Band 
Dritter Band.
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8 349. Siebentes Kapitel: Europa unter d. Herrsch, d. Gleichgewichtspolitik (1715—1740). 59 g

zeit zur Verfügung. Unter August III- war der Hochadel in zwei Parteien gespalten;an der Spitze der einen, französisch gesinnten, standen die Potocki, an der der anderen, diesich auf Rußland stützte, die Czartorhski. Konstanzia Czartorhska heiratete den StanislausPoniatowsky; ihr Sohn wurde Gesandter in Petersburg und Geliebter der GroßsürstinKatharina (8 3S2). Die Czartorhski gewannen allmählich das Übergewicht über die Potocki,

Ivie schon daraus erhellt, daß sie und ihr Anhang einfach als „die Familie" bezeichnetwurden. Von dem Reichtum und dem Luxus des Hochadels zeugt die Tatsache, daß FürstKarl Radziwill einst ein Fest gab, dessen Kosten aus 2 Millionen polnische Gulden ge-schätzt wurden, und daß er als Mitglied einer Konföderation 7—10000 Mann Truppenstellte. Die auf Lebenszeit angestellten Beamten wurden dem Adel entnommen, die höchstendom Reichstage ernannt, manche Stellen waren so gut wie erblich. Die mit Grundbesitzreich ausgestattete Kirche war mit dem Adel aufs engste verbunden, die hohen Kirchenämter Kirchewaren in den Händen des Adels, den Unterricht, soweit davon die Rede sein konnte,leiteten die Jesuiten. Die Bauern waren leibeigen, dem Stumpfsinn und Branntwein- Bauerngenuß verfallen, dem Adel gegenüber völlig rechtlos. Einen wirklichen Bürger st and gab Bürgerrs nicht (G riefen soll 1744 nur 60, Bromberg 1772 nur 500 Einwohner gehabt haben); eineIndustrie war nicht vorhanden; den Handel besorgten die Juden, die in ihrer Unterwürfig- Ludenleit dem Adel sehr bequem waren: der Hofjesuit und der Hofjude waren die steten Begleiterdes Pan. — Am Adel und am Jesnitismus ist Polen zugrunde gegangen; Leidehinderten jeden geistigen und materiellen Aufschwung des Volkes. Von der großen sozialenAufgabe jedes Königtums, dem Schutze der Schwachen, konnte hier bei der Machtlosigkeit derKrone nicht die Rede sein.

7. Österreich und Preußen.

8 349. Asterreich unter Karl VI. Die auswärtige Politik Kar l s VI.haben wir schon besprochen. Die Großmachtstellung des österreichisch-ungarischen Staates wurde durch die Erwerbungen des Utrechter (8 320)und des Passarowitzer Friedens (§ 329) wesentlich gehoben; in der Folge-zeit aber konnten diese Errungenschaften nicht vollständig aufrechterhaltenwerden. In Italien wurde allerdings der Verlust Neapel-Siziliens durchdie Erwerbung Parmas und tatsächlich auch Toskanas (Z 332) aus-geglichen; was an räumlicher Ausdehnung etwa verloren ging, wurdeersetzt durch die räumliche Konzentration der österreichischen Besitzungen.Im Südosten dagegen bedeutete der Friede von Belgrad einen Verhängnis-dollen Rücktritt von der großen Aufgabe der Befreiung der christlichenSüdslawen (Z 333). Beeinflußt wurde die auswärtige Politik Karls VI.,Wie wir wissen, durch seine wirtschaftlichen Pläne und sein Streben, seinerTochter Maria Theresia die Nachfolge in Österreich-Ungarn zu sichern,^achdem die Pragmatische Sanktion 1720 von den Ständen derösterreichischen und böhmischen Lande, 1722 von denen Ungarns undSiebenbürgens angenommen war, erlangte er durch manche Zugeständnisse,öaß sie von den meisten Staaten anerkannt wurde (§ 331). Dabei gab erdie von Ostende aus begonnenen atlantischen Unternehmungen preis, anösr Förderung des Levantehandels dagegen hielt er fest: Trieft und Fiume(8 331) wurden Rivalinnen des absterbenden Venedig.

Im Innern blieb der lockere Verband der österreichisch - böhmisch-Ungarischen Monarchie (Z 308) bestehen: Karl VI. wurde 1712 in Ungarnund 1723 auch in Böhmen gekrönt. Man suchte die Macht der Stände ein-schränken, doch blieb ihnen der Einfluß auf die Verwaltung und die Finanzen,-nur in der Entwicklung eines stehenden Heeres trat während der Türkenkriegewe landesherrliche Gewalt mehr hervor; es wurde bedeutend vermehrt, undMben dem Heer wurde 1725 im Zusammenhang mit den levantischen Handels-p anen eine Kriegsflotte geschaffen. Auf wirtschaftlichem Gebiete mag noch dieKolonisation der südöstlichen Grenzlande Slawonien und Syrmien erwähnt