Zur Geschichte der Griechen.
die Fahrzeuge, die es da für sie gibt, und gelangen auf diesen zueinem See. Hier wohnen sie und reinigen sich, büßen ihre Vergehungenab, wenn einer sich vergangen hat, und werden losgesprochen, wiesie auch ebenso für ihre guten Taten den Lohn erlangen, jeglicher nachVerdienst. Die aber, deren Zustand für unsühnbar erkannt wird wegender Größe ihrer Vergehungen, weil sie etwa häufigen und bedeutendenRaub an den Heiligtümern begangen oder viele ungerechte und gesetz-widrige Mordtaten vollbracht oder anderes, was diesem verwandt ist,die wirft das gerechte Geschick in den Tartaros, aus dem sie nie wiederHeraussteigen. Die hingegen, welche zwar sühnbare, aber doch großeVergehen begangen haben, wie z. B. die, welche gegen Vater oderMutter im Zom Gewalttat ausgeübt oder auf diese oder jene WeiseMörder geworden sind, die müssen sich zwar auch in den Tartaros stürzen,aber wenn sie hineingestürzt und ein Jahr darin gewesen sind, wirft dieWelle sie wieder aus, die Mörder in den Kokytos, die aber gegen Vaterund Mutter sich versündigt, in den Pyriphlegethon. Wenn sie nun aufdiesen fortgetrieben in den Acherusischen See kommen, so schreien sieda und rufen die, welche von ihnen getötet oder frevelhaft behandeltworden sind. Haben sie die nun herbeigerufen, so flehen sie und bitten,sie möchten sie in den See aussteigen lassen und sie dort aufnehmen.Wenn sie jene nun überreden, so steigen sie aus, und ihre Übel sind zu Ende;wenn nicht, so werden sie wieder in den Tartaros getrieben und ausdiesem wieder in die Flüsse, und so hört es nicht auf ihnen zu ergehen,bis sie diejenigen überreden, welchen sie Unrecht getan haben. Denn dieseStrafe ist ihnen von den Richtern angeordnet. Die aber, welche bei derPrüfung ausgezeichnete Fortschritte im heiligen Leben gemacht haben,diese sind es, welche, von allen diesen Orten in der Erde frei und los-gesprochen wie von Gefängnissen, hinauf in die reine Wohnung ge-langen und über der Erde ihre Behausung erhalten. Wer nun unterdiesen durch Weisheitsliebe sich schon gehörig gereinigt hat, der lebt füralle künftige Zeiten gänzlich ohne Leib und kommt in noch schönereWohnungen als diese.
Um deswillen, was wir jetzt auseinandergesetzt haben, Simmias,muß man ja wohl alles tun, um der Tugend und Vernunft im Lebenteilhaftig zu werden. Denn schön ist der Preis und die Hoffnung groß.Daß sich nun dies alles gerade so verhalte, wie ich es auseinander-gesetzt, das ziemt wohl einem vernünftigen Manne nicht zu behaupten;daß es aber entweder diese oder eine ähnliche Bewandtnis haben mußmit unsern Seelen und ihren Wohnungen, wenn doch die Seele offenbaretwas Unsterbliches ist, dies, dünkt mich, zieme sich gar Wohl, und eslohne sich auch, daß man zu glauben wage, es verhalte sich so. Denn esist ein schönes Wagnis, und man muß so etwas haben, gleichsam als einenZauberspruch für sich selbst. Damm spinne ich auch schon so lange an der
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