594 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740). H 346.
Vorteil aus. Friedrich I., träge und wollüstig, besaß nicht die Energie, da-gegen anzukämpfen; der Adel selbst zerfiel in die Parteien der Hüte (unterGraf Gyllenborg) und Mützen (unter Graf Horn), von denen jene sich vonFrankreich, diese von Rußland bestechen ließen. Beim Ansang des österreichischenErbfolgekrieges setzte Frankreich durch seine Anhänger eine schwedische Kriegs-
1741 erklärung gegen Rußland durch, um dieses vom Anschluß an Österreich ab-
1742 zuhalten (Z 370). Die Schweden wurden bei Willmanstrando geschlagen und1748 bei Helsingfors zur Kapitulation genötigt; im Frieden von Abo mußten sie
Finnland bis zum Fluß Kymene an Rußland abtreten und Adolf Friedrichvon Holstein-Gottorp, einen Vetter des Schwagers der Zarin Elisabeth (Stamm-Adols^rieb-bäum 5, 6 und 7), als schwedischen Thronerben anerkennen. Unter Adolfi7si-i77i Friedrich erstrebte seine Gemahlin Luise Ulrike, eine Schwester Friedrichsdes Großen, eine Stärkung der Königsmacht, vermochte aber ihren Gemahlnicht zu energischem Vorgehen hinzureißen. Der Versuch der „Mützen", diesich unter dem Einfluß der Königin zur Hofpartei umwandelten, die Königsmacht175« zu heben, endete mit der Hinrichtung des Grafen Horn und der Herrschaft der„Hüte", die nun als Verteidiger der Adelsfreiheiten erschienen. Sie bewirkten,daß Schweden gegen den Wunsch des Königs als Bundesgenosse Frankreichsam Siebenjährigen Kriege teilnahm (ß 381); indes die erbärmliche Kriegführung,durch die Schweden den letzten Rest seines alten militärischen Ruhms einbüßte,führte nach dem Frieden zum Sturz der „Hüte". Nun herrschten die russischgesinnten Mützen, bis Bauernaufstände ausbrachen und Adolf Friedrich durchi7«s die Drohung, die Krone niederzulegen, einen außerordentlichen Reichstag dahinbrachte, die dem Monarchen widerstrebenden Räte zu entlassen. Durch einenStaatsstreich eine gründliche Besserung zu versuchen, dazu konnte sich der Königindes nicht entschließen.
6. Rußland und Polen.
8 346. Peters des Großen Ansgang. Durch den Nordischen Krieghatte Peter Rußland zur europäischen Großmacht erhoben, ihm den Wegnach dem Westen eröffnet. Zum Zeichen des nannte er sich nun nach euro-päischer Weise „Kaiser", aber er vergaß deshalb nicht, daß für RußlandsMacht auch der asiatische Osten von höchster Bedeutung war: eigentlichlag ja hier die wichtigste Kulturaufgabe des Reiches. Von Astrachan ausbestanden schon lange Handelsbeziehungen zu Persien (8 173); jetzt botendie Thronwirren im persischen Reiche (Z 430) eine günstige GelegenheitdWch-r zur Erweiterung der russischen Macht. Mit der Absenkung einer starken1722-17LS Motte von Astrachan begann Peter den Krieg gegen Persien. DieRussen nahmen Derbent, Rescht und im nächsten Jahre Baku. Einerweiteren Ausbreitung der russischen Macht schien indes die Pforte ent-
1723 gegentreten zu wollen; deshalb schloß Peter mit Persien Frieden. Ererhielt Derbent, Baku, Ghilan und Masenderan, also die West- und Süd-küste des Kaspischen Meeres, mußte dann aber in einem Abkommen Nlit
1724 der Türkei darein willigen, daß nur die Westküste (Daghestan, Schirwanmit Derbent und Baku) bis zur Mündung des Kur russisch wurde,Eriwan und Tiflis den Türken zufiel (Z 428). Indes auch so war einWichtiger Schritt nicht nur zur Erwerbung des Kaspischen Meeres, sondern
Sibirien auch zu der der Kaukasusländer geschehen. Auch in Sibirien drangendie Russen immer weiter (8 315) vor. Dabei gerieten sie zum ersten Malein einen Konflikt mit China; sie mußten hier die chinesischen Forderungenisss im Vertrage von Nertschinsk erfüllen und das Amurgebiet an Chinaüberlassen (8 433). Dagegen eroberten die Kosaken 1697 Kamtschatka;