vermochte Magnus Livland den Polennicht zu entreißen und verzichtete 1577 auf seine ehrgeizigen Pläne. Nach seinem Tode fiel1588 Üsel an Dänemark, während Wiek mit Esthland, Pilten nach wechselndem Pfandbesitz schließ-lich (1660) mit Kurland vereinigt wurde (Z 249).
Trotz des Bündnisses mit Lübeck trat Friedrich 11. der hanseatischen Handels-i5ss Herrschaft entgegen. In Bergen wurden die hanseatischen Privilegien beseitigt,der Sundzoll wurde für die Schiffe aller Nationen bedeutend erhöht und zur1574-1585 Beherrschung des Sundes das feste Schloß Kronborg erbaut. Der Wohlstanddes Landes hob sich, und auch für den geistigen Aufschwung hat Friedrichmanches getan, z. B. durch Zuwendungen an die Universität Kopenhagen unddurch Gründung von Schulen. Die alte Übermacht des Adels freilich, die durchdie Thronkämpfe und durch die aus den Kirchengütern gewonnenen Reichtümer(Z 88) noch erhöht worden war, blieb bestehen.