Band 
III. Teil.
Seite
63
JPEG-Download
 

Zur Geschichte der Griechen.

63

halfen sie einander aus mit dem, was jeder hatte. Wo das Feuer brannte,entstanden durch den geschmolzenen Schnee tiefe Gruben bis an denBoden, und so konnte man die Tiefe des Schnees messen.

Von hier aus marschierten sie den ganzen folgenden Tag durchSchnee, und eine Menge Leute fiel vor Hunger um. Xenophon, der denNachzug führte, wußte sich, wenn er die Umgefallenen antraf, ihre Krank-heit nicht zu erklären. Als ihm aber jemand, der darin Erfahrung hatte,versicherte, daß sie Heißhunger litten und aufstehen würden, sobaldman ihnen zu essen gäbe, so ging er zu den Proviantwagen und gabihnen die Eßwaren, die er vorfand, oder schickte sie durch Leute, die ihnenbeispringen konnten. Sobald sie etwas genossen hatten, standen sie aufund marschierten mit. Gegen Abend erreichte Cheirisophos einen Fleckenund traf davor Weiber und Mädchen des Ortes an, die bei einemBrunnen Wasser holten. Auf deren Frage, wer sie wären, ant-wortete der Dolmetscher auf persisch, sie kämen vom Könige und wolltenzum Satrapen: die Frauenzimmer erwiderten, der wäre nicht hier, son-dern eine Parasange davon. Da es schon spät war, so gingen sie mit denWasserträgerinnen hinein, zu dem Befehlshaber des Orts. Cheirisophosnun und alle Truppen, die dazu gelangen konnten, nahmen dort ihrNachtquartier: die übrigen Soldaten aber, die nicht so weit gekommenwaren, brachten die Nacht ohne Speise und Feuerung unterwegs zu,und einige von ihnen kamen ums Leben. Auch hatte sich eine AnzahlFeinde zusammengezogen, die dem Heere nachfolgten und das abge-mattete Vieh raubten, worüber es unter ihnen selbst zu blutigen Händelnkam. Manche Soldaten blieben liegen, weil sie durch den Schnee dasGesicht verloren hatten, andere, weil ihnen bei der Kälte die Zehen ab-gefroren waren. Ein Hilfsmittel für die Augen gegen den Schnee wares, wenn man auf dem Marsche etwas Schwarzes über sie deckte, und fürdie Füße, wenn man sich unaufhörlich Bewegung machte und die Nachtüber barfuß war. Wer aber beschuhet schlief, dem drückten sich die Riemenin den Fuß ein, und die Schuhe waren wie angeschmiedet. Bei solchenDrangsalen also blieben verschiedene Soldaten zurück, und da sie eineStelle erblickten, welche schwarz schien, weil kein Schnee darauf lag, sovermuteten sie, er sei geschmolzen; und dies war wirklich der Fall, dennes befand sich nahe dabei in einer Bergschlucht eine dampfende Quelle.Hierher wendeten sie sich von der Straße ab und äußerten den Entschluß,nicht weiter zu marschieren. Als Xenophon, der den Nachzug führte,dies erfuhr, bat er sie, nicht zurückzubleiben, und wendete, um sie zu be-wegen, alle möglichen Kunstgriffe an. Er stellte ihnen vor, der Feindfolge in großer Anzahl, und brach endlich in Zorn aus. Allein sie erwiderten,er möchte sie niederhauen, denn sie könnten nicht weiter. Nun hielt erfür das beste, dem nachsetzenden Feinde womöglich einen Schreckeneinzujagen, damit er nicht über die Müden herfiele. Es war finster, unddie Feinde rückten mit großem Getümmel an, denn sie waren über ihre