5L2 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660-1740). Z 334.
zwar keinen nennenswerten Territorialgewinn davongetragen, trat aber dochfür die Hoffnungen der Südslawen allmählich an die Stelle Österreichs.In Konstantinopel überwog damals der Einfluß Frankreichs, das znmLohn für seine Dienste neue Handelsvorteile und eine Bestätigung seines„Protektorats" über die orientalischen Christen (Z 250) erlangte. Aberauch sonst hatte die kluge Vermittlungspolitik Fleurhs Frankreichs An-sehen, das schon im Wiener Frieden gestiegen war, von neuem gehoben.
L. Die Linzelslaaten.
1. Frankreich.
Tod-sud'- § 334. Ludwigs XIV. Tod. Die Regentschaft Philipps vonwigs xiv. Orleans. Bald nach dem Ende des Spanischen Erbsolgekrieges starbi.Sept.insLudwig XIV., nachdem er 72 Jahre französischer König gewesen warund 54 Jahre selbst regiert hatte. Ein inhaltreiches Leben war ab-geschlossen : Ludwig hatte der Zeit den Stempel seines Geistes aufgedrückt,und doch hatte er sich selbst überlebt. Er hatte Frankreich zur ersten MachtEuropas erhoben und dann erleben müssen, daß es von dieser Höhe tiefherabsank, und daß seine alten Feinde, Österreich und vor allem England,machtvoll emporstiegen. Schlimmer noch war der Ruin im Innern. Diewirtschaftliche Blüte, die Ludwig im Verein mit Colbert geschaffen hatte,war dahin; das geistige Leben, dessen Mittelpunkt einst der König gewesenwar, war geknickt oder schlug dem Königtum feindliche Bahnen ein. Eswaren eben die Lichtseiten des werdenden Absolutismus entschwunden undnur die Schattenseiten des alternden geblieben (Z 264). So begrüßte dasfranzösische Volk den Tod seines größten Königs mit Äußerungen derFreude und beschimpfte sogar den Leichenzug.
Eine ungeheure Schuldenlast drückte das Land, die Kräfte des Volkes wurden über Ge-bühr durch hohe, ungleich und ungerecht verteilte Steuern in Anspruch genommen, Adelstitel,Ämter und Würden wurden verkauft, der Wohlstand war verschwunden, die Seeherrschaft be-fand sich in den Händen der Engländer, die Kriegslasten und die Verfolgung der Hugenottenhatten die wirtschaftliche Tätigkeit gelähmt, ganze Provinzen waren entvölkert, allenthalbenherrschten Hunger und Krankheit. „Wir bestehen nur noch wie ein Wunder," sagte Fenelon,„der Staat ist eine alt gewordene, ruinierte Maschine, die unter dem früheren Anstoß fort-kriecht, um unter dem ersten Schlage zusammenzubrechen." Seit der Jesuitismus über dieHugenotten und den Jansemsmus gesiegt hatte und eine bigotte Frömmigkeit Mode gewordenWar, lag ein Druck auch auf dem geistigen Leben, und wo es sich in der Aufklärung wiederregte, suchte es nun neue Mittelpunkte und wandte sich gegen den König. Das sittlicheLeben der oberen Stände aber war durch das vom Hofe gegebene Beispiel verdorben.
Zu dem öffentlichen Unglück kam nun für den König noch das Un-glück in seiner Familie: auch hier überlebte er sich gewissermaßen selbst-In den Tagen, wo er sich vor seinen Feinden demütigen mußte, sah eris.Apriliuiin schneller Folge ins Grab sinken seinen Sohn Ludwig, seinen Enkeli8.F°br.iu2 Ludwig, Herzog von Burgund, auf den man die größten Hoffnungen ge°18.MLrzi7i2 setzt hatte, seinen Urenkel, den Herzog von Bretagne, und seinen drittent. Mai 1714 Enkel Karl, Herzog von Berry. So ging denn die Krone über auf seinenLudwig xv. jüngsten Urenkel Ludwig XV. Da dieser erst fünf Jahre alt war, sogeb!is.F°?r. übernahm Philipp von Orleans, Ludwigs XIV. Brudersohn, dieiv?M°?i 774 Regentschaft. Die Verfügung Ludwigs XIV., wonach Philipp nurder Vorsitzende eines Regentschaftsrates sein sollte, zu dessen MitgliedernLudwig auch seine natürlichen Söhne bestimmt hatte, wurde unter Zu-stimmung des Parlaments beseitigt.