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Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus <1660—1740).
8 348.
land zum Kriege gegen Preußen (ß 379); Lestocq, der in Preußens Interessegewirkt hatte, wurde 1748 nach Sibirien verbannt.
Augus^ii 8 348. Polen unter den beiden sächsischen Königen. Friedrich Augusts II.der Starke Plan, nach seiner Wiedereinsetzung <ß 325) mit Hilfe seiner Sachsen und seinerISS7-H3S Bundesgenossen die Königsmacht in Polen zu heben, scheiterte an dem Wider-stände des Adels. Eine allgemeine Konföderation zwang ihn, die sächsischenTruppen aus dem Reiche zu entfernen. Desto besser gelang sein Vorhaben,durch Einführung eines gesteigerten Luxus sich den Adel mehr zu eigen zumachen und den kriegerischen Sinn zu brechen. Die von Paris nach Dresdenund von Dresden nach Warschau verpflanzte Prachtliebe, Schwelgerei und Üppig-keit zerstörte die letzte sittliche Kraft des polnischen Adels und wirkte um so nach-teiliger, als äußere Verfeinerung mit innerer Roheit gepaart war. Bestechlichkeitwurde so allgemein, daß sie aufhörte, ein entehrendes Laster zu sein; von dereuropäischen Kultur übernahm Polen vor allem den äußern Firnis, den Weiber-einfluß und die (durch Gründung des weißen Adlerordens genährte) Eitelkeit.Und während sonst in Europa die konfessionellen Gegensätze zurücktraten, geselltesich in Polen zu den übrigen Gebrechen noch Verfolgungssucht gegen Andersdenkende;die von den Jesuiten geleitete Adelsaristokratie suchte den Dissidenten, dieals Anhänger der Schweden galten, alle kirchlichen und bürgerlichen Rechte zu ent-i?i? reißen. Ein auf einem außerordentlichen Reichstage verfassungswidrig durch-geführtes Gesetz verbot ihnen, Kirchen zu bauen; und als in der protestantischenStadt Thorn der allgemeine Haß gegen die friedenstörenden Umtriebe der Jesuiten1724 sich in einem Volksaufstand wider das Jesuitenkollegium Luft machte, bewies derOrden seine Macht durch die furchtbare Rache, die er an der Stadt nahm. Dererste Bürgermeister Rösner und neun evangelische Bewohner Thorns starben aufdem Schafott; auch die letzte der Hauptkirchen der Stadt, die den Evangelischennoch geblieben war, mußte den Katholiken eingeräumt werden. Kurz vor demTode Friedrich Augusts II., der zugunsten seiner ehemaligen Glaubensgenossenkeine Schritte zu tun wagte, um nicht den Schein einer geheimen Anhänglichkeiti7W an Luthers Lehre auf sich zu ziehen, wurden alle Dissidenten durch Reichs-tagsbeschluß sowohl von der Nationalrepräsentation als von allenStaatsämtern ausgeschlossen.
Die Wirren, die nach dem Tode Friedrich Augusts eintraten, den polnischen1783 — 1763 'Erbfolgekrieg und den Wiener Frieden haben wir schon kennen gelernt (ß 332).Unter Friedrich August III. überwog in Polen der russische Einfluß voll-ständig; die inneren Zustände besserten sich nicht. Der sogenannte Pazifikations-1736 reichstag erklärte jeden für infam und vogelfrei, der fremde (also auch sächsische)Truppen ins Land führe, und verschärfte noch die harten Dissidentengesetze.i.n>sr>imvsto Wir haben früher gesehen <8 249), daß durch das Inbernin vsto eigentlich dieAnarchie der verfassungsmäßige Zustand des Staates, der Adelsrepublik, wurde; wie esseitdem zuging, dafür spricht die Tatsache, daß innerhalb fünfzig Jahren <1652—1704) nursieben Reichstage zum Abschluß gekommen, 48 „zerrissen" sind. Zur Korrektur dieses Zu-^Uonen"- standes diente eine Einrichtung, die man als verfassungsmäßigen Staatsstreich bezeichnenkönnte; es sind das die Konföderationen. In ihnen griff der Adel, der allein die Nationbildete, unmittelbar in das Staatsleben ein. Eine Konföderation war eine Adelsvercinigungzur Durchsetzung bestimmter Zwecke; sie umfaßte zunächst eine Landschaft, dann das ganzeReich, verkündete ihr Ziel, wandte gegen die Gegner Waffengewalt an und übernahm Mihrem Machtbereich alle staatlichen Funktionen. Sie forderte den König zum Beitritt auf,und der konföderierte Reichstag entschied nun nach Stimmenmehrheit; die Konföderationvergewaltigte also den ordentlichen Reichstag und den ganzen Staat. Ebkam aber auch vor, daß zwei einander feindliche Konföderationen entstanden; dann mußten dieWaffen entscheiden.
Adel All das wurde dadurch erleichtert, daß der polnischeAdel aus 30 bis 40 Familien<Pane) mit mehr als fürstlichem Reichtum, etwa 15—20000 selbständigen mittleren Grund'besitzen: und einer Million Szlachtizen bestand; die letzteren besaßen nichts als ihre Adels^Vorrechte, wurden von den Magnaten unterhalten und standen deren politischen Zwecken leder-