8 284. Zweites Kapitel: Die Seemächte (England u. d. Niederlande) von 1660 bis 1714. 503
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würde, das mußte sich bei der „großen Frage" der spanischen Erbschaftzeigen, auf die man sich schon während der Ryswyker Verhandlungen vor-bereitete.
Zweites Kapitel.
Die Seemächte (England nnd die Niederlande) von 1660
bis 1714.
Z.. England.
1. England unter Karl II. nnd Jakob II.
8 284. Die ersten Jahre der Restauration, das MinisteriumClarendon (1660—1667). Als Karl II. nach England zurückkehrte, war,wie schon gesagt (ß 240), die wichtigste Frage, ob er geneigt nnd fähigsein würde, einen Ausgleich der Gegensätze durch die Vollendung der kon-stitutionellen Monarchie herbeizuführen. Indes es zeigte sich bald, daßer als echter Emigrant im Exil nichts gelernt und nichts verlernt hatte,daß er für die ernsten Aufgaben, die seiner warteten, viel zu leichtfertigwar, und daß er in denselben politischen Anschauungen lebte wie seinVater. So ist denn England nicht zur Ruhe gekommen; in einer zweitenRevolution wurde das Stuartkönigtum zum zweiten Male beseitigt, imletzten Grunde aus den gleichen Ursachen, die seinen ersten Zusammen-bruch herbeigeführt hatten.
Karl II. hatte in der Verbannung ein sehr leichtsinniges Leben geführt und vielSchulden gemacht; seine Geliebte war damals die schöne Walliserin Lucy Walters, dieMutter Jakobs von Monmouth (Z 287). Als König setzte er sein leichtsinniges Leben fortund änderte sich auch nach seiner Vermählung mit Katharina von Portugal nicht; zügellosgab er sich seiner Verschwendungssucht und seiner Sinnenlust hin. Wie am französischen,so herrschte damals auch am englischen Hofe nicht die Königin, sondern Maitressen. Dasgalt vor allem für die schöne und geistreiche Gräfin von Castlemaine. Der König scheutesich nicht, sie seiner Gemahlin als Ehrendame aufzuzwingen. Daß er sich von einer anderenMaitresse, der Herzogin von Portsmouth, politisch beeinflussen ließ, ist bereits erwähnt worden<8 270). Neben den Maitressen unterhielt der König intime Beziehungen zu Schauspielerinnen;von einer derselben, Nelly Gwyn, hatte er zwei Söhne. Natürlich drang das leichtfertige,frivole Wesen in die höheren Gesellschaftskreise und fand hier um so leichter Verbreitung, alses gewissermaßen wie ein Protest gegen das während der nun glücklich überwundenen Republikherrschende puritanische Wesen erschien. Glich Karl II. in seinen sinnlichen NeigungenLudwig XIV., so stand er sonst tief unter ihm. Es fehlte ihm jedes Gefühl für die Ver-antwortung, die ihm sein königlicher Beruf auferlegte, er kannte keine Herrscherpflichten,sondern wollte nur unumschränkt seine Herrscherrechte ausüben, er war unempfindlich fürdie Forderungen der nationalen Ehre, hatte keine Neigung zu ernster Arbeit, sein Haupt-wunsch war, möglichst vergnügt zu leben. Die eigentliche Leitung der Geschäfte überließer zunächst dem zum Grafen von Clarendon erhobenen Eduard Hhde, der schon der Ratgeberseines Vaters gewesen war, ihn selbst in die Verbannung begleitet und sehr viel zuseiner Rückkehr beigetragen hatte, der unter anderem auch der Verfasser der Deklaration vonBreda (Z 240) gewesen war. Die Tochter des Ministers, Anna Hyde, war seit 1659 mitdes Königs Bruder Jakob von Dork vermählt.
In der inneren Politik ging des Königs Streben dahin, dievorrevolutionären Zustände nach Möglichkeit wiederherzustellen, die Machtder Krone vom Parlament möglichst unabhängig zu machen und deranglikanischen Kirche die Herrschaft zurückzugeben, jedoch unter Duldungder Katholiken. Der Minister Clarendon teilte diese katholische Neigungseines Königs nicht, war aber sonst Wohl im ganzen mit ihm einverstanden.
Karl II.1860-1685
1661
Inneres