580 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740). 8 832.
anerkannte. Den „Dank vom Hause Österreich" erfuhr Preußen, indemder Kaiser von nun an immer deutlicher zu erkennen gab, daß er Preußennur einen kleinen Teil von Berg (ohne Düsseldorf) zugestehen wollte.
IMich-Bsrg Die preußischen Ansprüche auf Julich-Berg ruhten auf einem Erbvertrage, der 1666bei der endgültigen Teilung der Jülich-Klevischen Erbschaft (Z 300) zwischen Brandenburgund Pfalz-Neuburg geschlossen war. Sie mußten praktisch werden beim Tode des KurfürstenKarl Philipp (s- 1742); dieser aber wollte dem Vertrage zuwider all seine Lande an Pfalz-Sulzbach vererben (Stammbaum 10 a). — Hineinspielten in die erörterten Verhandlungen auchMecklenburg die Wirren in Mecklenburg-Schwerin. Herzog Karl Leopold war mit seinen Ständen in1 US Streitigkeiten geraten und suchte nach seiner Vermählung mit Katharina Jwanowna Rückhaltan Rußland. Peter der Große legte Truppen nach Mecklenburg (Z 326); da übertrug derKaiser auf Antrag der mecklenburgischen Stünde die Exekution gegen den Herzog an Hannoverins (England) und Braunschweig-Wolfenbüttel. Die Russen zogen ab, der Herzog wurde vertriebenund das Land von hannöverschen Kommissaren verwaltet. Georg von Hannover-Englandschien es erwerben zu wollen; da erhob Preußen Widerspruch, und so wurde durch denKaiser des Herzogs Bruder Christian Ludwig (Stammbaum 15) als Administrator eingesetzt.1728 Da auch jetzt noch hannöversche Truppen im Lande blieben und der vertriebene Herzog sichder Herrschaft wieder bemächtigen wollte, rückten 1733 preußische Truppen ein, bewirktenden Abzug der Hannoveraner und sicherten Christian Ludwig die Verwaltung, die dieser7717 nun bis zum Tode Karl Leopolds führte.
KsmNwahl 8 332. Der polnische Thronfolgekrieg und der Wiener Friede(1733—1735). Den nächsten Anlaß zu neuen Konflikten gab der Todi. F-br. 17ZS Friedrich Augusts II. von Sachsen -Polen. Die Mehrheit des Adelsschwur, nur einen Einheimischen wählen zu wollen, und erhob unter demi8.Sspt.i7W Einfluß Frankreichs den einst von Karl XII. eingesetzten StanislausLeszczynski (8 322), der inzwischen Schwiegervater des französischenKönigs geworden war (8 335). Eine solche Verstärkung des französischenEinflusses suchten Rußland und Österreich zu hindern und begünstigtendeshalb Friedrich Augusts gleichnamigen Sohn, als dieser dem Kaiser dieAnerkennung der Pragmatischen Sanktion, der Zarin Anna die Belehnungihres Günstlings Biron mit Kurland (Z 249) zusicherte. Unter dem Druckeeines in Polen einrückenden russischen Heeres wurde Friedrich August III-s. Oit. i73s von einer neuen Wahlversammlung als König ausgerufen. Stanislausfloh von Warschau nach Danzig; da ihm aber hier nur einige wenigefranzösische Schiffe zu Hilfe kamen, vermochte er sich gegen die Russen1737 nicht zu behaupten, entwich in Bauerntracht nach Königsberg und gingdann nach Frankreich.
ErUMrieg Hier hatte Kardinal Fleury (8 335) die alte antihabsburgische Politik17SS-173S nicht so sehr Leszczhnskis wegen wieder aufgenommen, als aus Besorgnis,daß infolge der geplanten Ehe zwischen Maria Theresia und FranzStephan von Lothringen dieses seit langem erstrebte Grenzland Frankreichentgehen könnte. Deshalb erklärte er den Krieg an Österreich und schloßein Bündnis mit Savoyen und Spanien, indem er beiden Gewinne inAussicht stellte. Damit begann der sogenannte polnische Erbfolge-krieg, in dem es sich in erster Linie gar nicht um Polen handelte; erführte zu einer schweren Niederlage des Kaisers.
I73S Auf dem deutschen Kriegsschauplatz besetzten die Franzosen Lothringen und Kehl178t und eroberten auch Philippsburg, das Prinz Eugen wegen der schlechten Beschaffenheit seinerTruppen nicht decken konnte; in Oberitalien mußten die Kaiserlichen vor den Franzose"und Piemontesen die Lombardei bis auf Mantua räumen, und in Süditalien eroberten dw1735 Spanier Neapel und Sizilien. Das Erscheinen eines russischen Heeres am Rhein war ewBeweis, daß Rußland europäische Großmacht geworden war, änderte aber an der militärischenLage nichts.