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Lehrbuch der Botanik für höhere Lehranstalten und die Hand des Lehrers : von biologischen Gesichtspunkten / von Otto Schmeil
Entstehung
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II. Gruppe. Nacktsamige Pflanzen (Gymnospermae).

Pflanzen, deren Samenknospen nicht in einem Fruchtknoten eingeschlossen sind, sondernsich auf dem offenen Fruchtblatte finden.

77. Familie. Nadelhölzer (Ooniferae).

Verzweigte Holzgewächse mit nadel- oder schuppenförmigen Blättern.

Die Kiefer (Pinus silvestris).

Kein Baum bedeckt im mittleren und nördlichen Europa so weite Flächenwie die Kiefer oder Föhre. Obgleich sie auf allen Bodenarten gedeiht, treffenwir sie doch vorwiegend auf Sandboden an. Dort bildet sie oft mächtigeWälder, die nach dem treusten Begleiter desanspruchslosen Baumes, demHeidekraute, vielfach alsHeiden bezeichnet werden. Ja, sie ist sogar im-stande, den ödesten Sand zn beleben, auf dem kein anderer Baum mehr gedeiht.Wollen wir die merkwürdige Pflanze daher recht verstehen, so müssen wir unsbei ihrer Betrachtung zunächst fragen, wodurch sie befähigt ist, dasÖdland zu bewohnen.

A. Wurzel. 1. Nehmen wir eine junge Kiefer und einen anderen gleich-alterigen Baum, die beide auf demselben Grunde gewachsen sind, aus demBoden, so werden wir finden, daß die Kiefer alle anderen Bäume durch ihrgroßes und stark verzweigtes Wurzelgeflecht iibertrifft. (Sie hatz. B. 12mal soviel Wurzelfasern als die Pichte.) Diese Tatsache ist schoneine Antwort auf die soeben aufgeworfene Frage: Bäume mit gering ent-wickeltem Wurzelwerk finden in dem lockeren, sowie wasser- und nahrungs-armen Sandboden weder den nötigen Halt gegen den Anprall der Stürme, nochdie zum Leben notwendigen Wasser- und Nahrungsmengen. Die Kiefer dagegenhält sich in dem lockeren Grunde wie mit Tausenden und Abertausenden vonArmen fest. Und da sie mit ihrem mächtigen Wurzelgeflecht eine sehr großeErdmasse durchzieht, vermag sie selbst aus ödem Sandboden die nötigen Wasser-und Nahrungsmengen herbeizuschaffen. Sie gedeiht noch an Orten, an denenandere Bäume verdursten und verhungern müßten.

2. Ziehen sich die Wurzeln eines Baumes, der auf lockerem Sande wächst,flach unter der Erdoberfläche dahin (wie z. B. die der Pichte), so befindet er sichin steter Gefahr, durch den Sturm entwurzelt zu werden. Die Kiefer dagegentrotzt meist dem heftigsten Anprall. Sie ist nämlich durch eine Pfahlwurzel,die sich tief in den Untergrund senkt, und von der wieder zahlreiche Neben-wurzeln ausstrahlen, sicher im Bodenverankert. Dieser Wurzel wegen ver-mag die Kiefer umgekehrt aber auch nur auftiefgründigem Boden zu gedeihen.