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Dritter Band.
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572 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660-1740). 8 326.

den Verbündeten der Großen Allianz sehr unerwünscht gewesen, weil dannPreußen und Hannover in den Nordischen Krieg verwickelt und also vomSpanischen Erbfolgekrieg abgezogen worden wären. Es war deshalb einGewinn für sie, daß die Alliierten des Nordischen Krieges geneigt waren,das Deutsche Reich und also auch die schwedischen Besitzungen in Deutsch-März I710 land für neutral zu erklären; im sogenannten Haager Konzert ver-kündeten die Seemächte und der Kaiser diese Neutralität (Z 319); Karl XII.nahm jedoch diese Erklärung nicht an, weil sich die Hoffnungen, die eraus die Türkei setzte, zu erfüllen schienen.

Di->Mrk°i Es gelang seinem Bevollmächtigten in Konstantinopel, dem gewandten-and Polen Poniatowski, die Einsetzung eines kriegslustigen Großwesirs undNov. i7ia die Kriegserklärung gegen Rußland zu erwirken. Infolgedessen mußte derZar seine Unternehmungen in den baltischen Provinzen einschränken undführte ein Heer nach der Moldau; er verließ sich dabei in ähnlicherWeise aus die Verheißungen des Hospodars (Fürsten) Demetrius Kantemirwie Karl auf die Mazeppas und wurde wie dieser getäuscht. Durch das indie Moldau einrückende türkische Heer kam das russische am Pruth in eineso mißliche Lage, daß es in türkische Gefangenschaft geraten wäre, hätte12. Juli 1711 sich nicht der Großwesir zum Abschluß des Friedens von Husch be-stimmen lassen. Peter versprach Asow zurückzugeben, die Festungs-werke von Taganrog zu schleifen, sich in Polen nicht einzumischen und demSchwedenkönig den Durchzug durch seine Staaten zu gestatten; dafür er-langte er den freien Abzug seines Heeres. Der Großwesir hat sich beidiesem Friedensschluß Wohl sicher bestechen lassen; ob aber, wie gewöhnlicherzählt wird, diese Bestechung von Peters Gemahlin Katharina ausgegangenist, muß dahingestellt bleiben. Karl XII. war wütend; auch der Sultan warunzufrieden und entließ den Großwesir; indes zu einer tatkräftigen Wieder-aufnahme des Krieges kam es trotz zweimaliger Kriegserklärung nicht,März 1713 und im Jahre 1713 wurde zu Adrianopel der endgültige Friede geschlossen.

Seit dem Abkommen von Husch hatte Karls Aufenthalt in der Türkeikeinen Sinn mehr; trotzdem blieb er selbst dann noch, als ihm die Pforte dieGastfreundschaft kündigte. Er ließ sich das Reisegeld zahlen und bliebdennoch; da sandte die Pforte schließlich Truppen gegen ihn. Diese er-8. Febr. 1711 stürmten sein Lager bei Bender, steckten sein Haus, in dem er sich tapferverteidigte, in Brand und nahmen ihn bei einem wütenden Ausfalle ge-fangen. Aber noch mehrere Monate verharrte er in türkischer Gefangen-schaft: sein Eigensinn bewirkte, daß man anfing, ihn für geistesverwirrtzu halten. Erst als er hörte, daß auch die deutschen Besitzungen bis ausStralsund und Wismar in den Händen der Feinde seien und die Schwedenmit dem Gedanken umgingen, einen Reichsverweser zu ernennen, verließer nach fünfjährigem Aufenthalt die Türkei und langte nach einer vierzehn-tägigen, ohne alle Unterbrechung meist zu Pferde fortgesetzten Reise durch27. Nov. i7ii Ungarn und Deutschland plötzlich vor den Toren Stralsunds an.

§ 326. Karls XII. Ende. Unter großen Anstrengungen, aber mitDi-Las-,'"'geringem Erfolge, hatten indessen die Schweden ihren Feinden Widerstandgeleistet. Nach Beseitigung der von den Türken drohenden Gefahr drangendie Russen in Finnland weiter vor; eine russische Flotte gewann1711 bei Hangöudd den ersten Seesieg, den die russische Geschichte zu verzeichnenhat, und ein russisches Landheer schlug die Schweden Lei Storkyra un-weit Abo. Besser behaupteten sich die Schweden gegen Dänemark: