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Dritter Band.
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Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740).

8 347 .

Dresden und durch die Vermählung mit einer deutschen Fürstentochter, der Charlotte Sophievon Braunschweig-Wolfenbüttel, der europäischen Kultur zu gewinnen. Alexej blieb beiseinem Sinn, umgab sich mit Freunden des alten Zustandes und sprach davon, daß er dieResidenz wieder nach Moskau verlegen werde. Als Peters zweite Gemahlin Katharina17IS einen Sohn (Peter) geboren hatte, verlangte der Zar, daß Alexej sich vollständig ändernoder auf den Thron verzichten und Mönch werden solle. Dieser erklärte sich zum Scheindamit einverstanden, entwich aber während des Vaters zweiter Europareise mit seiner Gc-I7is liebten Afrosinja (seine Gemahlin war 1715 gestorben) nach Wien und unter dem Schutzseines Schwagers Karls VI. nach Neapel. Der Zar verlangte seine Auslieferung und bewog1718 den Sohn zur Rückkehr. Er mußte nun verzichten und erhielt das Versprechen der Ver-zeihung unter der Bedingung, daß er die Mitschuldigen seiner Flucht nenne. Nachdemauf Grund seiner Angaben eine Reihe Hinrichtungen erfolgt waren, wurde Alexej, um nochmehr Namen zu erpressen, zweimal in grausamer Weise geknutet und dann zum Tode ver-28. Juni 1718 urteilt. Kurz darauf starb er im Gefängnis, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht hingerichtet,auch nicht vergiftet, sondern an den Folgen der Knutung.

Das Verfahren gegen Alexej hängt zusammen mit der Tatsache, daß PetersReformen im russischen Volke sehr wenig Anklang fanden, daß der schon langebestehende Gegensatz zwischen Alt- und Neurussentum sich ver-schärfte. Es fehlten im russischen Volke noch die rechten Anknüpfungspunkte;eben deshalb hatte Peter den lebhaften Wunsch, sein Werk über seinen Todhinaus zu sichern: diesem Wunsche opferte er seinen Sohn. Aus ihm floßauch der nach dem Tode seines zweiten Sohnes Peter (1719) erlassene Mas,1722 der dem regierenden Zaren das Recht zusprach, den Nachfolger zu er-nennen. Dieser Erlaß war verhängnisvoll, da er die Legitimität beseitigte1724 und die Thronfolge unsicher machte. Peter ließ seine Gemahlin Katharina8- si°br. krönen, hatte aber noch keine weiteren Bestimmungen über die Thronfolgei72s getroffen, als er unerwartet starb.

Aatharina Peters zweite Gemahlin war zu Jakobstadt in Kurland als Tochter eines Bauern1679 loder (Samuel Skawronskij) geboren, der bald nach Marienburg in Livland übersiedelte; hierI68t) heiratete sie 1702 einen schwedischen Dragoner, geriet aber noch in demselben Jahre bei derEinnahme Marienburgs in russische Gefangenschaft und in den Besitz Menschikows. Beiihm sah sie Peter und machte sie zu seiner Geliebten; 1703 trat sie zur griechischen Kircheüber, wobei sie den Namen Katharina Alexejewna erhielt, 1707 vermählte sich Peterheimlich mit ihr, 1711 erklärte er sie zu seiner Gemahlin.

§ 347. Peters Nachfolger bis 1741. Peters Tod führte eine Reihestürmischer Thronwechsel herbei, in denen das Alte mit dem Neuen rang-^Ss- 1727 ' Die altrussische Partei wünschte die Erhebung von Alexejs Sohne Peter;Menschikow jedoch verschaffte seiner ehemaligen Dienerin, der KaiserinKatharina, den Thron und führte in ihrem Namen ein unumschränktesRegiment als Oberhaupt des 1726 errichteten „Geheimen Rats", der über demSenat stehen sollte. Als Katharina starb, rief Menschikow auf Grund ihresTestaments, dessen Echtheit freilich angezweifelt wurde, Alexejs unmündigenN27-17M Sohn Peter II. zum Zaren aus, führte für ihn die Regentschaft und dachteihn mit seiner Tochter Maria zu vermählen. Da bewirkte Iwan Dolgorucky,Peters II. Jagdgefährte, den Sturz des übermütigen Emporkömmlings. Menschi-kow brachte mit seiner Familie den Rest seiner Tage in Sibirien zu. DieDolgoruckys herrschten nun als Leiter des Geheimen Rats ebenso unumschränktwie Menschikow, regierten aber im altrussischen Sinne und verlegten die Residenznach Moskau. Indes noch ehe die beabsichtigte Vermählung des Kaisers miteiner Schwester Iwan Dolgoruckys zustande kam, starb Peter II., und es erfolgteein Staatsstreich, der an den schwedischen von 1719 erinnert (Z 327). Wiedort der Adel durch Erhebung einer minderberechtigten Königin seine eigne Herr-schaft zu begründen suchte, so auch hier. Gegen das Erbrecht, das für Petersdes Großen Enkel Peter sprach, erhob der Geheime Rat Peters des GroßenI 7 M-I 740 ^chte Anna Jwanowna, verwitwete Herzogin von Kurland (Z 249), auf denThron, zwang sie aber -ur Unterzeichnung einer Wahlkapitulation, durch die