Band 
III. Teil.
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Zur Geschichte der Ägypter.

geben. Von diesen aber sind zwei gar nicht wert, daß ich sie erwähne,nur daß ich sie namhaft mache. Nämlich die eine sagt, die Strichwindewären Ursache, daß der Nil wüchse, weil sie den Fluß verhinderten, indas Meer auszuströmen. Aber oft haben die Strichwinde nicht geweht,und der Nil ist doch gestiegen. Und dann, wenn die Strichwinde Ur-sache wären, so müßte es ja mit allen anderen Flüssen, die den Strich-winden entgegenlaufen, auf dieselbe und gleiche Art gehen wie mit demNil, und um so mehr darum, weil sie kleiner sind und eine schwächereStrömung haben; es sind aber viele Ströme in Syrien und viele inLibyen, die nichts dergleichen erleiden wie der Nil.

Aber die andere Meinung ist noch unverständiger als jene und so-zusagen wunderlicher, die da sagt, es käme daher, weil er aus demOkeanos ströme, der Okeanos aber ströme um die ganze Erde.

Die dritte Meinung hat zwar das meiste für sich, ist aber doch ganzfalsch. Denn auch sie sagt gar nichts, wenn sie will, der Nil, der da fließtaus Libyen mittendurch die Äthiopier nach Ägypten hinein, flösse vongeschmolzenem Schnee. Wie kann er denn von Schnee fließen, da eraus den wärmsten in kältere Gegenden fließt?

Der aber von dem Okeanos gesprochen, der hat die Sache zu dunklenMärchen hinaufgeführt und hat gar keinen Grund. Denn ich wenigstenskenne keinen Strom Okeanos, sondern Homeros oder sonst der früherenDichter einer hat diesen Namen erfunden und in die Dichtkunst ein-geführt.

Wenn ich nun selber, nachdem ich die bisherigen Meinungen ver-worfen, mein Urteil abgeben soll über das, was uns unbekannt ist, sowill ich sagen, warum mir der Nil im Sommer zu wachsen scheint. ZurWinterszeit wird die Sonne vertrieben aus ihrer alten Bahn durch dieWinterstürme und geht nach Ober-Libyen. Um es nun ganz kurz zuerklären, so ist hiermit alles gesagt. Denn welchem Lande diese Gottheitam nächsten ist und in welchem Lande sie ist, das muß notwendig ammeisten nach Wasser dursten, und seiner Flüsse Strömungen müssenvertrocknen. Also, meine ich, ist die Sonne daran schuld.

2. Die Erbauung der Pyramiden.

^ lHerodot II, 124, 125.)

Von Cheops erzählten die ägyptischen Priester (ihm, Herodot), erwäre auf alles mögliche Böse gefallen. Denn zuvörderst hätte er alleTempel verschlossen und sie vom Opfer abgehalten; sodann hätte erbefohlen, daß alle Ägypter ihm Frondienst leisteten. Und einige hätteer angestellt, daß sie aus den Steinbrüchen im arabischen Gebirge Steinezögen bis an den Nil, und wenn die Steine auf Fahrzeugen über denFluß gesetzt waren, so stellte er andere an, die sie von da bis an daslibysche Gebirge ziehen mußten. Und es arbeiteten je zehnmal zehn-