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Dritter Band.
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Z 277.

Erstes Kapitel: Ludwigs XIV. Borherrschaft.

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Dieser Schritt des Papstes erschien den Bischöfen als ein Eingriff in ihreSelbständigkeit. So trat denn das vom Könige berufene Nationalkonzilin dem Regalienstreite auf seine Seite und beschloß darüber hinaus die berühmtenvier Sätze, in denen ausgesprochen wurde, daß die weltliche Gewaltunabhängig von der geistlichen sei, die Konzilien über dem Papstständen, die päpstliche Macht durch die Rechte der gallikanischen Kirchebeschränkt sei und päpstliche Entscheidungen in Glaubensfragen derZustimmung der Konzilien bedürften. Die Berufung des Konzils er-innert an das Verfahren Philipps IV. (II, ß 278), die vier Sätze aber vertratenden alten episkopalen und konziliaren Gedanken (II, H 307). Der Papst erkanntesie natürlich nicht an und verweigert? den vom König ernannten Bischöfen diegeistliche Investitur; der König half sich damit, daß er sie von den Kapiteln zuGeneralvikaren wählen ließ und verlieh ihnen die ihm kraft des Regalienrechtszustehenden Einkünfte. Schließlich wurden 35 Diözesen in dieser Weise ver-waltet; die hohen Geistlichen wurden durch all das noch mehr als bisher schonzu staatlichen Beamten.

Verfasser der vier Sätze war Jacques Benigne Bossuet. Geboren zu Dijon wurdeer zuerst im dortigen Jesuitenkolleg, dann im Navarrakolleg zu Paris ausgebildet. Erschrieb gegen die Calvinisten, zeichnete sich als Kanzelredner aus, wurde 1670 Erzieher desDauphin, 1681 Bischof von Meaux und trat zu der Maintenon in nahe Beziehungen. Erwurde nicht nur der Hauptvertreter der gallikanischen Freiheiten, d. h. tatsächlich der Unter-ordnung der Kirche unter den Staat, sondern auch der Theoretiker des Absolutismus inseiner für den Dauphin verfaßten Schrift kotitigns tirss äss propres xarolss äs l'Leri-turs-8nillte (Politik nach den eignen Worten der Heiligen Schrift).

8 277. 1») Jansemsmus. Wenn Ludwig die staatliche Macht der Kirchegegenüber stärkte, so wirkte er mit ihr zusammen zur Erhaltungder Glaubenseinheit. Das zeigte sich zuerst bei der Begünstigungder Jesuiten und dem Verfahren gegen die Jansenisten.

Die von Heinrich IV. zeitweilig verdrängten Jesuiten waren bald wiederzugelassen (Z 148) und gewannen großen Einfluß auch dadurch, daß der Unterrichtimmer mehr in ihre Hand kam, und daß sie ihre sittlichen Forderungen dermenschlichen Schwachheit anzupassen wußten (§ 111), was sie am Hofe sehr beliebtMachen mußte. Sie stellten in der Erklärung der Sünde eine sehr laxe Ansichtauf: nur wo vollkommene Einsicht des Vergehens und die bestimmte Absicht,es zu vollbringen, obwalte, sei eine Sünde vorhanden, äußeres Tun ohne innereZustimmung und Freiwilligkeit sei kein Vergehen. Diese Kasuistik führte zueinem Gewebe von Heuchelei und Sophistik. Die Lehren von dem Gedanken-vorbehalt (rsssrvutio msirtalis), von der Heiligung des Mittels durch den Zweck,me freilich in dieser schroffen Form nicht vorgetragen wurde, und von dem Proba-mlismus, nach der man ebensogut die wahrscheinlich falsche als die wahrscheinlichwahre Bestimmung ergreifen dürfe, machten das Joch Christi sehr leicht, zerstörten?ber jeden sittlichen Halt. Daher trat der fromme Cornelius Iansen, Professorw Löwen, dann Bischof von Apern, der Jesuitenmoral entgegen und erneuerte inseinem erst 1640 nach seinem Tode erschienenen Buche „August in us" die altestrenge Lehre dieses Kirchenvaters, wonach nur der durch die Gnade Gottes von densündhaften Trieben des Fleisches erlöste und durch den Glauben mit seinemSchöpfer versöhnte Geist in das ewige Leben eingehe. Seine dem Protestantismusverwandten, auf ein innerliches Christentum gerichteten Ansichten gewannen auch inFrankreich Anhänger. Unter ihnen war Antoine Arnauld (ß 358), der in einerSchrift „über die häufige Kommunion" die äußerlich-mechanische Auffassung derJesuiten von Buße, Beichte und Absolution bekämpfte. Er zog sich als Ein-?bvler nach Port Royal bei Paris zurück; durch seine Schwester, die Äbtissines Nonnenklosters Port Royal, wurde dieses Kloster dem Jansenismus gewonnen;außerdem bildete sich hier um Arnauld eine Art Einsiedlerverein, dem erste^erster Frankreichs, wie Blaise Pascal (ff 1662) angehörten; auch Mitglieder

1681—1682kS.März 1682

Bossuet

1627—1704

Jesuiten-

moral

Janjen

1585—1638

Jansenistenin PortRoyal