Band 
Dritter Band.
Seite
500
JPEG-Download
 

500 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740). 8 282.

biete räumen müssen. Um den nachdrängenden Feinden keinen Stützpunktzu lassen, griff nun Louvois zu einem barbarischen Mittel: er befahl dieVerwüstung der Pfalz.

Unter entsetzlichen Greueltaten wurde die furchtbare Mahregel von den französischenMärz 168g Feldherren, vor allem dem General Melac ausgeführt. Wie Mordbrenner fielen die wildenScharen über die blühenden Dörfer an der Bergstraße, über die reichen Städte am Rhein,über die Ortschaften der südlichen Pfalz her und verwandelten sie in Aschenhaufen. DieRuinen des Heidelberger Schlosses sind noch jetzt stille, aber beredte Zeugen derfranzösischen Barbarei; auch ein Teil der Stadt ging in Flammen auf, nachdem die Neckar-brücke in die Luft gesprengt worden war. Rohrbach, Wiesloch, Kirchhcim, Baden, Breiten,Rastatt, Pforzheim u. a. O. wurden zerstört, Handschuchsheim, Ladenburg, Dossenheim,Schriesheim erholten sich nie wieder ganz von den Verheerungen, womit sie der „aller-christlichste" König heimsuchte; vom Haardtgebirge bis zur Nahe — Frankenthal, Alzeh,Kreuznach — rauchten Städte und Dörfer, Weinberge und Fruchtfclder; in Mannheimmußten die Einwohner selbst zerstörende Hand an die Festungswerke und Gebäude legen.Juni 168g Worms wurde mit Ausnahme der Domkirche in eine öde Brandstätte verwandelt,in Spei er verjagten die Franzosen die Bürgerschaft, zündeten die ausgeplünderte Stadtund den altehrwürdigen Dom an und trieben Hohn mit den Gebeinen der alten Kaiser.Elisabeth Charlotte (Z 27S), die sich als die Ursache der Leiden ihres Vaterlandesbetrachtete, brachte in lautem Weinen die Nächte zu und sprach ihren Schmerz in ihrendeutschen Briefen aus. — Mainz und die kölnischen Lande verheerten die Franzosen nicht,8. Sspt. 1889 weil sie sich dort zu behaupten dachten, doch wurde ihnen Mainz von dem kaiserlichenis. O». Oberfeldherrn Karl von Lothringen, Bonn von dem brandenburgischen Kurfürsten entrissen.

Feldzug 1890 Im folgenden Jahre erweiterte sich die antifranzösische Allianz zwardurch den Beitritt Spaniens undSavoyens; trotzdem aber verliefder Feldzug im ganzen zugunsten Frankreichs. Georg Friedrich von Wal-deck, der früher Minister des Großen Kurfürsten gewesen war (ß 298) undjetzt als stellvertretender Generalkapitän die niederländischen Truppen führte,

i. Juii wurde bei Fleurus von dem Marschall von Luxemburg geschlagen;io. Juu etwa gleichzeitig gewann der französische Admiral TourvillebeiDieppe

einen Sieg über die holländisch-englische Flotte, und bald darauf siegtei8. Aug. Marschall Catinat bei Stafsarda über den Herzog Viktor Ama-deus II. von Savoyen. Dazu kam es den Franzosen zustatten, daß derTürkenkrieg durch Mustafa Köprili eine für Österreich ungünstigeWendung nahm (H 307). Es war deshalb ein besonderes Glück für dieVerbündeten, daß die in Irland gelandeten Franzosen von Wilhelm III-

ii. Zu« und dem brandenburgischen Marschall Schomberg (Z 281) am Bohne-

fluß besiegt wurden und im nächsten Jahre Irland räumen mußten (Z 289).F°idzug i 69 i Von diesen irischen Erfolgen und dem über die Türken erfochtenenSiege bei Slankamen (8 307) abgesehen brachte das Jahr 1091 den Ver-bündeten keinen Gewinn. Aber auch den Franzosen brachte es nur dieEinnahme der Stadt Mons und einige Vorteile in Katalonien. An deni6.Juii i8?i geringen Erfolgen der Franzosen war nicht sowohl der Tod Louvois' schuld,als die zunehmende Zerrüttung der Finanzen (8 283). Auf der anderenSeite wurden die Verbündeten gelähmt durch die in Deutschland aus-brechenden und mehrere Jahre währenden Streitigkeiten.

Ernst August von Hannover erstrebte die Kurwürde und dachte an die Bildung einersogenannten dritten Partei; als der Kaiser ihm die Kurwürde zusagte, erregte das beianderen Fürsten Mißstimmung. Dazu kamen Zwistigkeiten zwischen dem Kaiser und Sachstnwegen der Winterquartiere der sächsischen Truppen sowie zwischen dem Kaiser und Branden-burg wegen der Rückgabe von Schwiebus (Z 302) und einer etwaigen Rangerhöhung,Zwistigkeiten, die erst 1693 und 1694 beendigt wurden.

Auch die folgenden Jahre führten keine Entscheidung herbei. Jwso Juw 1692Jahre 1692 eroberten die Franzosen Namur, das der niederländische