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Dritter Band.
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530 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740). Z 299.

erfolgreichen Fortgang. Die unter der Herrschaft des Kurfürsten vereinigtenLande standen noch ohne inneres Band nebeneinander: jedes bildete einen Staatfür sich, hatte seine eigenen Stände, die durchaus partikularistisch gesinnt waren.Es galt ihnen gegenüber die landesherrliche Macht zu heben, eineneinheitlichen monarchistischen Staat zu bilden und allmählich ein gemein-brandenburgisches Staatsbewußtsein großzuziehen. Es galt ein staat-liches Beamtentum zu schaffen, die Finanzen auf sichere Grundlage zustellen und ein leistungsfähiges Heer einzurichten. In alledem vertrat derKurfürst das Wohl des Gesamtstaates, die ihm widerstrebenden Stände eng-herzige landschaftliche oder ständische Sonderinteresseu. Den Bauern gegenüberhat er die Adelsrechte zwar nicht eingeschränkt, sondern bestätigt; trotzdem aberhatte er nicht Unrecht, wenn er erklärte, daß er für „Gott und das Volk" kämpfe;eben deshalb glaubte er sich auch berechtigt, im Dienste des Ganzen das be-stehende Recht zu verletzen.

O. v.'Schws- Unter den Männern, die ihm zur Seite standen, ist an erster Stelle der Freiherr"gest.^i'sm^lto von Schwerin zu nennen, der 1658 Präsident des Geheimen Rates wurde (Waldeckwar mit dem Vertrage von Wehlau nicht einverstanden gewesen und deshalb in schwedischeDienste getreten, Z 310). Auf militärischem und politischem Gebiete war tätig der Erb-I-G.v. An- Prinz (1660 Fürst) Johann Georg II. von Anhalt-Dessau. Um die Entwicklunggeb. iW?" der Artillerie und des Geniewesens erwarb sich der Generalseldmarschall Otto Christophgest. 1893 von Sparr große Verdienste, um die Schulung der Reiterei Georg von Derfflinger.-b^issg ^^ser war als Sohn eines armen protestantischen Bauern in Oberösterreich geboren; seinegsst. 1868 Jugendschicksale sind unbekannt, Schneidergeselle aber, wie oft erzählt wird, ist er nicht ge-Dsrfslinner Wesen. Er ist in schwedischen Diensten während des Dreißigjährigen Krieges bis zum General-gsst lass urajor aufgestiegen, ließ sich etwa 1646 bei Küstrin nieder, wo er durch seine Vermählungein Landgut besaß, und trat 1655 als Generalwachtmeister in brandenburgische Dienste,wurde 1670 Generalfeldmarschall und ist 1674 vom Kaiser in den Reichsfreiherrnstanderhoben worden.

Kamps mit Überall, in Kleve, in den Marken, in Magdeburg, hatte der Kurfürst mit denden Stau s» Standen zu ringen, am erbittertsten war der Kampf in Preußen. Hier wollten dieStünde unter Führung des Generalleutnants Albrecht von Kalkstein und des Königs-berger Schöppenmeisters Hieronymus Roth die neue Souveränität nicht anerkennen; siehofften dabei auf polnische Hilfe. Um den Widerstand zu brechen, kam der Kurfürst selbst1662 mit Truppen nach Königsberg, ließ Roth verhaften und nach der Festung Peitz bringen,wo er bis zu seinem Tode (1678) verblieb. Im nächsten Jahre huldigten dann die Stände,aber die Streitigkeiten gingen noch viele Jahre fort. Da der Verdacht hochverräterischerVerbindungen mit Polen bestand, ließ der Kurfürst den nach Polen entflohenen ChristianLudwig Von Kalkstein, den Sohn Albrechts, in Warschau durch den brandenburgische«1670 Residenten von Brand wider alles Völkerrecht festnehmen und über die preußische Grenze1672 schaffen; hier wurde er gefoltert, zum Tode verurteilt und schließlich hingerichtet.

Heer Die während des schwedisch-polnischen Krieges geworbenen Truppen, zuderen Erhaltung ziemlich gewaltsam Kontributionen erhoben worden waren, ent-ließ der Kurfürst zum größten Teil auf Verlangen der Stände, aber er erreichtedoch von den Ständen Bewilligungen, durch die ein zunächst kleines stehendesHeer (inilss psrxstnus) gehalten werden konnte. Dieses Heer brachte er all-Mzis- mählich auf 30 000 Mann. — Als wichtigste Steuer zur Erhaltung des Heeresdiente bisher die Kontribution, eine direkte, hauptsächlich auf dem Grund undBoden ruhende Steuer. Der Kurfürst wollte sie nach holländischem Musterdurch eine indirekte Steuer (eine Verbrauchssteuer auf Lebensmittel), die so-genannte Akzise, ersetzen; doch erhob sich dagegen lebhafter Widerstand, so daßfür das stäche Land die Kontribution beibehalten wurde. Den Städten wurdedie Erhebung der Akzise an deren Stelle freigestellt; sie erkannten bald dieVorteile der Neuerung, die sie nun als „Eingebung Gottes" bezeichneten,und führten sie seit 1667 allmählich ein. Die Steuer wurde weniger drückendempfunden, als die Kontribution, und machte den Kurfürsten unabhängiger vonständischer Bewilligung. Bei den Domänen wurde allmählich das Verpachtungs-system an Stelle der Eigenwirtschaft durchgeführt. Die Gesamteinnahmen stiege"