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Dritter Band.
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8 S82.

Erstes Kapitel: Ludwigs XIV. Vorherrschaft.

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Well groß geworden war (Z 288): wie es damals gegen das spanisch-katholische System gekämpft hatte, so sollte es sich jetzt gegen das französisch-katholische wenden. Wilhelm III. konnte dabei auf Brandenburgs Hilferechnen, und auch die an sich dem Frieden geneigte Staatenpartei gerietin Erinnerung an 1672 (§ 271) durch Ludwigs kölnische Pläne in Sorgeund trat dem Generalstatthalter nicht mehr entgegen.

Alles in allem hatte sich die Lage seit 1684 zuungunsten G-samnag-Ludwigs verschoben. Die Bündnisse mit den deutschen Fürsten, vorallem mit Brandenburg, waren gelöst, die Türkennot so gut wie beseitigt,

England schien in kurzem die Reihen seiner Gegner zu verstärken: so drohteihm eine völlige Isolierung und dann vielleicht der Verlust der 1684 nurvorläufig abgetretenen Gebiete. Unter diesen Umständen entschloß er sichloszuschlagen, bevor der Türkenkrieg beendigt und der Umsturz in Eng-land erfolgt wäre. Mit der Erklärung, daß er die pfälzischen Ansprüchedem Schiedsspruch Englands oder Venedigs unterwerfen wolle und nurdie Einsetzung Fürstenbergs, sowie bis Januar 1689 den Abschluß einesendgültigen Friedens auf Grundlage des Stillstands von 1684 fordere,ließ er dreiHeerein Deutschland einrücken, und zwar nach der Pfalz, S°pt. wMnach Köln und nach Süddeutschland. Gelang es ihm, seine Forderungendurchzusetzen, so war seine wankende Vorherrschaft nochmals gesichert.

Man wird sagen können, daß Ludwigs Friedensbruch eine gewisse Ähnlichkeit hat mitdem Friedrichs des Großen im Jahre 1756 (H 380), nur mit dem Unterschiede, daß mit FriedrichLudwig seine schwierige Lage seiner rücksichtslosen Gewaltpolitik verdankte, was für Friedrich Großen»nicht zutrifft, und daß Friedrich sich einer festeren Angriffskoalition gegenüber sah alsLudwig. Davon abgesehen aber handelte es sich für beide darum, einer drohendenIsolierung gegenüber durch schnelle Schlüge und durch einen schnellenFriedensschluß mit einem Staate (hier Kaiser und Reich, dort Österreich) den Ver-lust früher gewonnener Gebiete (hier der Reunionen, dort Schlesiens) zu vermeiden. Bei dieserAuffassung des dritten Raubkrieges bleibt bestehen, daß Ludwigs frühere Raubpolitikdie letzte Ursache auch dieses Krieges war, aber im Augenblick der Eröffnung trug er fürLudwig doch in gewissem Sinne einen defensiven Charakter. Natürlich schloß das bei einemglücklichen Fortgang neue Eroberungen nicht aus.

8 282. Der Krieg bis 1694. Ohne nennenswerten Widerstand be- D'° groß-setzten die Franzosen die kurkölnischen und kurpfälzischen Gebiete und FranKch"streiften bis Stuttgart, aber den erhofften Frieden mit dem Reiche erlangteLudwig nicht. Vielmehr vereinigten sich Friedrich III., der neue Kur-sürst von Brandenburg, Johann Georg III. von Sachsen, Ernst Augustvon Hannover und Karl von Hessen-Kassel im Magdeburger Konzerts O». iss 8Zur Abwehr der Franzosen. Dazu aber trat der von Ludwig gefürchteteUmschwung in England ein durch die Landung Wilhelms III. No°. wssvon Oranien und die Flucht Jakobs II. (ß 288). Unter diesen Um-ständen faßte der Kaiser, ermutigt auch durch den glücklichen Ver-ruf des Türkenkrieges (Z 306), den Entschluß, den Kampf gegen Frank-reich aufzunehmen, nunmehr also den 1684 vermiedenen (ß 280) KriegAit zwei Fronten zu führen. Der Reichskrieg wurde verkündet, der F-rr. iWsKaiser und die Generalstaaten schloffen ein Bündnis zur Wiederherstellung 12 . Mai in«,des Westfälischen und Pyrenäischen Friedens. England erklärte den Krieg, 14 . Maiweil Frankreich die Landung Jakobs II. in Irland unterstützte (8 289).

^>o war die von Wilhelm III. ersehnte große Allianz wegen Frank-reichs Übergewicht endlich zustande gekommen.

„ Inzwischen hatten die Franzosen vor den Truppen der im Magde-vurger Konzert vereinigten Reichsfürsten die im Herbst 1688 besetzten Ge-

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