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Lehrbuch der Botanik für höhere Lehranstalten und die Hand des Lehrers : von biologischen Gesichtspunkten / von Otto Schmeil
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Taf. 3. 2. Fam. Sauerdorngewächse. 3. Fam. Seerosen.

die Dornen für sie eine vortreffliche Schutzwehr gegen Weidetiere, sowie gegenRaupen und Schnecken, welch letztere, nach dem zarten Laube lüstern, amStengel emporsteigen.

3. Die eigentümlich duftenden Blüten stehen in Trauben, werden alsotrotz ihrer Kleinheit auffällig, und dies umsomehr, als nicht nur die sechs Blü-tenblätter, sondern auch die Kelchblätter an der Innenseite gelb gefärbt sind.Die anfänglich aufrecht stehenden Trauben werden später hängend, so dass dieBlüten wagrecht oder schräg abwärts zu stehen kommen. Da zudem die Staub-beutel von den umgebogenen Zipfeln der Blütenblätter überdeckt werden, so istder Blütenstaub gegen Regen vollkommen geschützt. Die Weise, in der dieBlüten bestäubt werden, ist höchst wunderbar. Berührt man mit einem spitzenHölzchen den Grund eines Staubblattes, so sieht man, wie es plötzlich nachinnen schnellt. Genau dasselbe erfolgt natürlich, wenn das Staubblatt an jenerStelle von einem Insekt berührt wird. Diese Berührung erfolgt nun zufällig,oder — was die Regel ist — beim Saugen des Honigs; denn der süsse Saftwird von zwei orangefarbenen Anschwellungen jedes Blütenblattes abgeschieden,die unter dem reizbaren Grunde des Staubblattes liegen. Dabei kann es natür-lich nicht ausbleiben, dass das Insekt mit Blütenstaub beworfen wird. Fliegt dasTier darauf zu anderen Blüten, dann werden sicher einige Staubkörnchen an derNarbe dieser oder jener Blüte abgestreift.

4. Der Fruchtknoten entwickelt sich zu einer essbaren Beere, die mitleuchtendem Rot Vögel zum Verzehren des saftigen, säuerlichen Fruchtfleisches(Sauerdorn!) einladet (s. Weinstoek).

Eine nahe Verwandte ist die Mahonie (Mahönia aquifölinm), die wegenihrer immergrünen Blätter und goldgelben Blütentrauben häufig in Parkanlagen zu findenist. Sie stammt aus Nordamerika und ist gleichfalls ein Träger des Berberitzenrostes.

3. Familie. Seerosen (Nympkaeäceae).

Die weisse Seerose (Nymplisea alba). Taf. 3.

Der stille Weiher, der schilfumkränzte Teich, der blinkende See, alle er-halten erst durch die Seerose ihre schönste Zier. Die riesigen Blätter, die sichgleich schwimmenden Schilden auf dem Wasserspiegel ausbreiten, und die wun-derbar zarten Blüten, die gefüllten Rosen ähneln (See-, Teich- und Wasserrose),erhöhen mächtig den geheimnisvollen Zauber, den das Wasser auf den Menschenausübt (vgl. Goethes „Fischer“!). Darum ist auch die prächtige Pflanze schonseit uralten Zeiten durch Sage und Märchen verklärt: Auf den Blättern schaukelnsich im Mondenscheine die Elfen und Nymphen (Nymphaea!), und unter ihnenlauert die Nixe, um denjenigen zu sich in die Tiefe zu ziehen, der die herr-liche Blüte brechen will („Nixblume“ — Die Nixe heisst auch „Wassermuhme“,die Pflanze daher „Mummel“).

Während die meisten Pflanzen (Beispiele!) bald zu Grunde gehen, wennsie längere Zeit überflutet werden, spielt sich das Leben der Seerose (mit Aus-nahme des Blühens!) im Wasser ab: sie ist eine Wasserpflanze.