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Allgemeine Zoologie in Verbindung mit Mikroskopie und Sezierübungen : zum Selbstunterricht und zur Vorbereitung auf die Mittelschullehrerprüfung / von Heinrich Stridde
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A. Allgemeine Anatomie der Tiere.

Zentrosoma mit dem Scheitel zu- und mit ihren freien Enden abgewandt. JederTochterstern läßt also eine Pol- und eine Gegenpolseite erkennen. Durch diegenaue Halbierung des Kernes besitzt jede Hälfte die gleiche Anzahl von Chromo-somen (Abb. 13, 5).

5. Stadium: Übergang zum Ruhezustand; völlige Teilung der Zelle (Abb. 12, 6).Die Zentrosomen haben ihre Arbeit vollbracht. Jedes verbleibt getrennt vom andernin seiner Zellhälfte und hat sich meistens schon während des Stadiums der Spindelgeteilt. Die Chromosomen eines jeden Tochtersternes senden unter sich Seitenzweigeaus, durch die sie gegenseitige Verbindungen hersteilen und das Kerngerüst wiederaufbauen. Durch Aufnahme von Kernsaft schwellen beide Tochterkerne an; auch um-geben sie sich mit einer Membran. Inzwischen hat sich am Äquator der ganzenZelle eine ringförmige Einschnürung gebildet, die nach dem Zentrum der Zelle zuweiter einschneidet und schließlich zur Trennung der beiden Hälften und zugleichzur Bildung der beiden Tochterzellen führt. Eine solche Zweiteilung infolge indirekterKernteilung ist allgemein. Eine Zelle entfaltet während ihrer Teilung ihre größteTätigkeit, bei der plötzlich Kräfte mitwirken, die während des Wachstums derZelle schlummern (Abb. 14). Findet in einer Zelle fortgesetzte Kernvermehrung,aber keine Durchschnürung des Zytoplasmas, sondern dessen gleichzeitiges Wachs-tum statt, so entsteht eine vielkernige Riesenzelle. Eine derartige vielkernigePlasmamasse kann auch durch Verschmelzung von Zellen gebildet werden. SolcheSynzytien') verhalten sich trotz ihrer vielen Kerne nicht anders als gewöhnlicheZellen mit einem Kern. Deshalb wird man sie am besten stets als eine einzigeZelle auffassen.

8. Wachstum der Zelle.

Die Tochterzellen als Produkte der Zellteilung sind stets kleiner als ihreMutterzelle. Erst allmählich erreichen sie die Größe der letzteren; sie wachsen.Die aufgenommenen Nahrungsstoffe werden von der Zelle assimiliert und unterdem Einfluß des Kernes zum Aufbau des lebenden Materials verwendet. Wächstdie Zelle, so nimmt auch der Kern an Größe zu. Doch das Verhältnis zwischenGrößenzunahme des Kernes und Zytoplasmavermehrung bleibt während des Wachs-tums der Zelle nicht dasselbe. Es verändert sich derart, daß zwischen Kern undPlasma eine Spannung eintritt, die die Zellteilung veranlaßt. Eine übermäßigeVermehrung der Kernsubstanz greift störend in die Lebensvorgänge ein, bei denenzwischen Plasma und Kern ein bestimmtes Massenverhältnis, die sog.Kernplasma-Relation, bestehen muß. Werden Zellkerne ihres Zytoplasmas beraubt, so sindsie nicht mehr lebensfähig. Versuche an Protozoen, z. B. am Stentor, haben ge-lehrt, daß ein abgetrenntes Stück einer Zelle nur dann zu einer vollständigen Zellewieder heranwächst, wenn es den Kern oder wenigstens ein Stück von ihm besitzt.Dabei kommen aber auch Ausnahmen vor. So beobachtete Balbiani 1891, daßkernlose Stücke von solchen Individuen, die unmittelbar vor ihrer Teilung standen,sich einschnüren konnten. Prowazek stellte 1904 Regenerationserscheinungenan kernlosen Stücken vom Stentor fest. Solche Beobachtungen können die Be-deutung des Kernes beim Wachstum und bei der Regeneration nicht als fraglicherscheinen lassen, sondern sie beweisen, daß der Einfluß des Kernes auf das Zyto-plasma nach Beseitigung des Kernes noch für kurze Zeit nachwirkt. KernlosesPlasma besitzt nur kurze Lebensdauer, assimiliert und dissimiliert schwächer alskernhaltiges und zeigt auch nur geringes Wachstum. Wie beim Wachstum, sowird auch bei jeder andern Funktion das Zytoplasma durch den Zellkern in dengeeigneten Zustand versetzt und anhaltend beeinflußt.

*) avv mit, gemeinsam; xvrog Höhlung, Zelle.