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Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740).
§ 266.
Ls Telliergeb. IMSgest. 1685
Louvoisgeb. 18. Jan.IS1I
gest. 1S. JuliI6S1
Lioimsgeb. 1611gest. 1611
Turenns
geb.11.Sept.
1611
gest. 21. Juli1615
Lande
geb. 8. Sept.1621
gest.11. Sept.1686
Luxemburggeb. 8. Jan.1628
gest. 4. Jan.1695
Baubangeb. 1. Mai16S8
gest. 13. Mär,1701
Neben ihm ragten als Minister hervor die beiden Le Testier. Michel Le Tellierhatte 1643 als Staatssekretär die Verwaltung des Kriegswesens übernommen und war eintreuer Anhänger Mazarins gewesen. Er wurde jetzt Vertrauensmann des Königs, erhielt1677 das Kanzleramt und hat sich bis zu seinem Tode in der Gunst des Königs erhalten;verstand er es doch vorzüglich, bei allen heilsamen Maßregeln, die er veranlaßte, dem Königedas Verdienst zuzuschreiben. — Bekannter ist sein Sohn Franxois Michel Le Tellier, nacheiner neu erworbenen Herrschaft Marquis de Louvois genannt. Der Vater weihte ihnin die Geschäfte der Militärverwaltung ein und überließ ihm 1666 das Amt eines Kriegs-ministers. Als solcher hat er nun die großartige Neuordnung der französischen Armeedurchgeführt und damit das Werkzeug für Ludwigs XIV. Eroberungspolitik geschaffen.Der Ruhmbegierde und Eroberungslust des Königs trat er nicht entgegen, trieb ihn viel-mehr zu immer neuen Unternehmungen an. Da nun Colberts wirtschaftliche Pläne nurim Frieden gedeihen konnten, wurden beide Männer Gegner, und Louvois hinderteColbert sogar in dessen Tätigkeit als Marineminister. Colbert hat einen erbitterten Kampfgegen ihn geführt, der immer aussichtsloser wurde, je mehr die Ruhmbegierde und Kriegs-lust des Königs stieg. War Colbert der gute Geist Ludwigs XIV., so ist Louvois in ge-wissem Sinne sein böser Genius geworden. Mit tiefem Schmerz sah Colbert sein Lebenswerkgefährdet, seine Beziehungen zum Könige trübten sich, Louvois wurde der Hauptträger derrücksichtslosen Gewaltpolitik, und sein Einfluß hat sehr wesentlich zum Niedergang Frank-reichs beigetragen.
Als Minister des Auswärtigen übernahm Ludwig XIV. den gewandten DiplomatenHugues de Lionne, der schon unter Mazarin herangebildet und u. a. beim Abschlußder rheinischen Allianz und des Pyrenüenfriedens (§ 221) tätig gewesen war. Er kannte,wie keiner sonst, die Verhältnisse an den auswärtigen Höfen, in seiner Hand lief dieeuropäische Politik zusammen, er wußte aus allen Wechselfällen Nutzen zu ziehen. Auchsein Tod hat verhängnisvoll gewirkt, da Louvois seitdem größeren Einfluß auf die aus-wärtige Politik gewann.
Unter den Feldherren Ludwigs XIV. nahm die erste Stelle ein Henry de la Tourd'Auvergne Bicomte de Turenne, dem wir in der bisherigen Erzählung schon oft be-gegnet sind. Durch seine Mutter ein Enkel Wilhelms von Oranien (Stammbaum 4) undprotestantisch erzogen, erlernte er das Kriegshandwerk unter seinen Oheimen Moritz undFriedrich Heinrich von Oranien (H 222). 1680 trat er in die Dienste Frankreichs und
führte in den letzten Jahren des Dreißigjährigen Krieges französische Heere (Z 213).Während der Fronde war er zuerst ein Gegner Mazarins, ging aber dann zur Regierungüber und trug wesentlich zu deren Siege bei (H 220). 1660 wurde er Höchstkommandierenderaller französischer Truppen und trat 1668 zum Katholizismus über; er nahm an den Raub-kriegen teil und fiel bei Sasbach. — Sein Genosse und Rivale, Ludwig II. Prinz vonConde (der große Condk), der seinen Ruhm ebenfalls im Dreißigjährigen Kriege begründet(8 213) und dann bis 1659 gegen das Königtum gekämpft (Z 220, 221) hatte, erhielt 1668wieder ein Kommando und 1675 nach TurenneS Tode den Oberbefehl in Deutschland; durchGichtanfälle gezwungen, kehrte er jedoch bald nach Frankreich zurück und lebte nun bis zu seinemTode zumeist auf Schloß Chantilly im Verkehr mit Gelehrten. — Condes größter Schülerwar Franz Heinrich von Montmorency, seit 1661 Herzog von Luxemburg, infolge seinerVermählung mit der Erbtochter dieses Hauses gewöhnlich Marschall von Luxemburggenannt. Er hat zuerst unter Conde gekämpft und wurde 1675 zum Marschall erhoben.Nach dem Nymweger Frieden fiel er während des Voisin-Prozcsses (Z 275) infolge ungerechterAnklagen Louvois' in Ungnade und war zeitweilig in Haft, dann aber wurde er der be-deutendste Feldherr des dritten Raubkrieges. — Endlich muß hier noch Ssbastien le Prtt"de Vauban erwähnt werden. Auch er diente zuerst unter Conde und zeichnete sich alsIngenieur aus; 1669 wurde er Generalinspektor aller französischen Festungen und HM33 Festungen neu erbaut und 300 alte verbessert, zugleich hat er die Belagerungskunst durchAnwendung der Parallelen sehr umgestaltet. Seine Befestigungs- und Angriffsweise ist bisins 19. Jahrhundert maßgebend geblieben.
Besserung H 266. Colberts finanzielle und wirtschaftliche Tätigkeit. Mit FouquetsSturz wurde die Bahn für die Reformarbeit frei; nun konnte, gestützt auf denregen Eifer des Königs, Colbert seine umfassende Tätigkeit beginnen. Amnotwendigsten war eine Besserung der Finanzen. Zunächst wurde zurUntersuchung der Veruntreuungen ein besonderer Gerichtshof eingesetzt; mankann sich einen Begriff von der bisherigen Mißwirtschaft machen, wenn manhört, daß die Steuerpächter für Niederschlagung der Untersuchungen freiwillig