Heidekraut. Glocken-Heide.
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rührt werden müssen. Sobald dies aber geschieht, werden auch die Staub-beutel erschüttert, so dass aus ihnen der Blütenstaub wie aus einer Streu-sandbüchse auf das Insekt herabrieselt (5.). Stösst das mit Blütenstaub beladeneTier beim Besuche einer zweiten Blüte an die im Blüteneingange stehendeNarbe, so hat es die von der Pflanze „gewünschte“ Fremdbestäubung vollzogen.Mit dieser Art der Bestäubung hängt es innig zusammen, dass das Heidekrautim Gegensatz zu den meisten anderen „Insektenblütlern“ trockenen Blutenstaubbesitzt, und dass die Staubfäden eine schwanenhalsartige Krümmung zeigen.Infolge dieser Einrichtung werden die Staubfäden nämlich zu federnden Ge-bilden, so dass die von ihnen getragenen Staubbeutel bereits bei der geringstenErschütterung ins Schwanken geraten.
2. Obgleich die Blüten verhältnismässig klein sind, ist das blühende Heide-kraut doch weithin sichtbar, so dass es sich einesausserordentlich regen Besuchs zu erfreuen hat:
a) Jeder Zweig der Pflanze trägt zahlreiche Blüten,die sämtlich nach einer Seite gerichtet sind.
b) Das Heidekraut wächst — wie oben erwähnt —in mehr oder weniger grossen Beständen, so dass dieblühende Pflanze schon auf eine grössere Entfernung hinsichtbar wird.
c) Die Blüten werden — im Gegensatz zu denen dermeisten anderen Pflanzen — nach dem Verblühennicht unscheinbar (1. und 4.). Ein Besuch dieserBlüten wäre für das Heidekraut aber nicht allein voll-kommen wertlos, sondern sogar von Nachteil; denn dieInsekten würden — so zu sagen — damit die kostbareZeit nur vertrödeln. Durch Einwärtskrümmen der (etwasverblassten) Kelchblätter wird daher der Eingang zumBlüteninnern verschlossen, so dass die Insekten genötigtsind, nur den geöffneten Blüten zu dienen. — Im Schutzedes Kelches reift auch die
E. Frucht. Sie ist eine kleine Kapsel, die zur Zeitder Reife mit 4 Klappen (Fruchtblätter!) aufspringt, sodass der Wind die winzigen Samen leicht verstreuen kann (6.).
Andere Heidekraut-Gewächse.
Von den nächsten Verwandten des Heidekrauts seinur die Glocken-Heide (Erica tetralix) erwähnt, die auf Torf-und Moorboden gedeiht (daher auch Sumpf-H.). Ihre immer-grünen Blätter sind nur an den Rändern zurückgerollt, dafüraber sind sie wie alle jungen (diesjährigen) Teile mit Ausnahmeder Blumenkrone dicht von kurzen einfachen sowie von langenDrüsenhaaren (s. S. 33) bedeckt. Am Ende der Stengel stehen wie Glockenheidezierliche Glöckchen (Name!) die fleischfarbigen Blüten in einem (nat. Gr.)