8 333. SiebentesKapitel: Europa unter d. Herrsch, d. Gleichgewichtspolitik (1718—1740). 581
Inzwischen führten nämlich die geheimen Verhandlungen zwischen »ri°ds,vonFrankreich und Österreich zum Abschluß des Präliminarfriedens vn. 1735von Wien unter folgenden Bedingungen.
August III. wurde als König von Polen anerkannt, der Kaiser trat Neapel-sizilien anDonCarlos als spanische Sekundogenitur (d. h. es durfte nie mit Spanienbereinigt werden) und einige Grenzgebiete an Sardinien ab. Dafür erhielt er Parma-Piacenza und die Anerkennung der Pragmatischen Sanktion; ferner sollte der fürMaria Theresia in Aussicht genommene Gemahl Franz Stephan von Lothringen (dieVermahlung fand am 12. Februar 1736 statt) nach dem Aussterben der Mediceer Toskanaerhalten. Lothringen sollte er dann an Stanislaus Leszczynski überlassen mit derBestimmung, daß es bei dessen Tode an Frankreich falle. Wohl oder übel mußten Spanienund Sardinien zustimmen; endgültig wurde der Friede erst nach dem Tode des letzten Me- ns?oiceers (Z 339) in dem Wiener Vertrage von 1738.
Der Wiener Friede ist so recht bezeichnend für die damalige Politik,die vom grünen Tisch aus die Länder und Völker nach dem Gleichgewichtverteilte. Er war ein großer Triumph Frankreichs, das einmalwieder fast wie zur Zeit Ludwigs XIV. (ß 273) durch geheime Verständigungdie Kriedensbedingungen diktierte und außerdem das so lange ersehntedeutsche Grenzland Lothringen erlangte. Wieder gab der Kaiser das deutscheInteresse preis, um seinem Hause italienische Gebiete zu retten.
8 333. Der österreichisch-russische Türkenkrieg (1736-1739). Seit HUnd ».dem Ende des Nordischen Krieges waren Rußland und die Türkei von den s°g-n r>,-. persischen Angelegenheiten stark in Anspruch genommen worden (Z 346,428);während des polnischen Erbfolgekrieges hatte die französische Diplomatievergebens versucht, die Türkei zu einem Kriege gegen Rußland aufzureizen,um dieses vom Rheine fernzuhalten. Jetzt nahm nun Rußland dieauf das Schwarze Meer gerichtete Politik Peters des Großen (H 316)
Wieder auf, indem es selbst den Krieg gegen die soeben mit einemKriege gegen Persien (Z 428) beschäftigte Türkei begann. Die Russen 173 sUahmen Asow und öffneten sich durch die Eroberung von Perekop denZugang zur Halbinsel Krim. Österreich stand noch in Bündnis mitRußland und erklärte den Krieg, da man die Gelegenheit für günstig 1737Welt, das Vermächtnis des gerade damals (1736) gestorbenen Prinzen^hgen zu vollenden. Während nun aber die Russen auch ferner erfolg-reich kämpften, verlief der Feldzug für Österreich ungünstig; jene hattenju Münnich einen tüchtigen Feldherrn, diesem fehlte der Prinz Eugen.
Russen nahmen Otschakow am Schwarzen Meere und drangenandererseits nach der Moldau vor; hier siegten sie bei Stawutschane underoberten Choczim und Jassy. Die Österreicher nahmen zwar Nisch undbewirkten eine Erhebung der Serben und Albanesen; indes der Großwesir 1737warf den Aufstand nieder und zwang die Österreicher, über die Donau i 7 ss^wüchzugehen. Als dann der österreichische Feldmarschall Wallis bei 173 g^voczka(unweit Belgrad) geschlagen wurde, beschloß man in Wien, den^ampf auszugeben. In dem unter französischer Vermittlung geschlossenenFrieden von Belgrad trat Österreich Serbien und die kleine Walachei, i 8 .S-pt. 173 gle Eroberungen von Passarowitz (§ 329). wieder an die Türkei ab; Ruß-^vd, das nun ebenfalls unter französischer Vermittlung Frieden schloß, 2 s. D-z. 1739äßte sich trotz feiner Siege mit der Erwerbung von Asow begnügen.
0 , ^m schmerzlichsten war das Ergebnis für Österreich, das damit den»aßen Gedanken der Befreiung der christlichen Südslawen aufgab: die in"grad festgesetzte Grenze blieb bis 1878 unverändert. Rußland hatte
1733
17SS