Band 
Dritter Band.
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Z 287. Zweites Kapitel: Die Seemächte (England u. d. Niederlande) von 1660 bis 1714. 509

die ihren Glauben als den allein richtigen erklärten. Dabei machte er ihnengegenüber das Suprematsrecht geltend, das dem englischen König in deranglikanischen Kirche zustand, und verlangte kraft dieses Rechtes von der Geistlich-keit unbedingten Gehorsam. Es war zwar ein innerer Widerspruch, daßein katholischer König das tun konnte, aber nach dem geltenden Recht war ebender englische König suprsmum eaput der Kirche; daß er selbst sich vom Papstelosgesagt haben müsse, war nicht ausgesprochen. Jakob wollte nun das Supremats-recht, das einst den Abfall vom Papst bewirkt hatte (ß 77), zur Rückführung desKatholizismus benutzen. Dazu war nötig, der Staatskirche den Alleinbesitz derÄmter zu entziehen, d. h. von der Testakte nicht bloß in einzelnen Fällen zudispensieren, sondern sie zu beseitigen. Dies sollte geschehen durch Verkündigungder Gewissensfreiheit, und der König war klug genug, konsequenterweisein diese Gewissensfreiheit auch die Puritaner einzuschließen, so wenig Sympathieer an sich für sie haben mochte. So trat er mit William Penn, dem Oberhauptder Quäker (Z 236), in nahe Beziehung; beide fanden sich zusammen in demGedanken, die Alleinherrschaft der Hochkirche zu brechen, indem allen kirchlichenRichtungen Duldung gewährt würde. Das war zweifellos ein hohes, an sichdurchaus berechtigtes Ziel; das Verhängnisvolle war nur, daß es erreicht werdensollte unter Verletzung der bestehenden Rechtsordnung ohne die verfassungs-mäßig notwendige Zustimmung des Parlaments (H 285).

Jakob erließ zuerst für Schottland, dann für England kraft königlicher Tolsranz-Machtvollkommenheit eine Toleranzerklärung, worin den Katho-liken und Quäkern (Presbyterianern) unter Aufhebung aller Strafbestimmungen"p""6S7Glaubensfreiheit gewährt und der Zutritt zu allen Ämtern ohne die durch dieTestakte vorgesehene Eidesleistung (ß 285) eröffnet wurde. Der König stelltesich damit über das Gesetz, tat also den entscheidenden Schritt zum Absolutismus.

Weiterhin empfing er im Widerspruch mit dem Gesetz, das die Anwesenheit einespäpstlichen Abgesandten in England verbot, mit großem Pomp einen päpst-lichen Nuntius und verstand es, immer mehr Katholiken, Dissenters und 3»» 1 W 7Anhänger der Jndulgenz in einflußreiche Stellen, auch bei den Stadt-verwaltungen, zu bringen unter Absetzung streng gesinnter Anglikaner. Dadurchhoffte er auch die Wahlen zu einem neuen Unterhaus in seinem Sinne beein-flussen zu können, während er das Oberhaus durch Ernennung neuer Mitglieder,durch einen sogenannten Peerschub, gefügig machen wollte. Im Notfalldachte er daran, das katholische Irland gegen das widerspenstige Englandaufzubieten; die Vorbereitungen dazu sollte sein Vertrauter Richard Talbot,

Herzog von Tyrconnel, den er zum Statthalter Irlands ernannt hatte, treffen.

Ehe all diese Pläne reifen konnten, brach der offene Konflikt aus.

Auf Betreiben des Jesuiten Petre, der im geheimen Rat des Königs sehr ein- Konsimflußreich war, erging der Befehl, die Jndulgenzerklärung in allen KirchenZu verlesen; da beschlossen die anglikanischen Bischöfe, sich dem nicht zu fügen 4. Mai wWund den König durch eine Adresse um Rücknahme des Gebotes zu bitten. DerKönig wies die sieben Bischöfe, die diese Adresse überreichten, sehr ungnädig ab; 20 . Maitrotzdem unterblieb aber die Verlesung der Jndulgenz, oder dieGemeinde verließ, wo sie versucht wurde, die Kirche. Aufs höchste erbittert be-fahl der König, gegen die sieben Bischöfe Änklage zu erheben und ließ sie vorläufigw den Tower abführen. Auf dem Wege dorthin erwies ihnen das Volk die e. Juni isseTvößte Verehrung und erflehte knieend ihren Segen; ihre Freisprechung wurdedann wie ein Siegesfest mit allgemeinem Jubel und Glockengeläut gefeiert. M.Juniisse

Das alles zeigte, wie gering in Wahrheit die Erfolge des Königsbisher gewesen waren; daß aber die oppositionelle Stimmung jetzt stärker f°>g-rshervortrat, hing auch mit der soeben erfolgten Geburt eines Thron- ia. Zu», i«Wfvlgers zusammen. Da der König nur zwei, protestantisch erzogene,

Tochter erster Ehe hatte, von denen die ältere, Maria, an Wilhelm III.