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Zweites Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740).
8 327.
Karls XII.Angriff aufNorwegen
nach Mecklenburg (Z 331), worin wieder Georg von England eine Be-drohung seiner Ansprüche auf Brernen-Verden erblickte. An die aus alledementspringenden Verstimmungen knüpfte Görtz an. Er suchte den Zarenzu einem Separatfrieden zu bewegen und leitete zugleich mit dem spanischenMinister Alberoni ein Komplott zur Rückführung der Stuarts aus denenglischen Thron ein (§ 341).
Allein noch ehe die Verhandlungen mit Peter zu Ende geführt waren,brach Karl XII., der nur Krieger, nicht Staatsmann, nur Soldat, nichtFeldherr war, und den die innere Unruhe rastlos vorwärts trieb, abermalsE mit zwei Heeresabteilungen in Norwegen ein. Die kleinere unter Armfeldrichtete ihre Angriffe auf Drontheim, mußte jedoch bei eintretender Kälte8»». ins unterrichteter Sache abziehen und erlag auf dem Rückzug über die menschen-leeren, mit Schnee und Eis bedeckten Berge dem Froste und dem Hunger.Schon vorher hatte der König, der das zweite Heer gegen Christiania führenwollte, den Tod gefunden. Mitten im Winter belagerte er die den Wegnach Christiania sperrende Grenzfestung Friedrichstein bei Frie brichs-hall; als er hier bei nächtlicher Weile an eine Brustwehr gelehnt denn. D°z. i?i8 Arbitern in den Laufgräben zusah, ward er getötet.
Nach der Überlieferung soll der König durch Meuchelmord gefallen sein, und zwarsoll dieser Mord veranlagt worden sein durch den über die Militärdcspotie Karls erbittertenschwedischen Adel. Neuere Forschungen haben aber ergeben, daß diese Annahme unrichtigist; der König ist durch eine aus der Festung abgeschossene Geschützkugel in die linke Schläfegetroffen und im Beisein seiner Offiziere sofort tot zusammengebrochen.
8 327. Verfassungsänderung in Schweden und Friedensschlüsse.
Die nächste Folge des Todes Karls XII. war eine Verfassungs-änderung, durch die der schwedische Adel die ihm durch Karl XI. (§ 313)entrissenen Rechte wiedergewann.
Da Karl XII. kinderlos war, hatte der Herzog Karl Friedrich von Holstein-Gottorp, der Sohn der älteren Schwester Karls (Stammbaum 6), das meisteAnrecht auf den Thron; indes er wagte nicht, sich sofort als König ausrufenzu lassen. So stellte denn der nach Stockholm berufene Reichstag die Wahl-monarchie wieder her und wählte unter Umgehung des meistberechtigten ErbenKarls XII. jüngere Schwester Ulrike Eleonore und nach deren Verzicht-leistung ihren Gemahl, den Erbprinzen (1730 Landgrafen) Friedrich vonFriedrich «.Hessen-Kassel, zum König. Eben weil das Königspaar minderberechtigtHesisn-Kassei lvar, mußte es sich auch noch weitere Beschränkungen der Königsmacht durch dieE^jchmng eines aristokratischen Reichsrats gefallen lassen.
Reichsrat Als ständiger Ausschuß der Reichsstände, denen die oberste Machtvollkommen-heit und Staatshoheit (Souveränität) beigelegt wurde, sollte der Reichsrat nurdiesen verantwortlich sein. Dies hatte zur Folge, daß nach und nach alleRegierungsgewalt in die Hände des nach Stimmenmehrheit entscheidendenReichsrats kam und die Königswürde zu einer machtlosen Ehre herabsank.Schwedens Verfassung wurde eine drückende Oligarchie; der Reichsrat, in demder König nur zwei Stimmen hatte, entschied über alle Regierungsangelegenheitenund besetzte die obersten Stellen im Heer, in der Justiz und in der Verwaltung.— Als erstes Opfer der zur Macht gelangten Adelspartei fiel Karls verhaßterRatgeber Görtz. Ohne der ihm vorgeworfenen Staatsverbrechen überführt zusein, ward er durch ein höchst parteiisches Gerichtsverfahren zum Tode verurteiltm.Märzins und grausam hingerichtet.
Friedens- Berechtigter war trotz der unvermeidlichen Zugeständnisse das Strebender neuen Regierung, dem erschöpften Lande den Frieden zu verschaffen-
N°v. ine Noch im Jahre 1719 erfolgte der Friedensschluß mitHannover-Eng-
Aristokrati-sche Ver-fassungs-änderung
UlrUsEleonore1719—17M-s 1741