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Dritter Band.
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8 326. Sechstes Kapitel: Nord. Krieg. Sturz Schwedens u. Aufsteigen Rußlands. 57 Z

Stenbock siegte Lei Gadebusch über ein weit stärkeres dänisches Heer, 20. D°z. 1712eroberte und verbrannte Altona, geriet aber dann bei Tönning in Kriegs- insgefangenschaft. Nun aber mehrte sich die Zahl der Feinde. Die im HaagerKonzert sür die deutschen Besitzungen Schwedens verkündete Neutralitätkam nicht zur Geltung; vielmehr erschienen die Russen vor Stralsund undStettin, während die Dänen das schwedische (Erzbistum) Bremen besetzten.

Diese Vorgänge berührten preußische und hannöversche Interessen. Deshalbbemächtigte sich Hannover des ehemaligen Bistums Werden und tratdamit in den Kampf gegen Schweden ein. Der neue PreußenkönigFriedrich Wilhelm I. aber, der infolge des Utrechter Friedens freieHand sür den Nordischen Krieg bekam (8 320), schloß zunächst, als sichStettin den Russen ergab, mit General Menschikow den Vertrag von v«. i?isSchwebt, wonach die Stadt gegen Erstattung der Belagerungskosten vor-läufig an Preußen übergeben wurde. Er war damals noch bereit, aufSchwedens Seite zu treten, wenn Karl XII. ihm Vorpommern bis zur Peeneüberlassen würde. Als der Schwedenkönig diesen auch von Frankreich unter-stützten Vorschlag ablehnte und nach seiner Rückkehr gegen Preußen auftrat,schloß sich Friedrich Wilhelm den Feinden Schwedens an. Ungünstig fürSchweden war endlich auch der Thronwechsel in England (8 341); Kur-fürst Georg von Hannover konnte als englischer König weit energischerfür eine Vergrößerung seines Stammlandes wirken und sicherte diesemin einem Vertrage mit Rußland und Preußen die Erwerbung von Bremen No». 1?«und Verben.

Unter so ungünstigen Verhältnissen erschien Karl XII. in Stralsundund nahm den Kampf wieder selbst,auf. Trotz der größten Anstrengungenvermochte er sich aber der gewaltigen Übermacht gegenüber nicht zu behaupten.

Nachdem die Preußen unter Leopold von Dessau Rügen erobert hatten, N°». 171smußte Karl Stralsund aufgeben und nach Schweden übersetzen. 22. D°z. insAnfang des nächsten Jahres unternahm er einen erfolglosen Angriff aufNorwegen, und bald darauf ging Wismar, die letzte schwedische Besitzung Apru nwauf deutschem Boden, verloren.

Noch immer aber wollte der starrsinnige König von einem Friedennichts hören, und in der Tat schien die Gewandtheit seines MinistersGeorg Heinrich von Görtz, der aus holsteinischen in schwedische Dienstegetreten war, dem Lande einige Erleichterung bringen zu können. Bedenklichallerdings war das Mittel, mit dem Görtz der Finanznot abzuhelfen suchte,indem er den König veranlaßte, geringhaltiges Geld (Nottaler) prägenzu lassen und zum vollen Nennwert auszugeben; es war ein Verfahrenähnlich dem von Law in Frankreich geübten (8 334). Richtig dagegenwar das Streben des Ministers, mit den feindlichen Mächten zuS 0 nder -Verträgen zu gelangen. Die Möglichkeit dazu ergab sich aus dem Miß-trauen, das unter den Verbündeten herrschte, vor allem aus der Besorg- »Endet-,,vis, mit der die übrigen aus die wachsende Macht Rußlands blickten.

Peter schien in Mecklenburg, dessen Herzog Karl Leopold mit seinen Ständenin Konflikt lag und sich mit des Zaren Nichte Katharina Jwanowna ver-wählte (8 331), festen Fuß fassen zu wollen und sandte außerdem starkeTruppenmassen nach Seeland, um von dort mit den Dänen einen ZugriffMf Schonen zu unternehmen; auch seine zweite Europareise (8 346) schienauf weitergehende Pläne hinzudeuten. Der argwöhnische Dänenkömg nötigtewn Zaren, seine Truppen aus Seeland zurückzuziehen; dieser sandte sie