Zur Geschichte der Griechen.
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den stärksten Antrieb haben, ihr Leben einzusetzen, sür die das höchsteLebensglück auf dem Spiele steht und mit der Besiegung der größte Um-schwung aller Verhältnisse eintritt. Denn für einen Mann von Ehrgefühlist die Erniedrigung, verbunden mit dem Vorwurf der Feigheit, empfind-licher als der schmerzlose Tod, den er in tapferem Kampfe und in derHoffnung auf den Sieg der Vaterstadt erleidet.
Deshalb will ich auch euch, ihr Eltern der Gefallenen, nicht be-klagen, sondern trösten. Ihr wißt ja, daß das Leben wechselvoll ist unddaß der schon ein glückliches Lebenslos hat, dem ein so rühmliches Endewie diesen und eine so rühmliche Trauer wie euch beschieden ist. DieGefallenen aber haben mehr erlangt: zu gleicher Zeit die Glückseligkeitund den Tod. Ich weiß wohl, daß es schwer ist, euch hiervon zu über-zeugen, da der Anblick fremden Glücks, dessen auch ihr euch einst er-freutet, so manche Erinnerungen an die Gefallenen wachrufen wird;betrifft ja doch der Schmerz nicht den Verlust solcher Güter, die man niegenossen hat, sondern solcher, an die man sich gewöhnt hat. — Aber ihrmüßt es mannhaft' ertragen, auch in der Hoffnung auf andere Kinder,die euch vielleicht noch geboren werden. Denn dann werden nicht nurin den einzelnen Familien die Nachgeborenen die Trauer um die Ver-storbenen aufheben, sondern auch die Stadt wird einen doppelten Nutzenhaben: daß sie nicht entvölkert wird und an Sicherheit gewinnt. Dennes ist nicht denkbar, daß man gleich gewichtig und gerecht bei den Bera-tungen sich geltend macht, wenn man nicht bei den Gefahren des Stäatesin gleicher Weise, wie andere, Kinder aufs Spiel setzt. — Ihr Alten aber,die ihr keine Kinder mehr zu erwarten habt, haltet es für einen Gewinn,daß ihr den größten Teil eures Lebens glücklich hingebracht habt und daßder Rest kurz ist; richtet euch auf im Gedanken an den Ruhm der Ge-fallenen! Denn die Ehrliebe altert nicht, und bei der Untätigkeit deshohen Alters ist es nicht der Geldgewinn, wie einige behaupten, sonderndie Ehre, die den meisten Reiz gewährt.
Für euch aber, die ihr als Söhne oder Brüder der Gefallenen zu-gegen seid, ist ein großer Wettkampf eröffnet: denn jedermann Pflegtden zu rühmen, der nicht mehr ist, und kaum werdet ihr bei größterTapferkeit es erreichen, eine Stufe geringer als sie, geschweige denn ihnengleich geachtet zu werden. Denn die Lebenden trifft der Neid, weil sieNebenbuhler haben; wer aber nicht mehr im Wege steht, wird mit un-bestrittenem Wohlwollen geehrt. — Soll ich nun auch der weiblichenTugend derer gedenken, die jetzt im Witwenstande leben, so will ichin kurze Worte der Ermunterung alles zusammenfassen: Zu großerEhre wird es euch gereichen, wenn ihr den eurem Geschlechte gebührendenCharakter nicht verleugnet und wenn so wenig als möglich, weder inLob noch Tadel, unter Männern euer gedacht wird.
So habe ich denn, was ich der Sitte gemäß für dienlich erachtete, ineiner Rede vorgetragen. Durch die Tat aber ist einerseits den Bestat-