510 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus ( 1660 — 1740 ). 8 288 .
von Oranien vermählt war (Stammbaum 3), so hatte man damit ge-rechnet, daß sein Regierungssystem mit seinem Tode von selbst verschwindenwerde; diese Hoffnung war nun zerstört, und das gab das Signal zurRevolution.
2. Die Vollendung der parlamentarischen Monarchie.
^Eu»pas° § 288. Die „glorreiche" Revolution. Der Ausbruch und der Ersolgder neuen Revolution wurden aber nicht bloß durch die inneren Vor-gänge in England bestimmt, sondern auch durch die GesamtlageEuropas. Wir wissen, daß sich damals eine große Koalition gegendas erdrückende Übergewicht Frankreichs bildete (8 281); nach seinerGeschichte hätte England hierbei auf Seite der Verbündeten stehenmüssen. Das englische Volk war denn auch mit der franzosenfreundlichenPolitik seines Königs ebensowenig zufrieden, wie mit seiner kirchlichenHaltung; andererseits lag es auch im Interesse der europäischen FeindeFrankreichs, England auf ihre Seite zu ziehen. Das aber war möglich,wenn Wilhelm III. von Oranien oder seine Gemahlin, die bisher diemeiste Aussicht auf die Nachfolge in England gehabt hatte, den englischenThron besteigen würden. So berührten sich die Interessen der anti-französischen Koalition mit den Wünschen, die jetzt in Englandlauter als je erhoben wurden.
WUhslmiii. Wilhelm III. war anfangs aus monarchischem Interesse ein Anhänger der Stuartsvon ran en^^m und stand als Calvinist zunächst in einem gewissen Gegensatze zur Hochkirche.
Schon seit längerer Zeit aber war eine Verbindung mit den Whigs angeknüpft worden.Dabei ließ sich Wilhelm von dem Gedanken leiten, daß für den Kampf gegen das katholischeFrankreich, den er für seine Lebensaufgabe hielt, ein Umschwung in England unbedingtnötig sei. Zur Überwindung der einer Verbindung mit den Whigs entgegenstehendenBurnst Schwierigkeiten aber hatte besonders Gilbert Burnet mitgewirkt. Dieser war, wie seine1643-1115 herhalte Geschichte der englischen Reformation beweist, ein entschiedener Gegner desKatholizismus, vertrat aber sonst die Ansicht der Latitudinarier (Weitherzigen), erstrebtealso einen Ausgleich zwischen Hochkirche und Presbyterianismus. Ünter Jakob II. war erwegen seiner antipäpstlichen Gesinnung nach Holland entwichen; hier gewann er das Ver-trauen Wilhelms III. und überzeugte ihn, daß die parlamentarische Monarchie und dieanglikanische Kirche für England eine historische Notwendigkeit seien, daß aber dabei derCalvinismus geduldet werden könne. So hatte sich Wilhelm schon 1687 öffentlich gegendie von Jakob II. beliebte Anwendung des Dispensationsrechtes, für Aufrechterhaltung derTestakte und für Duldung der Dissenters, aber gegen Duldung der Katholiken ausgesprochen.Ein persönliches Bedenken Wilhelms III., daß er etwa als „Prinzgemahl" in eine ihmpeinliche Stellung kommen würde, beseitigte seine Gemahlin selbst durch den Hinweis aufdie Schriftworte: „Frauen, gehorchet euren Männern in allen Dingen."
s>mdung Drei Wochen nach der Geburt des Prinzen von Wales, den manh°lms in. mit Unrecht für untergeschoben erklärte, erging von einer Reihe englischeris8s Lords die Einladung an Wilhelm III., noch im Lause des Jahres mitHeeresmacht nach England zu kommen: dann werde sich die Nation fürihn erheben. Wilhelm III. war auch entschlossen, dem Rufe zu folgen-Die dem Unternehmen zunächst nicht sehr geneigten Generalstaaten wurdendafür gewonnen durch die Besorgnisse, die Ludwigs XIV. kölnische PläneWeckten lH 281), und durch den Hinweis auf dessen Einvernehmen mitJakob II.; sie förderten es eifriger, als der Einmarsch der französischenS-pt. i6S8 Truppen in die Pfalz (§ 281) sie von der Sorge vor einem unmittelbarenAngriff Frankreichs auf die Niederlande befreite. Dazu erhielt WilhelmHilfsmannschaften von Brandenburg unter Führung des MarschallsSchomberg (ß 278) und nahm auch sonst deutsche Krieger und flüchtige