Buch 
Lehrbuch der Botanik für höhere Lehranstalten und die Hand des Lehrers : von biologischen Gesichtspunkten / von Otto Schmeil
Entstehung
JPEG-Download
 

2. Unterklasse. Verwachsenblumenblättrige Pflanzen (Sympetalae).

Pflanzen mit doppelter Blutenhülle (mit Kelch und Blnmenkrone), hei denen die Blumen-blätter (wenigstens am Grunde) miteinander verwachsen sind.

32. Familie. Heidekraut-Gewächse (Ericäceae).

1. Unterfamilie. Eigentliche Heidekräuter (Ericeae).

Das Heidekraut (Callüna vulgaris). Taf. 15.

A. Verbreitung 1 . Auf trockenem Sandboden, wie auf schwankendemTorfmoor, auf sonniger Ebene, wie im Schutze des Kiefernwaldes, auf niedrigemHügel, wie auf sturmumbrauster Höhe findet sich das anspruchslose Heidekraut.Es ist über ganz Europa und darüber hinaus verbreitet und bildet stets kleinereoder grössere Bestände. In Norddeutschland besonders bedeckt es zahlreiche,oft viele Quadratmeilen grosse Gebiete,Heiden genannt, von denen auch diePflanze ihren Namen erhalten hat. (Gieb die Verbreitung der Heiden genaueran!) Soweit das Auge reicht, erblickt man dort fast nichts weiter als Heidekraut.Nur hier und da wird das Einerlei unterbrochen von einer verkrüppelten Kiefer,von Wacholder- und Ginsterbüschen, von W T eidengestrüpp, das sich nur wenigüber den Boden erhebt, von stechenden Gräsern, von Flechten- und Moospolstern,vom gelbblühenden Mauerpfeffer und duftenden Thymian, von Preisselbeere undJohanniskraut oder von anderenHeidepflanzen. Dasgesellige Heidekrautaber ist stets dasherrschende Gewächs. Hieraus ergiebt sich auch die

B. Bedeutung, welche die Pflanze für den Menschen hat. Kurz gesagt,sie macht- jene öden, unfruchtbaren Gegenden erst bewohnbar.Wenn die sengenden Strahlen der Sommersonne die Heide fast ausgedörrthaben, brennt der Heidebauer den Pflanzenwuchs auf einem Teile seines Besitz-tums nieder (Höhenrauch!). In den Boden, der durch die untergepflügte Ascheeinige Fruchtbarkeit gewonnen hat, sät er im nächsten Frühjahre dann dasHeidekorn, den Buchweizen, dessen mehlreiche Samen das Hauptnahrungs-mittel der Heidebewohner bilden. Die jungen Triebe des Heidekrautes liefern fernerein dürftiges Futter für Kinder und Schafe (Heidschnucken der LüneburgerHeide!), und wenn sich im Spätsommer die Heide mit Millionen honigreicher Blütenwie mit einemrosenroten Schimmer überzieht, dann finden endlich die Bienender Bauern einen reichgedeckten Tisch. (Daher in Heidegegenden zumeist starkeBienenzucht.) Heidekraut streut der Heidebewohner auch dem Vieh in die Ställeund dann als nährenden Dünger auf den sandigen Acker; mit Heidekraut deckter das Dach seiner Hütte, und mit Heidetorf erwärmt er im Winter die ärm-liche Wohnung.

Dieser Torf verdankt gleichfalls der unscheinbaren Pflanze seine Ent-stehung: Zwischen den dünnen, stark verzweigten Wurzeln, die nahe der Erd-

Schm eil, Lehrbuch der Botanik. o