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Dritter Band.
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496 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660 — 1740). H 280

Eitern- über die Einräumung CasaleS hatte Ludwig schon 1678 einen Vertrag abgeschlossen,° aber Karls IV. Minister Mattioli, der die Verhandlungen geführt hatte, hatte darübernach Madrid und Turin berichtet und dadurch die Übergabe verhindert. Erbittert über diesenVerrat ließ Ludwig den Unterhändler aufheben und hielt ihn bis zu seinem Tode gefangen.Aller Wahrscheinlichkeit nach ist Mattioli der geheimnisvolle Gefangene, der stets eineschwarze Sammetmaske vor dem Gesicht tragen mußte und 1703 in der Bastille gestorbenist. Daneben freilich gibt es noch eine Fülle anderer Vermutungen über diese gewöhnlichals „Eiserne Maske" bezeichnete Persönlichkeit. Man hat unter ihr den gestürzten Ober-intendanten Fouquet (Z 265), den lothringischen Ritter von Harmoises, der eine Verschwörunggegen Ludwig angezettelt hatte, einen französischen Edelmann, der ein Verhältnis zur KöniginAnna gehabt habe und der wahre Vater Ludwigs XIV. gewesen sei, einen natürlichen Sohnder Königin Anna, also einen Halbbruder des Königs, einen Zwillingsbruder Ludwigs,endlich einen Sohn Ludwigs und der La Balliere vermutet; auch die Meinung ist aus-gesprochen, daß es mehrere Gefangene mit „Eisernen Masken" gegeben habe. Am wahr-scheinlichsten aber ist, wie gesagt, die Annahme, daß Mattioli die Eiserne Maske gewesen sei.

franMschs 8 28V. Der Regensburger Waffenstillstand. Für Ludwig mußteBllndM- es nun darauf ankommen, die Reunionen anerkannt zu sehen. Zunächst hatteseine Gewaltpolitik nicht bloß in Deutschland, sondern auch in anderenLändern große Erbitterung erregt. Kaiser Leopold schien zu einemkriegerischen Vorgehen geneigt; dazu drängten auch Wilhelm III. vonOranien, der den Kampf gegen Frankreichs Übermacht als seine Lebens-aufgabe ansah (8 271); ferner war Karl XI. von Schweden durch dieBesetzung seines Stammlandes Zweibrücken verletzt, Spanien in Luxem-burg und durch Casale in Mailand bedroht. So kam es zu BündnissenEnd-iWi. zwischen Holland, Schweden, dem Kaiser und Spanien; dazu" taten sich ein Teil der westdeutschen Reichsstände zusammen, und mitJuni 1 W 2 diesen „armierten Ständen" schloß der Kaiser unter Vermittlungdes Grafen Waldeck die Laxenburger Allianz.

Di-siirLud- Wenn in alledem sich Kriegslust zur Abwehr der unerhörten An-g",? Behält- maßung Ludwigs bekundete, so standen ihrer Betätigung doch auch schwerei. Smat-n-Bedenken entgegen. Wilhelm III. wurde gelähmt durch die Staaten-partei Partei, die im Interesse des Handels und aus Rivalität gegen denGeneralstatthalter (tz 271) einen Krieg zu vermeiden suchte; außerdem aberhatte Ludwig besonders an drei Stellen einen starken Schutz gegen alleKriegsneigungen. Es waren das der englische König, der Großev. Engwnd Kurfürst, die Ungarn und Türken. Karl II. von England wardurchaus französisch gesinnt und brauchte wegen seines Konflikts mit demb'KÜsfW°Parlament (ß 286) den Rückhalt an Frankreich. Der Große Kurfürstwar aufs tiefste erbittert, weil seine Verbündeten, die Niederländer undder Kaiser, ihn im Nhmweger Frieden preisgegeben und dadurch umdas schon eroberte Pommern betrogen hatten (Z 273); seine Erbitterungstieg noch, weil der Kaiser seinen schlesischen Ansprüchen entgegentrat unddie Niederländer seinen kolonialen Unternehmungen Schwierigkeiten be-2s. On. isw retteten. So hatte er schon 1679 in St. Germain ein Bündnis mitFrankreich geschlossen und sogar versprochen, bei einer neuen Kaiserwahlseine Stimme dem französischen Könige oder dem Dauphin zu geben (8 301).Er trieb hierbei nicht nur eine Art Verärgerungspolitik, sondern hoffte,Pommern, das er gegen Frankreich nicht hatte gewinnen können, mitFrankreich zu erlangen, und erwartete von Ludwig Förderung seinerüberseeischen Pläne. Deshalb blieb er auch nach den Reunionen dem4. Dän-marl französischen Bündnis treu. Aus Feindschaft gegen Schweden schloß sichauch Dänemark an Frankreich an. Am wichtigsten aber waren die engen